Produkt: Schnittkonstruktionen für Kleider und Blusen
Schnittkonstruktionen für Kleider und Blusen
Grund- und Modellschnitte, System Müller & Sohn, für Kleider und Blusen. Durch Variationen sind trendgemäße Veränderungen möglich. 27. Auflage

Passformoptimierung einer Bluse

 

(Bild: © CATWALKPIX.COM)

 

 

Tipps und Tricks zur Perfektionierung der Passform

Diese Hinweise sind bei unterschiedlichsten Körpermaßen anwendbar, unabhängig von Zielgruppen. Sie sind zur Konstruktion optimaler Modellschnitte aus allen Grundschnitten eine große Hilfe.

 

 

Taillierte Bluse mit Abnäher im Rücken

Ursache und Wirkung von Passformfehlern: Blusen haben in der Regel einen Bruch in der hinteren Mitte. Wenn sie keine Flankennaht, Rückenpasse oder Teilungsnaht bis zur Schulter haben, gibt es im Rücken zwei Abnäher, die abhängig von der Modelllänge oft 2-3 cm vor dem Saum enden. Da viele Blusen mit zwei Abnähern im Rücken angeboten werden, haben wir hier eine Fehlerquelle, die im Handelsangebot sehr oft zu finden ist.

Mit diesen beiden Abnähern fehlt im hinteren Hüftbereich genügend Weite für den Po und dadurch entsteht unterhalb der Taille quer eine Rollfalte. Die fehlende hintere Hüftweite an der Seite anzustellen, würde den Fehler nicht beseitigen, da die Zugabe an der Seite abstünde und die Kundin optisch breiter erscheinen lässt. Eine Optik, die wir immer wieder beobachten, fast alle Blusen mit Abnähern im Rücken haben das Problem.

 

Rückenteil

Wir zeigen Ihnen eine Lösung mit zwei Verbesserungen (Abb. 1 rot):
Beim Ärmeleinsatzzeichen (Ae) am Rückenarmloch werden 0,4 cm zur Abnäherspitze gekniffen und in den, vom Saum her bis zur Spitze eingeschnitten ,Abnäher gedreht. Damit gewinnen wir in jedem Abnäher im Hüftbereich ca. 2-2,5 cm und in der Taille 1.25 mehr Weite. Die Abnähertiefe verändert sich durch diesen Vorgang nicht. Die Verarbeitung wird sehr erleichtert, wenn das Abnäherende durch den Saum mit 0,75-1 cm genäht werden kann. Außerdem gewinnen wir in der Hüfte (8 cm unter der Taillenlinie) die nötige Mehrweite von 3–4 cm für den Po.

Das Rückenarmloch der Bluse ist in der Regel zu lang in Proportion zum Schulterblatt, da bei einem Bruch kein Abnäher weggedreht wurde. Das Design sowie Kunden wünschen keine Abnäher von der Schulter zum Schulterblatt. Durch dieses Kneifen von 0,4 cm vom Armloch, über den Abnäher bis zur nötigen Hüftweite im Saum, wurde das Armloch gekürzt und die Bluse steht über dem Armloch nicht mehr so weit ab.

 

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Eine weitere Passform-Verbesserung

Im Grundschnitt werden normalerweise Mitte des Armlochs 1,5 cm Abnähertiefe zur Schulter hin gekniffen. Da Schulterabnäher nicht gewünscht werden und bei Blusen mit Bruch in der hinteren Mitte das hintere Armloch zu lang ist, kneifen wir von der Armlochmitte 0,4- 0,5 cm zur Rückenmitte auf 0 cm.(Abb. 1, grün)

In der Rückenmitte entsteht eine leichte Rundung, die durch eine gerade Bruchlinie in der hinteren Mitte vom Halsloch zum Saum begradigt wird. Damit wird die Rückenbreite in Höhe der hinteren Armlochmitte um circa 0,2 – 0,3 cm schmaler, was aber keinen negativen Einfluss auf die Bequemlichkeit der Bluse hat. Wichtig ist nur, dass dieses Kneifen der 0,4 cm bei Ae und 0,4-0,5 cm in der Mitte des Armlochs des Rückenteils an dem dazu konstruierten Rückenärmel an gleicher Stelle der Armkugel (0,8- 0,9cm) weggenommen wird (Siehe Skizze).

Grundsätzlich sollte die halbe Halsspiegelbreite im Rücken um 0,5-0,7 cm breiter als die Spiegelbreite im Vorderteil sein. Ebenso ist die Rückenschulter um 0,75 cm breiter als die vordere Schulterbreite, wenn kein Schulterabnäher im Design vorgesehen ist. In der hinteren Spiegelbreite werden 0,2-0,25 auf der Hälfte mit dem Kragen oder Beleg eingehalten.

In der Schulter sind, bei einem normalen Stoff, in der Regel 0,75 cm einzuhalten. Bei Techno-Material hält man nur 0,5 cm in der hinteren Rückenschulter ein. Diese Einhalteweite von Schulter und Halsspiegel ist wichtig für das Schulterblatt, das von der hinteren Mitte bis Mitte Armloch mehr Breite braucht.

Vorderteil

Beim Vorderteil der taillierten Bluse wird der Abnäher des Grundschnittes von der Schulter in den unteren Brustabnäher verlegt. Bei einer körpernahen Bluse kommt zum Taillenabnäher noch der obere Abnäher von der Schulter dazu, wenn dieser nicht als seitlicher Brustabnäher konstruiert wird, was ab Gr.42 sehr oft der der Fall ist.

Deshalb ist es ein sehr großer Abnäherausfall zum Saum hin. Bei großen Abnähern besteht die Gefahr, dass sie an der Spitze durch die Tiefe ein Fältchen werfen. Die Brusttiefe der Kundinnen ist sehr unterschiedlich. Außerdem würde der Abnäher in der Gradierung viel zu groß. Aus diesem Grund wird der zusätzliche seitliche Abnäher ab Gr. 42/44 in der Regel bevorzugt. Für das Problem eines zu großen Brustabnähers gibt es folgenden Trick: Wir verkleinern den Abnäher am Saum um 1 – 2 cm verlaufend bis zur Abnäherspitze. Diesen Betrag kneifen wir parallel zur Seitennaht bis Ae (Abb. 2, rot).

 

Weitere Hinweise

Die Brustbreite, gemessen Mitte Armloch bis vordere Mitte, muss immer um 1 bis 2 cm weniger Maß haben als die Rückenbreite an gleicher Stelle gemessen. Bei allen eng taillierten Modellen ist es von Vorteil für den Bewegungskomfort, wenn die Seitenhöhe, Taille bis Armloch höher konstruiert wird. Wichtig ist das Maß der Hüfte, 8 cm unter der Taillenlinie. Darauf sind wir in den Hinweisen beim Rückenteil schon eingegangen.

 

Hinweis zum kurzen Ärmel

Der Hemdenärmel wird auf die gewünschte Länge gebracht. Der Saum der vorderen- und hinteren Ärmelnaht wird um 0,5 cm schmaler. Vom Saum zum vorderen AE werden 0,5 cm und zum hinteren AE 0,75 cm gekniffen. Es entsteht in der Saumlinie eine leichte Rundung nach oben. So erhalten sie einen kurzen Ärmel, der am Körper anliegt, mit leichter Bewegung nach vorne.(Abb. 1)

Im Moment liegen mehr die sportlichen Aussagen des Designs im Trend, wozu auch der Hemdenärmel gehört. Aber auch ein Kugelärmel mit möglichst wenig Einhalteweite in der Kugel wegen der festeren Materialien wie Popeline passt zu dieser engen Bluse.

 

 

Hinweis zur Brusttasche

Bei einem taillierten Modell kann keine gerade Brusttasche aufgenäht werden, Um einen Fehler zu vermeiden, ist es wichtig folgenden Hinweis zu beachten:

Bei dieser taillierten Bluse hat man die Chance durch einen Abnäher eine leicht gerundete Brusttasche zu erreichen und diese auf ein tailliertes Vorderteil perfekt aufzunähen, denn flach auf gerundet funktioniert nicht. Das Design sollte Ursache und Wirkung berücksichtigen und sich bei Brusttaschen darauf einstellen. Die Tasche hat immer nur 2/3 des Ausnäherausfalls vom Vorderteil. (Abb. 2)

Hemdkragen

Der Hemdkragen für Blusen steht in der Damenoberbekleidung im Durchschnitt oft in der Kritik. Der einfachste Weg für die Erstellung eines Hemdkragens:

 

Aufstellung eines Hemdblusenkragens

Die Halsweite des Hemdkragens ist 20,5/41 cm. (Abb. 3) Sie zeichnen ein Viereck, in der Höhe 14,25 cm; in der Breite 23,5 cm. In der hinteren Mitte hat der Steg 3,5 cm Höhe. An der unteren Linie werden 20 cm und im rechten Winkel nach oben 2,75 cm für die vordere Mitte markiert. Im Abstand von 1,25 cm Parallel dazu in 3.25 cm Höhe ist der Endpunkt für den Übertritt. Wir zeichnen in einer leichten Rundung (siehe Skizze) bis zur Markierung des Übertritts. Parallel zur unteren Steglinie wird die obere Nahtlinie des Stegs gezeichnet. Die obere Strecke des Stegs zur vorderen Mitte ist 18,5 cm. Mit einer Rundung wird der Übertritt eingezeichnet, so dass die vordere Mitte Steghöhe 3,25 cm ist. Von der hinteren Mitte bis zum Schulterpunkt wird der Betrag des hinteren Spiegels minus 0,2-0,25 cm (für die Einhaltweite zum Schulterblatt) markiert. Am Schulterpunkt wird der Steg um 0,5 cm erhöht, verlaufend zur hinteren und zur vorderen Mitte. Diese Erhöhung an der Schulter gibt dem Steg des Hemdkragens eine optimale Passform um den Hals.

An der hinteren senkrechten Linie 5 cm oberhalb der hinteren Mitte des Kragenstegs wird die Ansatzlinie des Kragens bis zur vorderen Mitte des Kragenstegs in einer Rundung gezeichnet (Siehe Skizze). Die Kragenumbruchlinie hat in der hinteren Mitte von der Kragen Ansatzlinie 0,8 cm und in der vorderen Mitte 0,5 cm Abstand. Die Kragenbreite ist 4,8 cm breit bis zur Schulterhöhe und verbreitert sich dann bei 23,5 cm von der hinteren Mitte gemessen an der Kragenspitze auf 9,5 cm, in schräger Linie zur vorderen Mitte gezeichnet. Die Spitze dieses Kragens ist 0,5 cm unterhalb der oberen Linie des Vierecks und die tiefste Stelle der Konkavlinie ist 1,25 cm.

Wichtig ist für optimale Krägen in der Form, dass sie ab Schulterhöhe bis zur vorderen Spitze in der Linie immer konkav sein müssen, egal wie breit der Kragen ist. Damit ist der Kragen noch nicht fertig! Der hier konstruierte äußere Steg und Unterkragen braucht noch einen inneren Steg und Oberkragen. Der innere Steg ist generell 0,6 cm kürzer auf die Hälfte als der äußere Steg, 0,2 cm im hinteren und 0,4 cm im vorderen Halsloch. Der Oberkragen muss gedreht werden, da eine äußere Rundung immer mehr Länge braucht als eine innere Rundung. Wir markieren den Kragen von der hinteren Mitte bis zur Spitze in drei Drittel. Sie drehen den Kragen um 0,2-0,25 (je nach Stoffstärke) an der oberen Kante auf Haltepunkt, 0,75 cm oberhalb der Umbruchlinie.

Als Rollfalte geben wir dem Oberkragen in der hinteren Mitte oben 0,3 cm verlaufend bis zur vorderen Kragenspitze auf 0,15 cm. An der Ansatzlinie geben wir durchgehend 0,2 cm für die Rollfalte. Der Kragen ist fertig. Und dieser Hemdkragen wird auch bei den kritischsten Kontrollen sehr gut bewertet werden. Um noch eine zusätzliche Kontrolle vorzunehmen, legen sie den Steg am Halsloch an, circa 2 cm über der vorderen Mitte und ziehen Sie die vordere Mitte kerzengerade durch den Steg, dann ist Ihr Kragen optimal, auch im offenen Zustand!

 

 

Wichtiger Hinweis

Der Kragen muss in der hinteren Mitte im zugeknöpften Zustand immer die Stegansatzlinie überdecken. Dann ist Ihr Kragen optimal. Ebenso dürfen sich die Kragenecken nicht nach oben biegen, als ob sie davon fliegen wollten. Eine Bluse wird vom Kunden schon am Bügel nach dem Kragen und den Ärmeln beurteilt. Leider gibt es nicht viele Vergleichsmöglichkeiten an perfekt sitzenden Blusen im Handel.

 

Annegret Brinkmann-Stieler ist Kopf und Herz des nach ihr benannten ABST-Instituts für Mode-Design und Technik. Ihre langjährige Berufserfahrung als Designerin und Ihr Wissen über körpergerechte, perfekte Umsetzung des Designs haben sie zu einer der führenden Größen auf dem Gebiet der perfekten Passform gemacht. Dieses Wissen gibt sie in Passformschulungen für Damenoberbekleidung an Industrie und Handwerk weiter.
Infos und Seminartermine finden Sie unter:
www.abst-institut.de

 

Produkt: Rundschau für Internationale Damenmode 07/08.2019
Rundschau für Internationale Damenmode 07/08.2019
Fachzeitschrift für internationale Damenmode und Schnitt-Technik +++ Dirndl-Blusen +++ Trachten +++ Interview: Margit Hummel

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