Produkt: Download Schnittmuster Trachtenmotive und Applikationen
Download Schnittmuster Trachtenmotive und Applikationen
Download Schnittmuster Trachtenmotive und Applikationen

Tipps für das Nähen von Applikationen

 

(Bild: © CATWALKPIX.COM)

 

Diesen und weitere Beiträge finden Sie in dem Fachbuch Atelier – Fachwissen aus der Praxis Teil 1.

Application hat im Englischen und Französischen – anders als im Deutschen – zwei Bedeutungen: zunächst die Anwendung einer
Technik oder Vorgehensweise, dann das Auflegen (to applicate bzw. appliquer). Als Lehnwort kennen wir Applikation nur im Sinne des zusätzlichen Aufbringens eines wie auch immer gearteten Werkstücks auf ein Trägermaterial mittels verschiedener Techniken. Soweit die Theorie! In der Praxis beschäftigen wir uns mit Textilien, insbesondere mit individualisierter Bekleidung, die ja das Hauptargument für die anspruchsvolle Kundin darstellt.

 

Ist alles möglich?

„Im Prinzip ja, aber . . .“ wäre die Antwort Radio Eriwans. Sie können alle Applikationstechniken vom Intarsiennähen oder Patchworken, über die peruanische Molatechnik bis hin zum Aufnähen von Flächen, Bändern und Gegenständen und dem Sticken einsetzen. Üppig, „hybrid“, sind die Kombinationen verschiedener Techniken, stilistisch strenger, „puristisch“, die Verwendung nur einer Technik.

 

Reinigungsverhalten

Das erste, professionelle „Aber“ betrifft die Frage nach den Reinigungsmöglichkeiten für Applikationen. Gerade wenn Sie und Ihre Kundin ausgefallene Materialien wie Federn, Felle oder Leder, Bast, oder Kokos in Betracht ziehen, die zudem vielleicht noch eingefärbt worden sind, ist diese Frage zuerst zu stellen. Im Zweifelsfall ziehen Sie bitte die Reinigungsfachleute zu Rate und machen auch eigene Waschproben mit handwarmem Wasser und Feinwaschmittel. Einige der Materialien, Perlmutt oder Muscheln beispielsweise, können mit Alufolie umwickelt, durchaus die Reinigung vertragen. Andere, wie Pelz, Fell, Leder oder Federn,  verlangen eine besondere Behandlung, die für das gesamte Kleidungsstück jedoch nicht geeignet ist oder nicht die gewünschte Wirkung zeigt. Einige Lederqualitäten (z.B. chromgegerbte Nappaleder) sind waschbar ausgerüstet, die Bezeichnung „Waschleder“ kennzeichnet jedoch ein (synthetisch gegerbtes) Schaf- oder Lammfell mit abgeschliffener, matter Oberfläche.

Das Prinzip lautet:die Waschbarkeit richtet sich nach dem empfindlichsten Bestandteil. Die Praxis zeigt: je mehr verschiedene Materialien miteinander verarbeitet werden, desto schwieriger wird die Pflege. Vorsichtige Handwäsche, nur kurzes Einweichen, keinesfalls Wringen oder Schleudern, glattgezogen liegend trocknen, vorsichtig mit geringer Hitze von links bügeln sind dringend empfohlen, sofern nicht eine Reinigung im Fachbetrieb zwingend notwendig ist. Jedoch auch Stoffe können problematische Applikationsmaterialien sein: sie könnten schrumpfen oder sich dehnen, sie könnten „ausbluten“. Selbst Kunststoffapplikationen können Probleme aufwerfen, da sie in der Regel hitze- und chlorempfindlich sind.

 

(Bild: © CATWALKPIX.COM)

 

Pailletten und Perlen sind ebenfalls hitze- und chlorempfindlich und verändern ihr Aussehen häufig bereits beim Kontakt mit Heißdampf dramatisch und irreversibel. Echte Strasssteinchen dagegen sind unempfindlich, da sie aus gefärbtem bzw. ungefärbtem Glas bestehen. Sie können aufgeklebt (Achtung, hier sind die Druck-/Temperatur-/ Zeit-Vorgaben der Hersteller zu beachten!) oder aufgenäht werden, wenn sie entsprechende Metallfassungen haben. Ähnlich aussehende Kunststoff-Steinchen, die in verschiedenen Formen wie Herzen, Tropfen etc. angeboten werden, sind zwar preisgünstiger und in der Regel mit Bohrungen zum Aufnähen versehen, dürfen aber nicht mit heißen Bügeleisen oder Heißdampf in Berührung kommen. Vielleicht lautet die Lösung Eriwans „Aber Sie dürfen weder  schwitzen noch kleckern. Am besten lassen Sie ihr Kleid im Schrank.“ In der Praxis werden Sie prüfen müssen, ob die Applikationen mit dem Kleidungsstück reinigungsfähig sein werden: wenn ja, umso besser! Wenn nicht, müssen die dekorativen Teile vom Kleidungsstück leicht abzutrennen und wieder anzubringen sein.

Dabei wird Ihre Kreativität und Überzeugungskraft gefordert sein, denn Sie und Ihre Kundin werden voraussichtlich Kompromisse zwischen Entwurf bzw. Vorbild und der tatsächlichen Umsetzung schließen müssen. Echt-Pelz- und Feder-Besätze an Ausschnitten, Kragen, Säumen und Manschetten können abgefüttert werden und per Knopf und Knopfloch, Haken und Öse oder Druckknopf flexibel angebracht werden. Pailletten- und Perlenstickereien können, falls ihre Bestandteile nicht reinigungsfähig sind, ebenfalls abgefüttert und durch Heftstiche angebracht werden.

Bei Kordeln, Bändern und Litzen sollten Sie, vor allem wenn Sie sie kontrastfarbig einsetzen, die Hinweise auf Waschbarkeit beachten (diese sollten auf dem Kunststoffwickel vermerkt sein) und ggf. durch eigene Waschtests und nötigenfalls Vorwaschen ergänzen. Insbesondere bei Viskose und Baumwolle müssen Sie damit rechnen, dass die überschüssige Farbe im Waschvorgang gelöst wird und ein Längenschrumpfen stattfinden kann. Alle Materialien aus Deko- und Bastelabteilungen sind, so schön sie auch sein mögen, in der Regel nicht für Bekleidung geeignet, da sie weder waschbar noch strapazierfähig sind. Wenn Sie Applikation und Grundmaterial fest miteinander verarbeiten, berücksichtigen Sie das unter Umständen unterschiedliche Dehnungsverhalten bei Maschenwaren und Webwaren, bei diagonal zum Fadenlauf eingesetzten Geweben, bei lose und dicht gewebten Stoffen. Kleine Unterschiede können Sie durch eine Fixiereinlage angleichen, zu große Unterschiede werden jedoch nach einer gewissen Tragedauer und einigen Reinigungs- bzw. Waschvorgängen zu hässlichen Verwerfungen führen.

 

Gestaltung

 

Zu sehen sind Zeichnungen für Applikationspositionen entsprechend den Figurtypen
Als Faustregel für die Größe der Applikation (bei durchschnittlich großen Erwachsenen) kann man eine Mindestfläche von ca. 10 cm Durchmesser bzw. das Fotoformat 9 % 13 cm annehmen (noch kleinere Flächen müssen in Gruppen auftreten, da einzelne Motive sonst verloren wirken). Maximal sollte nicht mehr als ein Drittel der gestalteten Fläche (meist das Vorderteil) mit Applikationen bedeckt sein.

 

Das zweite „Aber“ betrifft die Gestaltung und Platzierung der Applikation. Neben modischen Aspekten und persönlichen Vorlieben ist auch die Wirkung von Applikationen zu berücksichtigen. Diese dekorativen Elemente haben die Aufgabe, die Persönlichkeit der Trägerin wirkungsvoll zu unterstreichen und ihrer Figur zu schmeicheln. „Das Kleid ist überwältigend, aber die Trägerin nicht mehr zu erkennen“, auch dieser Spruch könnte von Eriwan kommen. Das mag für einen Karnevalball richtig sein, sonst jedoch nicht. Beachten Sie die Figur und den Teint Ihrer Kundin, fragen Sie nach der Farbtypologie. Die bunten Kärtchen können Ihnen eine Hilfe bei der Auswahl der Applikationsfarben sein, begleitende Texte Hinweise auf Materialien und vorteilhafte Kleidungsformen liefern. Gerundete Applikationen, Schnörkel und florale Motive, vor allem in dezenten Farbabstufungen, werden als weich, gefühlsbetont und feminin empfunden. Klare, großzügig geschwungene oder kantige Formen, insbesondere mit kräftigen Farbkontrasten, werden als streng, intellektuell und maskulin interpretiert.

Ausgefallene, gezackte und abstrakte Formen, auch mit Ziffern und Buchstaben, werden mit dynamisch, lebhaft und jugendlich assoziiert. Figurative Applikationen wie Bärchen, Clowns, Kühe usw. sind momentan fast nur bei der Kinder-, insbesondere der Mädchenmode zu finden. Flaggen, Streifen, Sterne, Wappen und Embleme liegen dagegen im sportiven Trend, der stark durch Ralph Lauren und Tommy Hilfiger beeinflusst wurde. Eine wichtige Gestaltungsgrundregel für die Platzierung und Proportionierung von Applikationen ist der „Goldene Schnitt“, der ein bestimmtes Verhältnis von Längen- und Breitenstrecken zu- und untereinander bezeichnet. Auf eine kurze Formel gebracht, ist es das Verhältnis von 5 Längeneinheiten zu 8 Längeneinheiten, seien es Zentimeter, Meter, Fuß oder Ellen.

Mit Applikationen können Sie ungünstige Körperproportionen korrigieren und den Blick auf das Gesicht Ihrer Kundin lenken, wie die Skizzen zeigen. Als besonders figurschmeichelnd haben sich die diagonalen Applikationen von der linken Schulter zum rechten Saum und in etwa V-förmige Formen in der Körperlängsachse erwiesen. Schmale und abfallende Schultern können Sie mit Schulterstücken und flächigen Applikationen, die über die Armkugel hinausreichen, optisch korrigieren. Bei geraden und breiten Schultern, wie sie die athletisch gebauten Frauen haben, sind Applikationen, die zwischen Schulter und Brustpunkt beginnen und sich dynamisch zum Saum hin bewegen, besser geeignet.

Diesen Frauen gefällt oft auch eine kleinere Applikation, die mittig platziert, ca. 18 cm vom Schulterpunkt aus gemessen ihre obere Kante hat. Von einer üppigen Oberweite können Sie durch Diagonalen, von der Schulter bis zum Saum hin, ablenken, wobei die Applikation zwischen den Brustpunkten platziert sein muss. Applikationen und Besätze am Halsausschnitt betonen diesen, können also bei V-Ausschnitten einen kurzen Hals strecken, den Blick auf ein schönes Dekolleté und einen schlanken Hals lenken.

Produkt: Schnittmuster Trachtenmotive
Schnittmuster Trachtenmotive
Steppereien und Applikationen für Männer

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: