Produkt: Schnittkonstruktion 2012
Schnittkonstruktion 2012
Schnittkonstruktion 2012

Handschuhe nähen

 

(Bild: © Martin Veit)

 

Wenn Sie ein Paar Handschuhe fertigen, so stylen Sie natürlich nicht einfach ein Accessoire. Sie verkaufen darüber hinaus eine jahrhundertealte Verhaltensnorm, nach der Stil verehrt wird. Auch wenn dies von Land zu Land variiert, sind bestimmte Regeln doch allgemein verbreitet.

Handschuh-Etikette

(European Glove Association, Pamela Bryant)

  •  Handschuhe sollten anbehalten werden, wenn man in einer Empfangsreihe Hände schüttelt, wenn man tanzt oder jemand die Hand zum Kuss reicht.
  • Handschuhe sollten während der Cocktailstunde getragen werden, aber beim Abendessen sollte zumindest der rechte Handschuh ausgezogen werden.
  • Opern- und andere „Musketier“-Handschuhe (d. h. lange Handschuhe mit einer knöpfbaren Öffnung am Handgelenk) können mit entblößter Hand getragen werden. Der leere Handschuhteil sollte geschickt bis zum Handgelenk aufgerollt werden und entweder unter dem Handgelenk oder unter dem Armband verstaut werden.
  • Ringe und/oder Armbänder können über dem Handschuh getragen werden.
  • Lange Handschuhe sollten entlang dem Arm abgestreift werden, anstatt sie von der Spitze herunterzuziehen.
  • Handschuhe sollten vor Verlassen des Hauses angezogen werden und in der Öffentlichkeit diskret ausgezogen werden, es sei denn, Sie möchten die aufregende Wirkung zugunsten eines Bewunderers auskosten!
  • Schwarze Opernhandschuhe sollten nicht zu weißen oder hellen Kleidern oder Abendkleidern getragen werden. Sie können jedenfalls zu schwarzer, dunkler oder glänzender Kleidung getragen werden. Weiß und ihre verschiedenen Nuancen, wie z. B. Elfenbein, Beige und Dunkelgrau sind die traditionellen Farben für Opernhandschuhe und eignen sich praktisch für jeden Anlass, zu dem Opernhandschuhe getragen werden.
  • Stulpenhandschuhe (Handschuhe mit breiteren Armteilen) passen zu den meisten Ärmellängen, wobei die Armteile üblicherweise über dem Ärmel der Bluse oder dem Jackett getragen werden. Handschuhe mit sechs Knöpfen, auch bekannt als Handschuhe in Dreiviertel- oder Jackettlänge, können zu jeder Ärmellänge getragen werden.
  • Trägt man beim Rauchen lange Handschuhe, sollte eine Zigarettenspitze verwendet werden.

 

 

 

Maßnehmen von Handschuhen

Gezeigt wird anhand einer technischen Zeichnung das Maßnehmen einer Hand für die Konstruktion eines Handschuhs.
1. Die Handschuh-Größe ist Umfang der flachen Hand, gemessen über die Knöchelpartie der Fingerwurzeln und in „Pariser“- Zoll abgelesen.
2. Neben der eigentlichen „Handschuh-Größe“ sind weitere Maße zur sachgerechten Anfertigung von Handschuhen von Bedeutung. Alle von der Norm abweichenden Finger- und Daumenlängen sind festzuhalten. Man merke: Die Längen der einzelnen Finger sind immer von der kürzesten „Fante“ (= Fingerwurzel) aus zur Fingerspitze gemessen. Auch die Daumenlänge wird so festgestellt.
3. Die „Ampon“ wird vom Daumenansatz zur Zeigefinger- Wurzel gemessen.
4. Das „Rebras“ ist für die Handschuhlänge maßgebend. Die „Rebras“-Länge, gemessen vom Daumenballen (Handgelenk) bis zur gewünschten Armlänge entscheidet, ob es ein langer oder ein kurzer Handschuh sein soll.
5. Es ist hilfreich, wenn bei Abweichungen von der Normalform zusätzliche Hinweise (z. B. lange, schlanke Form, oder kurze kräftige Finger usw.) gegeben sind.
6. Zu den vollständigen Maßangaben kommen folgende Angaben zu Material und Verarbeitung: Material: Nappaleder, Wildleder, Veloursleder, Jersey, Stretchstoffe Handschuhfutter: Strickfutter, Wollfutter, Seidenfutter, Pelzfutter (kleiner Stich). Handschuhnaht: Handlascher, Maschinenlascher, Steppnaht, Linksnaht, diverse Ziernähte
7. Die gebräuchlichsten Maßeinheiten in der Handschuhfabrikation sind:
a) „Pariser“-Zoll = 27,07 mm
b) Englischer Quadratfuß = 9,29 qdm

 

Wie bestimme ich die Handschuh-Größe?

Die Handschuh-Größe wird um die flache Hand (Handumfang) über die Knöchelgröße gemessen und in „Pariser“-Zoll abgelesen.
1 „Pariser“-Zoll = 27,07 mm
1 Englischer Quadratfuß = 9,29 qdm

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Schnittaufstellung

Abgebildet ist die Schnitt-Technik eines Handschuhs.

Handumfang durch 8 teilen. 19,2 : 8 = 2,4 cm. Fünf senkrechte Linien zeichnen im Abstand von 2,4 cm, Länge ca. 20 cm. In der Hälfte eine waagerechte Linie ziehen (für Längenabmessung der Finger). Bei kleinem Finger Linie 1 cm nach unten versetzen, da Fante tieferliegend. Von waagerechten Linien nach oben gemessene Fingerlängen einzeichnen. Die Mitte der waagerechten Linie angeben). Rundung für Fingerkuppen auszeichnen. Öffnung für Daumen nach Vorlage einzeichnen. Bei 5,0 cm Ampon von Querlinie auf Linie 0/1. zeichnen. Ebenso Ballenlänge (= 5 cm) nach unten zeichnen. Rundung 0,5 cm von äußerer rechter Linie und Linie 2/3 entfernt auszeichnen.

Vom 5 cm-Punkt (Linie 0/1) 2 cm hochzeichnen. Von dort nach links und rechts 1,1 cm waagerecht zeichnen (bei breiter Hand auch mehr möglich). Weiter 1 cm-Punkt einzeichnen. Durch diesen Punkt (Linie 0/1) 2,1 cm lange Linie (mehr bei großer Hand) zum linken Punkt für Einschnitt zeichnen. Strecke c + d zum jeweiligen Punkt einzeichnen. Vom Ballenende Rebras (= Handschuhlänge) einzeichnen und Verbindung zu 0,5 cm-Punkten schließen. Schnitt auflegen und ausschneiden, 1  mit Daumenloch, 1  ohne Daumenloch für Handschuhoberteil.

a) Handumfang = Handschuh-Größe (hier 18 cm + 1,2 cm) = 7 Zollb) Fingerlängen:
Kleiner Finger: 5,5 cm
Ringfinger: 7,5 cm
Mittelfinger: 8,7 cm
Zeigefinger: 7,7 cm
Daumen 5,5 cm
Daumenumfang 6,5 + 1 cm
Ampon: 5,0 cm
Rebras: 4,0 cm
Ballenlänge: 5,0 cm

Abgebildet ist die Schnitt-Technik eines Handschuhs.

Eine senkrechte und eine waagerechte Linie zeichnen. Auf senkrechter Linie Daumenlänge nach oben und Ballenlänge nach unten zeichnen. Auf waagerechter Linie je zur Hälfte von senkrechter Linie einzeichnen: Daumenumfang + 1 cm. Daumenkuppe je 1 cm breit von senkrechter Linie nach links und rechts zeichnen. Von Querlinie rechts auf Ballenlängenpunkt und wieder zur Querlinie zeichnen. Betrag sollte Daumenlochumfang + 2,1 cm betragen. Von Querlinie nach oben für Strecke d = 2,1 cm zeichnen. Auf Querlinie rechts 1,5 cm einstellen. Vom 2,1 cm-Punkt zu 1,5 cm- Punkt Linie mit 2,2 cm Länge zeichnen.

 

Mittelstücke für Finger zeichnen wie die Abb. zeigt, Ansatz = Fingerbreite (2,4 cm). Alle Schnittteile auflegen, Abb.  zuschneiden.

 

 

Fertige Schnittteile

Abgebildet ist das fertige Schnittteile eines Handschuhs.

 

 

Verarbeitung

Abgebildet ist das fertige Schnittteile eines Handschuhs.

Nach angegebenen Zeichen von Hand oder mit der Maschine zusammennähen (0,2 cm Nähte). Beim Einnähen des Daumens beginnt man an der eingeschnittenen Ecke und näht jeweils die Strecken a, b, c, d des Daumens auf die Strecken a, b, c, d am Handschuh. Danach den Daumen in das Daumenloch einnähen.

 

 

Abgebildet ist das fertige Schnittteile eines Handschuhs.

Nun die Zwischenstücke der Finger aneinander nähen: kleiner Finger an Ringfingerstück, Mittelfinger an Ringfinger und Zeigefinger an Mittelfinger. Die zusammengenähten Stücke an oberen Handschuh nähen. Das untere Handschuhteil mit Daumen ebenfalls annähen. Die äußeren Nähte des Handschuhes werden zuletzt geschlossen.

 

Diesen und weitere Beiträge finden Sie in dem Fachbuch “ATELIER Fachwissen aus der Praxis Teil 2“.

Produkt: Schnittkonstruktion 2009
Schnittkonstruktion 2009
Das Sammelband "Schnittkonstruktion 2009" enthält alle Schnittkonstruktionen der Fachzeitschrift "Rundschau für internationale Damenmode" aus 2009.

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