Produkt: Rundschau für Internationale Damenmode 7-8/2016
Rundschau für Internationale Damenmode 7-8/2016
Rundschau für Internationale Damenmode 7-8/2016

Leder nähen – Tipps und Tricks

 

Anleitung Leder nähen
Inspiration Runway: Allover in Leder bei Prada

 

Tipps zur Lederverarbeitung

Leder ist ein Naturprodukt. Jedes Fell wird vor der Verarbeitung auf Fehler geprüft und gefundene Unregelmäßigkeiten werden auf der Rückseite markiert. Leder dehnt sich in der Querrichtung (organische Laufrichtung / quer zum Fell)  mehr aus als in der Längsrichtung (entlang der Wirbelsäule), daher müssen alle Schnittteile in der Längsrichtung zugeschnitten werden. Leder lässt sich immer in der Querrichtung reissen, in der Längsrichtung , also gegen die Laufrichtung, sollte Leder reisfest sein. Wird ein Veloursleder verarbeitet, achtet man darauf, dass die Strichrichtung von oben nach unten läuft.

Es empfiehlt sich, zuerst einen Prototyp in Moulure / Nessel herzustellen, da es nachher nicht mehr möglich ist, ohne zurückbleibende Löcher das Kleidungsstück zu korrigieren. Das Schnittmuster wird immer im Doppel hergestellt, so dass das Leder einzeln zugeschnitten werden kann. Es kann mit Klebstreifen oder Gewichten auf der Rückseite des Leders fixiert werden.

Inhalt:

Was ist beim Nähen von Leder zu beachten?

  • Für das Nähen von Leder mit der Nähmaschine gibt es spezielle Ledernadeln. Dünnes Leder kann aber auch mit einer normalen Nadel (Stärke 80 – 90) genäht werden.
  • Da Leder beim Nähen einen Widerstand gibt, kann damit die Nähmaschine gut transportiert ein dünnes Papier unter den Nähmaschinenfuß gelegt werden. Nach dem Nähen kann das Papier wieder abgezogen werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit einen Rollenfuß /Teflonfuß für Leder in die Nähmaschine einzusetzen, was zu empfehlen ist.
  • Genäht wird mit einem Polyesterfaden und einem nicht zu kleinem Stich, damit die Nähte nicht ausreißen. Ist das Leder fester, muss sie dementsprechend angepasst werden, damit sich keine Fehlstiche bilden.
  • Leder kann gebügelt werden. Zum Schutz wird zwischen Leder und Bügeleisen ein Tuch oder ein Stück Organza verwendet.

 

Anleitung Leder nähen
Inspiration Runway: Allover in Leder bei Tods (Bild: © CATWALKPIX.COM)

Nähte, Kanten und Säume bei der Lederverarbeitung

  • Nähte können in verschiedenen Techniken verarbeitet werden. Bei der konventionellen Verarbeitung wird das Leder mit einer Nahtzugabe zugeschnitten und rechts auf rechts geschlossen.
  • Nahtzugaben werden bei der Lederverarbeitung nicht versäubert sondern nach dem Nähen umgeklebt oder abgesteppt. Dafür kann ein einfacher Klebestift verwendet werden oder ein Lederklebeband. Es gibt aber auch spezielle Lederkleber zu kaufen.
  • Da Löcher bei Leder immer sichtbar bleiben, sollten Schnittteile nicht mit Stecknadeln fixiert werden. Säume werden vor dem Nähen festgeklebt, damit sie nicht verrutschen.
  • Eine andere Variante ist die Kantenverarbeitung. Bereits beim Zuschnitt muss gut überlegt werden, welche Kante auf welche Nahtzugabe gelegt wird. Die Kanten werden in der Regel von oben nach unten verarbeitet.

Zuschneiden von Leder

  • Leder immer mit dem Rollmesser zuschneiden, so erhält man einen sauberen Schnitt.
  • Bei geleimter Nahtverarbeitung die Nähte mit 1 cm zuschneiden. Werden sie abgesteppt, je nach Absteppbreite Nahtzugabe beachten.
  • Bei der Kantenverarbeitung gut überlegen, welche Kanten auf welche Nahtzugaben gelegt werden. Damit sich keine Fehler einschleichen können, empfiehlt es sich die Nahtzugaben auf dem Schnittmuster zu notieren. Je nach Absteppbreite Nahtzugabe beachten.
  • Bei der Kantenverarbeitung wird die Anstoßlinie auf der rechten Lederseite mit einem hellen Farbstift markiert.
  • Alle Schnittteile werden in Längsrichtung zugeschnitten.
Leder auf dem Laufsteg
Inspiration Runway: Klediung aus Leder bei Bottega Veneta, Donna Kran und Prabal Gurung.

Nähanleitung für Leder

  • Zur Nahtverarbeitung die beiden Lederteile rechts auf rechts unter die Maschine legen und mit dem Kantenführer bei 1cm nähen.

 

  • Die Nähte werden mit dem Lederroller auseinandergerollt oder mit dem Bügeleisen gebügelt.

 

  • Bei der Kantenverarbeitung wird das Teil ohne Nahtzugabe auf das andere markierte Teil gelegt und kantig abgesteppt.

 

  • Wird die Länge des Kleidungsstücks noch einmal probiert, kann der Ledersaum mit Büroklammern fixiert werden.

 

  • Bei sehr feinem Leder, welches die Tendenz hat, sich zu verziehen, wird ein Vliesband in die Kante der Saumzugabe gebügelt. Anschließend die Säume bügeln.
  • Den Saum noch einmal aufklappen, leimen oder mit einem Doppelklebeband fixieren.
  • Wird der Saum abgesteppt, braucht er nicht geleimt zu werden. Mit dem Leim sparsam umgehen, sonst wellt sich das Leder auf der rechten Seite.

 

  • Den Saum mit dem Lederroller fixieren.

 

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Paspelknopfloch in Leder

Mit Hilfe der Schablone aus Schleifpapier kann das Lederknopfloch sehr schnell und rationell verarbeitet werden. Dieselbe Technik mit der Schablone kann auch bei einem Stoffknopfloch angewendet werden.

  • Vorbereitung:

Schablone aus Schleifpapier je nach Knopflochgröße ca. 4 x 7 cm zuschneiden. Die Länge des Knopflochs auf die Rückseite des Schleifpapiers einzeichnen. Die Paspelbreite von 5 mm einzeichnen. Rechteck mit dem Japanmesser ausschneiden. Parallel zwei weitere Hilfslinien von 5 mm Breite exakt einzeichnen.

  • Zuschneiden:

Zwei Paspel zuschneiden. Länge: Knopflochlänge plus je 1 cm, Breite: ca. 3 cm. Die Paspel in die Hälfte bügeln und mit dem Rollmesser auf eine Breite von 1cm zurückschneiden. Die Schnittkanten der Paspel mit einem Klebestreifen zusammenkleben.

  • Fixieren:

Die Knopflochplatzierung mit einer Lederklebeeinlage fixieren.

  • Markieren

Mit zwei Stecknadeln die Endpunkte des Knopflochs markieren. Die Schablone auf der rechten Lederseite anhand der Stecknadeln mit einem Klebestreifen fixieren. Achtung: Den Klebestreifen nur in der Knopflochöffnung platzieren, außen kann beim Entfernen des Klebestreifens das Leder verletzt werden.

  • Knopfloch nähen

 

Die beiden Paspel auf die Schablone legen und bei 5mm nähen. Den Anfangs- und Endpunkt des Knopfloches erkennt man auf der Schablone.

 

Das Knopfloch in der Mitte aufschneiden, 5 mm vor Ende in die Ecken einschneiden und umkehren.

 

Die Paspel werden mit dem Lederroller auseinandergerollt oder mit dem Bügeleisen gebügelt.

 

Die kleinen Dreiecke werden auf der linken Seite auf die Paspel gesteppt.

 

Die Paspel auf der Rückseite rund gestuft zurückschneiden. Die vordere Kante mit einem Leder-Kantenband sichern.

 

Knopfloch noch einmal bügeln. Für das Gegenknopfloch gibt es zwei Möglichkeiten. 1. Variante: Auf dem Besatz ein passendes Gegenknopfloch ausschneiden, die Kanten des Gegenknopflochs mit Lederleim bestreichen und das Gegenknopfloch an die Rückseite des Passepoilknopflochs kleben.

 

2. Variante: Das Knopfloch vorne kantig inklusive Besatz absteppen.

 

Auf der Rückseite wird innerhalb der Absteppung die Öffnung ausgeschnitten. Den Knopf immer mit einem kleinen Gegenknopf annähen, sonst reißt das Leder aus.

 

 

Paspeltasche in Leder nähen

Mode aus Leder auf dem Laufsteg
Inspiration Runway: Kleider aus Leder bei Hilfiger

 

Die Paspeltasche kann natürlich wie beim Paspelknopfloch konventionell verarbeitet werden. Eine andere spannende Technik zeigt sich bei folgender Verarbeitung: Die Paspel werden nicht angestürzt, sondern von hinten in die bereits vorbereitete Öffnung geschoben.

Mit derselben Variante kann auch eine Leistentasche hergestellt werden. Möchte man beim Tascheneingriff der Leistentasche keine sichtbare Naht, so werden nur drei von vier Seiten mit der Schablone umgebügelt. Unter die vierte Seite legt man den Taschenboden und näht ihn kantig an.

  • Schnittmuster:

Die Paspeltasche wird auf die gewünschte Öffnung z. B. 13cm eingezeichnet, Passepoilbreite je 1 cm. Oberer Paspel 1 cm x 2 = 2 cmmal 13 cm Öffnung. Unterer Paspel 1 cm x 2 = 2cm + Taschensackhöhe x 13 cm Öffnung. Paspeltaschensack: Öffnung 13 cm x Taschensackhöhe.

  • Zuschneiden:

Oberen und unteren Paspel sowie den Taschensack mit je 1cm Nahtzugaben zuschneiden. Kartonschablone mit der Paspelöffnung vorbereiten.

  • Bezeichnen:

Mit Kugelschreiber oder einem Farbstift die Platzierung der Paspeltasche einzeichnen

  • Markieren:

Außerhalb der Bezeichnung je nach Lederqualität ein Kantenband oder ein Vliesband kleben. Ebenso das obere und untere Paspel mit einem Kantenband sichern.

  • Paspeltasche nähen

In der Mitte der Bezeichnung der Paspeltasche aufschneiden, 1cm vor dem Ende in die Ecken einschneiden. Schablone mit Hilfe von Klebestreifen fixieren und die Nahtzugaben der Passepoiltasche umbügeln. Den Paspelstreifen in die Hälfte bügeln und mit angeschnittenem Taschensack 2 cm umbügeln.

 

Mit wenig Lederleim die Nahtzugaben der Paspeltaschen kleben. Ecken schön nach hinten streichen.

 

Auf die Nahtzugaben ein Doppelklebeband anbringen. Die beiden Paspelstreifen mit Klebestreifen auf der Rückseite zusammenkleben.

 

Die zusammengeklebten Paspelstreifen exakt auf die Mitte der Taschenöffnung platzieren.

 

Von der rechten Seite die untere Kante bei 1 mm absteppen, Faden stehen lassen.

 

Die Fäden nach hinten ziehen und verknüpfen. Den Taschenboden auf die Paspel platzieren.

 

Auf der Rückseite den Taschenboden mit der Nahtzugabe des Paspels zusammennähen.

 

Vorne die restliche Paspeltasche kantig bei 1 mm absteppen, Faden stehen lassen und auf der Rückseite verknüpfen.

 

Den Taschensack exakt bis zum abgesteppten Endpunkt bei 1 cm nähen.

 

Ledertop nähen

Ein raffiniertes Ledertop mit dehnbarem Rücken, welches in kurzer Zeit hergestellt werden kann. Getragen wird das Top über ein Kleid, ein Shirt oder auch über eine Bluse. Das Vorderteil aus Leder wurde nur geschnitten, das Rückenteil aus doppeltem Bortenstoff verarbeitet. Die Armlöcher, den Hals und den Saum direkt mit der Vier-Faden-Overlock verstürzen und das Ledervorderteil in die Achsel und Seitennaht einklemmen.

 

Lederjacken auf dem Laufsteg
Inspiration Runway: Lederjacken bei Sportmax und Hilfiger

 

  • Schnittmuster

Für das Ledertop verwendet man einen eng anliegenden T-Shirt-Schnitt ohne Ärmel. Die Länge vorne von der Achsel zum Saum beträgt 40 cm. Der Saum vorne wurde am Schluss ca. 3cm gerundet. Als erstes wird die Platzierung der Einschnitte festgelegt. Am besten macht man das direkt an der Büste. Wieder auf dem Tisch die Mittellinie exakt ausziehen, rechts und links davon je eine zweite Hilfslinie bei 2cm einzeichnen. Anschließend wird alle paar Zentimeter die Richtung der Einschnitte eingezeichnet.

 

  • Zuschneiden

Das Lederoberteil längs auf ein Lederfell legen und mit Klebeband fixieren. Halsausschnitt, Armloch und Saum ohne Nahtzugabe zuschneiden. Achsel und Seitennaht je 1 cm zugeben. Vier 7 mm breite Lederstreifen zuschneiden. Das Rückenteil doppelt in Bortenstoff zuschneiden und ringsum 1cm Nahtzugabe geben.

 

  • Vorbereiten

Alle 7 mm das Vorderteil mit Hilfe des Geodreiecks und des Rollmessers direkt auf dem Schnittmusterpapier einschneiden. Um die Rundungen beträgt der Abstand innen teilweise 5 mm und außen 1 cm. (Bild 2)

 

  • Markieren

Das Schnittmuster wegklappen und mit Kugelschreiber oder Farbstift die Mittellinie der Einschnitte einzeichnen. (Bild 3)

 

  • Nähen

Den Lederstreifen ca. 7 mm vor dem ersten Einschnitt platzieren. Direkt unter der Nähmaschine die Einschnitte umkehren. Mit Hilfe des Lederstreifens werden die Einschnitte in der Mitte kantig fixiert.

 

Die Einschnitte kommen nach dem Umdrehen wieder bord à bord zu stehen. Der Lederstreifen wird kantig auf beiden Seiten aufgesteppt. Die Enden der Lederstreifen können 7mm nach dem letzten Einschnitt abgeschnitten werden, oder sie werden einfach stehen gelassen.

 

Den Rücken an Hals, Armloch und Saum mit der Vier-Faden-Overlock verstürzen. Die Lederachsel und Seitennähte in den Rücken einklemmen und mit der Nähmaschine nähen. Auf der linken Seite der Seitennaht eine Öffnung stehen lassen, damit das Oberteil umgedreht werden kann.

 

Mode aus Leder auf dem Laufsteg
Inspiration Runway: Mode aus Leder von Versace, Iris van Herpen, Gucci
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Ich mache gerade einen Designkurs, bei dem ich auch Leder verarbeite. Bis jetzt habe ich mich immer an einer speziellen Nähtechnik versucht. Doch bald bekommen wir eine neue Kantenanleimmaschine für den Kursraum, also werde ich wohl bald auch die zweite Variante der Kantenverarbeitung ausprobieren, von der Sie erzählt haben.

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