Produkt: Rundschau für Internationale Herrenmode 5/2017
Rundschau für Internationale Herrenmode 5/2017
Designerlook: Pocket Man +++ Schnitt-Technik: Sakko mit Golffalte +++ Expertin in Sachen Uniform +++ Verarbeitung: aufgesetzte Tasche +++ Weltkongress Taipeh

Geschichte der Tasche

 

(Bild: © CATWALKPIX.COM)

 

(Bild: © CATWALKPIX.COM)

 

 

Welche Lady wird nicht elektrisiert, wenn von Taschen die Rede ist. Dass man von ihnen nicht genug besitzen kann – den Beweis dafür wird keine Evastochter schuldig bleiben.

Ein Leben ohne dieses begehrte Accessoire ist – von den ganz persönlichen Dingen wie Kosmetika einmal abgesehen – auch im Hinblick auf die unverzichtbaren digitalen Begleiter nicht mehr vorstellbar.

Längst sind es nicht nur renommierte Spezialisten, die ihre Klientel in jeder Saison mit neuen Taschenideen überraschen und sie dazu verführen, das eigene Kontingent um eine weitere Variante zu vermehren. Inzwischen lassen es sich auch Modefabrikanten, die auf sich halten, nicht mehr nehmen, auf dem Taschensektor mitzumischen und auf ihr beträchtliches Verführungspotential zu setzen. Dass es auch umgekehrt funktioniert, wenn sich ein ebenso berühmter wie traditionsreicher Gepäckhersteller namens Louis Vuitton der Herstellung von Damenmode widmet, konnten Münchner Modefetischistinnen hautnah erleben: In der ehemaligen Residenzpost wurde eine drei Etagen umfassende Filiale eröffnet, in der zusätzlich zu den Taschen und Schuhen der Luxusmarke auch eine ausgesucht elegante Modekollektion angeboten wird.

Da traf es sich gut, dass das Bayerische Nationalmuseum in diesem Jahr eine Sonderausstellung präsentierte, die unter dem lapidaren Titel „Taschen – eine europäische Kulturgeschichte“ weit in die Vergangenheit ging und so gut wie lückenlos die komplette Entwicklungsgeschichte dieses so wichtigen Accessoires zeigte.

 

 

Arbeitsbeutel

Frauentaschen in Form von Lederbeuteln mit aufgesetzten kleinen Zugbeuteln kamen im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert auf. Ihr entscheidendes und mit ihrem heutigen Status durchaus vergleichbares Charakteristikum: Sie waren nicht nur zweckbezogen, sondern gleichzeitig ein geschätztes Accessoire mit ausgesprochen modischem Touch. An langem Riemen oder einer Kette am Rock hängend, glichen sie den männlichen Bügeltaschen zunächst bis ins Detail, durch ihre abgerundeten Beutelformen wirkten sie aber doch wesentlich gefälliger als die der Männer, erst recht bei den späteren Arbeitsbeuteln, bei denen zwischen 1780 und 1790 Seidentaft verwendet wurde.

 

Zunächst wurden sie äußerlich und gut sichtbar getragen. Erst als bei Männern wie Frauen die Kleidung umfangreicher wurde, kamen so genannte Gewandtaschen auf, die in die Kleidung integriert waren, wobei die der Frauen kleinere, aus Seidengewebe gearbeitete und mit kostbaren Stickereien versehene Zugbeutel enthielten. Seither spielten Beutel als deutlich sichtbares Statussymbol eine weit weniger wichtige Rolle, denn Gewandtaschen setzten sich auch in den ersten beiden Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts weiter durch. Das war dem Umstand geschuldet, dass die Männerwelt weite Kniehosen bevorzugte, die Geldbeuteln genügend Raum boten, um sie darunter statt drüber zu tragen. Solange Frauen ihre weiten Röcke bis ca. 1670 beibehielten, ließen auch sie von eingenähten nicht ab. Erst als eine schmalere Silhouette aufkam, waren wieder Taschenbeutel erforderlich. Nur dass sie jetzt entscheidend flacher, aber wiederum unter den Rock gebunden wurden, eine Notwendigkeit, die man das gesamte 18. Jahrhundert beibehielt. Gleichzeitig wurden aber auch Zugbeutel – meist aus Stoff – propagiert, die am Arm getragen als Arbeitsbeutel dienten.

 

 

 

 

Vom Beutel zur flachen Brieftasche

Der entscheidende Schritt hin zu diesem bald unverzichtbaren und höchst populären Utensil verdankte sich dem Erstarken des Postwesens im 17. Jahrhundert parallel zum Ende des dreißigjährigen Krieges. Davon wurde der Schriftverkehr so umfassend beschleunigt, dass der Brieftaschenbedarf sich vervielfältigte. Sie waren so flach, dass man sie ähnlich wie die Geldbörsen in den Gewandtaschen verstauen konnte. Kostbar aus Leder oder Stoff und mit reichen Stickereien verziert, avancierten sie zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert mit ihrer Liebessymbolik in Form flammender Herzen und schnäbelnder Vogelpaare nicht nur in der Adelswelt, sondern auch in der des gehobenen Bürgertums zu einem „must have“. Im Zeitalter der Empfindsamkeit übertrug sich diese Sitte sogar auf die Geldbörsen.

 

 

 

Der Pompadour als Accessoire

Umbindebeutel verschwanden erst, als die Damenwelt um 1790 Gefallen an antiken Vorbildern fand und sich hauchdünne und gerade fallende Musselinroben durchsetzten, die dafür keinen Platz ließen. Dagegen wurden jetzt Handtaschen unentbehrlich und mehr oder weniger zu einem Must. Was die „indispensables“ für die Engländerinnen, tauften die Französinnen ihre mode- und zeitgemäßen Beuteltaschen „ridicules“. Damit war die Damenhandtasche endgültig zum deutlich sichtbaren Accessoire avanciert und modisch nicht mehr wegzudenken. Von Rokoko und Biedermeier beeinflusst, setzte sie sich auch unter der Bezeichnung „Pompadour“ durch, genannt nach der Marquise gleichen Namens und einflussreichen Geliebten Ludwigs XV., während im Historismus am Gürtel zu tragende Taschen, bezeichnenderweise „Châtelaine“ genannt, Anklang fanden.

 

 

Täschchen ohne Handhabe

Um 1900 setzten sich geräumige Handtaschen mit Henkel durch; aber noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde eine Petitesse kreiert: die „pochette“. Aus Spöttermund wurde sie als „Täschchen ohne Handhabe“ apostrophiert und setzte sich aber erst langsam durch, bevor sie endgültig akzeptiert wurde. Farblich und auch sonst stilsicher der Kleidung angepasst wie das zeitgleich aufkommende Schminktäschchen, auch „vanity case“ genannt – modischer hätten diese nicht ausfallen können. Dass sie just heute wieder ein Accessoire par excellence abgeben, gehört zu den mehr oder minder paradoxen Überraschungen, an denen die Modewelt immer wieder von Neuem reich ist.

 

 

 

Verräterische Taschen

Wie verräterisch Taschen sein können und zu welchen Überlegungen in dieser Hinsicht sich vor allem die Männerwelt bemüßigt fühlt, erstaunt immer wieder. Es hat sich als Vermutung behauptet, dass Taschen mehr über die Psyche ihrer Trägerinnen verraten, als ihnen lieb sein könnte. Dies gilt besonders für das digitale 21. Jahrhundert und für Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Sie sollten gewarnt sein. Ob es nun die Queen ist, die das gleiche Modell einer mit ihrer Garderobe farblich harmonierenden Henkeltasche am Arm trägt und aus deren Handhabe ihre nächste Umgebung zu schließen gelernt hat, wann sie einen Besuch, eine Unterhaltung zu beenden wünscht oder die ehemalige Regierungschefin Margret Thatcher, die ihren politischen Willen beziehungsweise Unwillen nicht nur auf Parlamentssitzungen durch den entschlossen rigorosen Umgang mit ihrer Handtasche demonstrierte, wenn sie deren Verschluss energisch auf- und zuschnappen ließ, um ihre Durchsetzungskraft zu unterstreichen. Man muss aber gar nicht in die Ferne schweifen und außer Landes gehen, sondern sich eine temperamentvolle Parlamentarierin wie Ursula von der Leyen vor Augen halten, die mit ihrer feuerroten Handtasche bereits optisch für Furore sorgte, wenn sie Forderungen nach gleicher Bezahlung von Frauen und Männern durchzusetzen bestrebt ist.

 

 

Psychologie im Taschenformat

Kritische Stimmen zum Taschenkult hat es zu allen Zeiten gegeben. Simone de Beauvoir, Verfasserin des Traktats „Das andere Geschlecht“, hatte bereits ihre eigene Generation als die „schleppende“ bezeichnet, womit sie unzweifelhaft den bereits zu ihrer Zeit exzeptionellen Taschengebrauch geißelte, obwohl er in den Kriegs- und Nachkriegszeiten des 20. Jahrhunderts doch fast unerlässlich war. Von männlicher Seite – wie könnte es anders sein – ist errechnet worden, dass jede Frau summa summarum 76 Tage ihres Lebens mit Kramen in ihrer eigenen Tasche verbringt. Beim Vergleich mit dem weitaus mehr verbreiteten Fetisch Auto auf männlicher Seite kommt die Handtaschensucht aber noch glimpflich davon, wenngleich Sigmund Freud sie als „ein Schrei nach Anerkennung“ deutete. Der Wiener Seelenarzt griff aber mit seiner tiefenpsychologischen Erklärung noch weiter aus, die Handtasche als eine umgekehrte Gebärmutter bezeichnend, wie immer er das gemeint hat. Mit seinem Statement, Versuchungen ließen sich nur dadurch überwinden, dass man ihnen nachgibt, glich er seine harschen Ansichten wieder aus, was sich besonders Handtaschenfetischistinnen zugute halten können.

 

 

 

Welche Entwicklungen Taschen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert genommen haben, wirft ein Licht sowohl auf die diversen Gesellschaftsschichten als auch die Berufsstände ihrer Besitzer. Auch dass die begehrten Objekte von zeitgenössischen Darstellungen der diversen Taschenträger auf Gemälden und Stichen, Fresken und Holzreliefs, ergänzt worden sind, die ihr jeweiliges Umfeld lebendig werden lassen. Bei dieser zeitlichen Abfolge wird noch einmal die enorme Bandbreite sichtbar, die Taschen im Lauf der Jahrhunderte erfuhren wie kaum ein anderes Perpetuum mobile menschlicher Zivilisation. Die verschiedenen Entwicklungsstufen führten nicht nur zu immer schlüssigeren Formen und raffinierteren Techniken, es ergaben sich auch immer wieder neue Gesichtspunkte, ihren Nutzen, ihre vielfältige Verwendbarkeit betreffend.

 

 

Handliche Börsen

So waren im 18. und frühen 19. Jahrhundert Börsen ein großes, ein luxuriöses Thema. Dementsprechend zahlreich sind auch die Variationen. Aus Seidengeweben wie Atlas, aber auch aus Leder und Metall auf Leinwandbindung gefertigt, fällt ihre Machart durch reiche Verzierungen mit Metall-, Posamenten- oder Petit-Point-Stickerei alsbald aus dem üblichen Rahmen. Beispielsweise bei der Maximilian I. Joseph von Bayern zugeschriebenen Börse, deren auf der Vorderseite aufgesticktes Monogramm MI sowie die Königskrone mit rot- und goldfarbenen Glasperlen, eindeutig dem Monarchen zuzuordnen ist. Aber ein Frauenpantoffel en miniature als handliche Börse? Das Spiegelchen als Sohle lässt vermuten, dass es sich hier nicht so sehr um einen Gebrauchsgegenstand als vielmehr um ein mutwilliges Spielzeug gehandelt hat.

Auch Geld in anfangs zierlichen, an Volumen immer mehr zunehmenden Strümpfen, gehäkelt oder Perlen besetzt. War es die Laune einer Überflussgesellschaft oder die Antwort auf eine Empfehlung, die – in Krisenzeiten alles andere als sicher – zunehmend aber der Lächerlichkeit preisgegeben war? Betrachtungen soziologischer Art sind hier alles andere als abwegig. Doch hat die Mode im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts solche und ähnliche Überlegungen souverän zu überspielen gewusst, wie auch die Fixierung auf die orientalische Buntheit der Börsen zeigt, die Rückschlüsse auf türkische Vorbilder zulässt und zeigt, wie auch Anleihen von außerhalb willkommen waren. Mit zunehmendem Längenmaß mit nur einem oder auch zwei Ringen verschlossen, ist die Frage nach ihrer Effektivität kaum zu beantworten.

 

 

Hochkarätige Exemplare

Geldkatzen – die Bezeichnung klingt wie aus den Märchen der Gebrüder Grimm – auch sie wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch einmal eine mit Federkielstickereien verzierte und nicht zu übersehende Realität. Desgleichen der Ranzen als breiter Taillengurt, der schon damals wie auch heute noch mit einer Metallschnalle mit Blumenmuster verziert war. Um Papiere, gar Akten aufzubewahren, existierten bereits im 17. und 18. Jahrhundert Kuverttaschen von beachtlichem Format. Aber keine hatte mit 33 x 49 x 4 cm den Umfang der daraus entwickelten Aktenmappe im Besitz des Grafen Montgelas.

Zwei weitere ihm zugeschriebene Exemplare, an denen sich die Bedeutung des überaus einflussreichen Finanz- und Außenministers des späteren Königs Maximilian l. erkennen lässt, dem es als Aufklärer gelungen war, sogar den bayerischen Klöster- und Kirchenschatz aufzulösen, befinden sich ebenfalls im Fundus des Nationalmuseums. Die Seitenwände aus Moiré und Ziehharmonika artig aufgefächert – ein weiteres Portefeuille ist bereits mit sechs Trennfächern ausgestattet. Goldene Schlösser dominieren die aus grünem oder rotem Leder mit Prägemuster hergestellten Mappen, die anhand des Herstellernamens nachweislich in Paris bei Hebert/Palais Royal, No.20, gefertigt worden sind, wie auf einer Klappenrückseite vermerkt.

 

 

Geheiligte Futterale

Zu den schon erwähnten Brieftaschen, oft durch üppig rankendes Blumenwerk auffallend, gehören auch schmale Kammfutter aus umgearbeiteten Brieftaschen, von denen eine 1921 als Futteral für den sogenannten Kamm der Hl. Hildegard, 12. Jahrhundert, in die Sammlung des Nationalmuseums kam. Von hier ist es nicht weit zur Gebetbuchtasche als hochrechteckigem Beutel für den Kirchgang. Sie war noch bis ins 20. Jahrhundert allgemein verbreitet. Was für ein Kontrast auch hier zu den kostbar gestickten Perlentaschen in einer Technik, die heute als Sablé bezeichnet wird und bei der die feinen Perlen schon damals mit Sandkörnern verglichen und als Früchte fleißiger häuslicher Handarbeit gewürdigt wurden.

 

 

Petit-Point-Stickerei

Von 1850 an nehmen Damenhandtaschen der unterschiedlichsten Formen sichtlich an Fahrt auf. Je mehr sich die Krinolinen blähten, desto zierlicher die Taschen und Täschchen an Kordeln und Ketten oder am Gürtel zu tragen. Im Historismus lebten noch einmal die mittelalterlichen Bügeltaschen auf. Die bedeutendste Neuerung bahnte sich in den 1850ern an, als die Damenwelt sich auf Reisen daran gewöhnte, umfangreichere Taschen zu benutzen. Sie waren aber nicht nur größer, sondern ausdrucksvoll in Petit-Point-Manier bestickt. Charakteristisch war ihr langer Henkel. Das war die Geburt der modernen Handtasche. Hier wurden Tapisserien verwendet, wenn es nicht blumenbestickter Samt war, der ihnen ihr charakteristisches Gepräge gab.

 

 

 

Taschen emanzipieren sich

Als ob es nicht auch Arbeitstaschen gegeben hätte, erwiesen sich strohgeflochtene von erstaunlicher Haltbarkeit, wie die gesammelten Relikte zeigen. Am nächsten kommt den heute gebräuchlichen Taschen jedoch ein kleinformatiges, durch und durch unscheinbares Exemplar aus Leder. Mit geräumigem Seiten- und Bodenteil und weich abgerundeten Ecken ausgestattet, zeigt der Klemmbügel schon den praktischen Schiebeverschluss. An Schlichtheit nicht zu überbieten, ist es von hier bis zu den Handtaschen des 20. und 21. Jahrhunderts ein kleiner, aber umso folgenreicherer Schritt. Denn nicht nur Frauen emanzipieren sich jetzt, auch die Taschen wandeln vom Allgemeingut zum ganz persönlichen Gegenstand ihrer Besitzerin. Hier beginnt noch einmal eine Zeitreise, die den facettenreichen Wandel der Gesellschaft aufzeigt und in den Zwanzigern als Pochette, heute Clutch, mit der Linie knabenhaft schlanker Kleider korrespondierend. Ob lederne Alltagstasche oder glitzerndes Abendaccessoire in geometrischen Formen, Reptilleder gab ihnen ein kühn exotisches Aussehen während der 20er und 30er Jahre.

Größere Handtaschen gehen auf Mademoiselle Chanel zurück, die sich die Vereinfachung ihrer Mode auf die Fahne geschrieben und ihr auch Henkel verschrieben hatte. Während der Kriegs- und Nachkriegsjahre stand der praktische Nutzen im Vordergrund, während Diors New Look mit schwingenden Röcken zierliche kleine Handtaschen erforderte. Ein auffallender Wandel zeichnete sich in den Sechzigern ab, als sich die konservativen Regeln verabschiedeten und junge freche Modelle ein Eigenleben eroberten, sich eigenwillige Formen herauskristallisierten, avantgardistische Tendenzen sich breitmachten. In den achtziger Jahren gingen dann Modehäuser selbst dazu über Taschen zu kreieren, mit eleganten Modellen in ausgefallenen Formen. Die Palette reicht hier am Beginn des 21. Jahrhunderts bis zu künstlerisch gestalteten Unikaten und ausgefallenen Formen.

 

 

Prominente Meisterstücke

Historisch herausstechend zwei Taschen aus dem Besitz der Diva Marlene Dietrich. Die eine aus Rauleder zeichnet sich durch ihren besonders raffinierten Verschluss aus, bei der die Metallkette von der Rückseite aus durch zwei große Ösen nach vorn geführt wird und in zwei roten Glasperlen endet. Unendlich kostbar ihre zweite Handtasche aus Goldbrokat mit einem Bügel aus 14karätigem Gold und einem geschliffenen Turmalin als Verschluss. Sie ist ein Meisterstück von Cartier. Das golddurchwirkte Seidengewebe zeigt orientalisch gekleidete Männer beim Polospiel und wurde persischen Vorbildern des 16. Jahrhunderts nachgebildet. Heute zu finden in ihrem Nachlass in der Deutschen Kinemathek/Berlin. An Popularität steht ihr die Kelly-Bag des Pariser Sattelzeug- und Taschenherstellers Hermès nicht nach. Bereits 1930 als Reisetasche für Damen kreiert, wurde sie zu einer der bekanntesten Taschen überhaupt, als sie durch die US-Schauspielerin Grace Kelly, ein wenig später Fürstin von Monaco, buchstäblich geadelt wurde.

Den Vogel schießt jedoch eine sich heute im Besitz der Fürstin von Thurn und Taxis befindende Abendtasche aus purem Gold und mit Brillanten besetzt ab, die zwischen 1950 und 1960 vom römischen Juwelier Massoni mit den Maßen von 8 x 18,5 und einer Tiefe von 4,5 cm angefertigt worden ist. Kaum zu glauben, was sie alles umschließt: Neben Pincenet, Haarbürste und Zigaretten-Etui, Pinsel und Lippenstifthülle und Pillendöschen sogar einen güldenen Hausschlüssel! Ob dieses bestens erhaltene Prestigeobjekt jemals benutzt worden ist, darüber lässt sich nur spekulieren. Von Jacques Fath im Jahr 1983 entworfen, eine aus Wildseide in pastellfarbenen Streifen gewebte Handtasche, bis zu einer von Christian Lacroix 1989 aus Seidenjacquard und -rips gestalteten und mit pinkfarbenen Blüten bedruckten Tasche – beide aus Thurn-und Taxisbesitz – reißt die Kette der Taschen aus berühmten Couturehäusern wie Dior und Chanel, aber auch aus traditionell Taschen produzierenden Ländern wie Italien und England keineswegs ab. Nicht zu vergessen auch die Rolle der USA.

Hier werden zum ersten Mal innovative Werkstoffe wie Thermoplast und Acrylglas für kastige Täschchen eingesetzt. Aus dem Besitz der Kostümkundlerin Ingrid Loschek sind sie nach ihrem frühen Tod in die Sammlung des Museums eingegangen. Eine Handtasche im Zeitungsformat aus Thermoplast mit kunststofflaminiertem Titel aus Synthetikgewebe und Lederverschluss – so etwas konnte nur im experimentierfreudigen Italien und im Jahr 1973 entstehen. Auch Valentinos aus Bastgeflecht, glattem Leder und Seidenrips gefertigte Handtasche ist trotz des für seinen luxuriösen und femininen Stil bekannten Modegestalters ein Unikum, dessen Metallspirale als Verschluss ein Notizbuch imitiert.

 

 

Die Tasche als Kunstobjekt

Heute lebende Künstler kreieren zum Thema Tasche eigene Unikate: Die Treppentasche aus schwarzem und cognacfarbenem Leder der Münchnerin Bettina von Reiswitz offenbart einen sowohl funktionalen wie sinnlichen Umgang mit dem Leder. Eine Tasche in Köcherform ist das Resultat der in Paris lebenden Cécile Feilchenfeldt, die auch ein Verfahren zum Verstricken von Nylonfäden entwickelt hat und von dem Isseye Myake so begeistert war, so dass er sie in seinen Boutiquen verkaufte. Eine aus einer silbernen Galvanoplastik bestehende und 2005 entstandene Clutch namens „Cul de Sac“ ist das Resultat einer aus Miami stammenden und in New York lebenden Künstlerin. Wie ein Stück Treibholz geformt, kann sie als das Non-plus-ultra der an zukünftigen Überraschungen reichen Entwicklungsmöglichkeiten auf diesem Sektor der Mode gelten. Taschenmacher früherer Jahrhunderte hätten sich das im Traum gewiss niemals vorstellen können.

 

Produkt: Rundschau für Internationale Herrenmode 5/2017
Rundschau für Internationale Herrenmode 5/2017
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