Produkt: Rundschau für Internationale Damenmode 7-8/2016
Rundschau für Internationale Damenmode 7-8/2016
Rundschau für Internationale Damenmode 7-8/2016

Das Brautkleid

Brautkleid von Inbar Dror
Inspiration Runway: Brautkleid von Inbar Dror (Bild: © CATWALKPIX.COM)

Die Braut verändert sich und mit ihr die Silhouette. Die Liebe gerät wohl nie aus der Mode. Mit den Hochzeiten verhält es sich in Deutschland allerdings anders. In den vergangenen Jahrzehnten ist in Deutschland ein gesellschaftlicher Wandel zu beobachten: Während die Trauung im Standesamt mit anschließender kirchlicher Zeremonie in den 50er Jahren noch gang und gäbe war, folgte in den Jahren darauf ein starker Abwärtstrend, der seinen Tiefpunkt in den 2000ern erreichte. Das statistische Bundesamt notierte zu dieser Zeit, dass sich die Zahl der Eheschließungen in den vergangenen 50 Jahren fast halbiert hat.

Brautkleider in verschiedenen Silhouetten
Inspiration Runway: Brautkleider von Amsale, Anne Barge und Berta bei der Bridal Fashion Week in New York. (Bild: © CATWALKPIX.COM)

Der Tiefpunkt der Liebe? Keineswegs, denn der Ringaustausch im Hause Gottes war für viele Paare einfach nicht mehr nötig. Um eine Familie zu gründen, müssen Mann und Frau nicht mehr zwangsläufig denselben Nachnamen tragen. Seit ein paar Jahren kehrt aber zumindest die standesamtliche Trauung wieder zurück. 2017 gaben sich 407.466 Paare in Deutschland offiziell das Jawort. 21 Prozent der Paare beließen es bei der rein standesamtlichen Eheschließung. Für den Großteil ist die Unterschrift im Rathaus allerdings nicht romantisch genug. Das Fest mit Familie und Freunden ist das eigentliche Highlight, die Kirche ist dafür nicht mehr notwendig. Viele Paare entscheiden sich für eine freie Trauung am Strand, See, Wald oder Wiese.

Schnitt-Technik Brautkleider

In diesem E-Dossier finden Sie Anleitung zur Konstruktion von vier verschiedenen Schnitten für Brautkleider. Die Schnittaufstellung basiert auf dem Kleider-Grundschnitt in Gr. 40.

15,80 €
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Gesellschaftliche Veränderungen zu erkennen, ist für die Modeindustrie unerlässlich

Warum ist so eine Entwicklung für Modemacher nun wichtig? Ganz einfach: Zu den Eigenschaften eines erfolgreichen Modehauses gehört auch, diese gesellschaftlichen Strömungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Wer heute noch dieselben Brautkleider anfertigt wie in den 50er Jahren, wird sie wohl kaum verkauft bekommen. Durch die wachsende Beliebtheit von freien Trauungen, verändert sich auch das Hochzeitskleid: Schultern müssen nicht mehr bedeckt werden, Ausschnitte werden größer und der Schleier wird häufig durch ein Blumengesteck ersetzt. Während vor ein paar Generationen noch mit zarten 20 Jahren geheiratet wurde, ist die Braut heute im Durchschnitt 31 Jahre alt und möchte einmal in ihrem Leben eine Prinzessin sein. Für dieses Gefühl investiert sie durchschnittlich knapp 1.300 Euro und vertraut dabei auf das Fachwissen der Beratung. Dabei hat sie meist bereits vor dem Besuch des Brautausstatters eine genaue Vorstellung von ihrem Kleid, oftmals beeinflusst durch die sozialen Netzwerke, Prominenz und führende Trends.

Für jede Braut die richtige Silhouette

Die herausfordernde Aufgabe für Brautmoden-Designer und Brautausstatter ist also, dafür zu sorgen, dass die Braut beim Anblick ihres Hochzeitskleides auch in 30 Jahren nicht den Kopf schüttelt und sich über den weißen Fummel ärgert. Wie bei allen Kleidungsstücken, beginnt auch das Brautkleid mit einer passenden Silhouette. Denn wenn die Grundform nicht passt, können Tüll, Spitze und Pailletten die Robe auch nicht retten.

 

Übersicht der verschiedenen Brautkleid-Formen

Die A-Linie

Brautkleid in A-Linie

Auf die klassische A-Linie greifen viele Br.ute zurück. Sie betont den Oberkörper und verläuft ab der Hüfte in einen ausgestellten Rock. Dadurch werden Problemzonen wie Hüfte, Po und Oberschenkel perfekt kaschiert. Eine große Oberweite kann durch breite Träger stabilisiert werden, kräftige Arme werden auf Wunsch von Ärmeln bedeckt. Diese Silhouette ist wandelbar und vielfältig, weshalb sie den meisten Bräuten gefällt. Im Fall von vielen Tülllagen, sollte eine kurze Schleppe unbedingt nach oben hochgesteckt werden können. Ein Feststecken nach unten kann aufbauschend wirken und die Kehrseite der Braut durch die vielen Tülllagen schnell unförmig wirken lassen. Ein Hochbinden nach innen empfiehlt sich bei Kleidern nur, wenn sie tief sitzen und der Rock erst auf Hüfthöhe auswirft. Besonders für kleine Frauen empfiehlt sich eine Midi-Länge. Durch das Herausblitzen der Knöchel wird die Braut in ihrer Länge nicht gestaucht, sondern gestreckt. Zudem bekommt der zeitlose Schnitt dadurch eine moderne Note.

Schnittmuster Brautkleid in A-Linie

Der Schnittmusterbogen enthält ein Brautkleid in A-Linie mit Teilungsnähten in den Größen 36 - 46.

22,00 €
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Prinzessinnen-Linie

Brautkleid in Prinzessinnen-Linie

Sie will den Wow-Effekt! Wenn die Braut von einem Sissi-Kleid spricht und sich eine Märchenhochzeit wünscht, dann träumt sie wohl meist von der Prinzessinnen-Linie. Diese Silhouette gleicht der A-Linie und betont den Oberkörper oft durch eine Corsage mit herzförmigem Ausschnitt. Der Rock ist allerdings viel weiter ausgestellt, wobei oft zu einem zusätzlichen Unterrock oder gar einem Reifrock gegriffen wird. Dadurch bekommt die Silhouette ihren pompösen Look, kann am Tage der Feier aber auch zu Komplikationen führen: Die Braut ist einfach längst nicht so bewegungsfrei, wie sie es sich auf der Tanzfläche später vielleicht wünscht. Um Frust auf der Feier zu vermeiden, sollte die Braut im Geschäft das Kleid in allen Bewegungsabläufen testen: sitzen, Arme hoch und auch gerne den Hüftschwung. In erster Linie soll sie sich schließlich wohlfühlen.

H-Linie

Brautkleid in H-Linie

Wenn Bräute eine Boho- oder Vintagehochzeit planen, schwebt ihnen oft ein Brautkleid in H-Linie vor. Diese Silhouette eignet sich für Frauen mit einem besonders zierlichen Körperbau, wenn Schultern und Hüfte fast ähnlich breit sind. Zarte Kurven werden von einer A-Linie oft verschlungen, die H-Linie hingegen betont bei einem androgynen Typ mit kleiner Oberweite die Vorzüge perfekt. Die Materialwahl fällt meist auf leicht schimmernden Taft oder nüchterne Baumwolle. Diese Stoffe fallen gerade und körperbetont, bieten der Braut in ihrer Zusammensetzung aber dennoch genug Bewegungsfreiheit. Im Allgemeinen fallen Brautkleider in H-Linie meist eher schlicht aus, da Tüll und Verzierungen den Look oft überladen. Für Frauen, die einem sportlichen oder zurückhaltenden Typ entsprechen, ist diese Silhouette sehr gut geeignet. Designer können die Schlichtheit des Kleides durch einen hohen Beinschlitz aufbrechen und so ein wenig Raffinesse einbringen.

Meerjungfrauen-Linie

Brautkleid in Meerjungfrauen-Linie

Diese sehr körperbetonte Silhouette eignet sich für Frauen, die ihre Kurven lieben und diese auch in Szene setzen wollen. Die extravagante Linie erinnert an die Umrisse einer Meerjungfrau, wovon auch der Name kommt. Dabei ist der Oberkö rper meist durch eine Corsage gebunden und auch Taille, Po und Oberschenkel werden durch die körperanliegende Passform enorm betont. Erst ab Kniehöhe fällt der Stoff in eine ausgestellte Form, die einer Meerjungfrauenflosse gleicht. Für noch mehr Dramatik wird der Saum nach hinten oft mit einer Schleppe verlängert. In diesem Fall sollten Modelle bevorzugt werden, bei denen die Schleppe abnehmbar ist. Das ermöglicht der Braut auf der Tanzfläche mehr Bewegungsfreiheit. Die Silhouette betont jede Körperstelle und empfiehlt sich daher nur Frauen mit einer harmonisch verlaufenden Sanduhr-Silhouette: einer schmalen Taille, einer wohlgeformten Kehrseite und nicht zu breiten Oberschenkeln. Andernfalls könnte das Brautkleid schnell unvorteilhaft wirken. Die Braut sollte zudem eine gewisse Körpergröße mitbringen. Kleine Frauen wirken durch den Schnitt leicht gestaucht.

Trompeten-Linie

Brautkleid in Trompeten-Linie

Dabei handelt es sich um die Cousine der Meejungfrauen Silhouette. Die Trompeten- Linie ist gleichermaßen körperbetont, der Rock fächert allerdings schon ab Mitte der Oberschenkel aus. Dadurch bleiben Hüfte und Po betont, Problemzonen an den Beinen können aber noch kaschiert werden. Auch diese Linie eignet sich vorzugsweise für große Frauen mit einem schlanken Körperbau. Designer verlängern diese Silhouette häufig mit einer Hofschleppe, die relativ rund um die hintere Partie des Kleides fällt. Mit einer Länge von ungefähr 60 Zentimetern ist sie mittellang. Sie soll den weiblichen Körperbau in ihrer runden Form spiegeln und dem Look so einen letzten Schliff geben. Idealerweise können Bräute auch diese Schleppe hochstecken.

Empire-Linie

Brautkleid in Empire-Linie

Die Empire-Linie war zur Zeit des Napoleonischen Kaisereichs in ganz Europa groß in Mode, die Silhouette wurde aber schon im alten Rom getragen. Der jahrhundertalte Schnitt feiert heute ein Comeback, denn viele Br.ute lieben den romantisch femininen Look. Bei der Empire-Linie richtet sich die komplette Aufmerksamkeit auf das Dekolleté. Die deutlich erhöhte Taille wandert bis unter die Brust, wo sie mit einer Quernaht betont wird. Moderne Akzente können durch asymmetrische Ausschnitte gesetzt werden. Der Rock fällt in leichten Stoffen herunter und wirkt fast unscheinbar. Durch diese Schlichtheit werden Problemzonen perfekt kaschiert. Diese Silhouette ist außerdem die Wahl vieler Schwangeren. Da beim Kauf des Kleides oft nicht einzuschätzen ist, wie groß der Babybauch am Tage der Hochzeit sein wird. Zudem fällt es bei dieser Form nicht auf, ob die Schwangere unter dem Kleid eine Stützhose trägt. Wer sich für ein Hochzeitskleid in Empire-Linie entscheidet, sollte sich mit einem langen Schleier zurückhalten. Die große Stoffmenge kann sonst schnell überladen wirken. Passender ist Haarschmuck in Form eines Blumenkranzes oder einzelner Perlen.

Farbe und Material

Damit die Schnitte optimal zur Geltung kommen, ist die Stoffwahl essenziell. So greifen viele Modemacher zu Seidenstoffen. Der edle und weiche Naturstoff ist hautverträglich, hat eine hohe Elastizität, kühlt bei Hitze und wärmt bei Kälte. Wird Spitze verwendet, sollte auf hochwertiges Material gesetzt werden, ansonsten kann sie die Haut reizen und ein juckendes Gefühl verursachen. Satin ist ein besonders schwerer Stoff, der sich aber fließend um die Silhouette der Braut legt. Er knittert nicht, fühlt sich weich an und verleiht dem Brautkleid einen schönen Glanz. Organza hingegen ist transparent, dünn und leicht, verfügt jedoch über eine optimale Festigkeit. Er hat eine schimmernde Optik und verleiht dem Brautkleid Volumen. ähnliche Zwecke erfüllt auch Tüll. Er ist ein steifes, transparentes Gewebe, das dem Kleid mehr Volumen gibt, ohne es dabei zu beschweren. Feiner hingegen ist Chiffon. Das Material ist transparent und zart. Er wird oft mehrlagig als Oberstoff verwendet. Um den richtigen Farbton des Stoffes zu finden, empfiehlt es sich, die Stoffe im Tageslicht auf die Hautfarbe abzustimmen. Nachdem Schnitt und Silhouette bestimmt sind, sollte die Braut bei der Anprobe stets den gleichen Büstenhalter und dieselben Schuhe dabeihaben.

Schnittmuster zeichnen für das Brautkleid

drei verschiedene Schnittkonstruktionen für Brautkleider

In der Schnitt-Technik der Damen-Rundschau 05.2019  finden Sie Anleitung für die Schnittaufstellung dieser drei bodenlangen Brautkleider mit femininen Silhouetten und interessanten Details wie tiefen Rückenausschnitten, außergewöhnlichen Ärmeln und hochgeschlossenen Kragen.

 

Schnittkonstruktion Brautmode und Event
98,00 €
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Produkt: Schnittmuster Trachten: Mieder
Schnittmuster Trachten: Mieder
Mieder-Schnittmusterbogen

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