Produkt: Schnittkonstruktion 2009 – 2011
Schnittkonstruktion 2009 – 2011
Schnittkonstruktion 2009 – 2011

Gradieren von Hosen

Vor dem Gradieren einer Hose empfiehlt es sich, die Vorder- und Hinterhosenmitte in das Grundmuster einzuzeichnen. Man stellt also am Knie und am Saum die Hälfte der gesamten Weite fest und zieht über diese Punkte eine gerade Linie nach oben. Rechtwinkelig zur Mitte sind Knie-, Schritt- und Hüfthöhe einzuzeichnen.

Die Bestimmung der Hüftlinie errechnet sich aus 1⁄10 der halben Hüftweite plus 3 cm. An der Hinterhose ist zu beachten, dass sie im Winkel zur hinteren Kreuznaht verläuft.

Als Vorarbeit zur Gradierung von Hosen gehört wie bei Röcken die Ermittlung der Taillen- und Hüftweitenmaße der entsprechenden Kunden bzw. Zielgruppen. Diese Maße werden aus vorhandenen Größentabellen entnommen oder nach eigenen Maßvorstellungen erarbeitet und proportional verteilt. Fuß- und Knieweite sind modellbedingt zu gradieren.

Die in der Ausgangsgröße 38 abgebildeten Hosenschnitte sind bereits eingehend ausprobiert und optimiert worden. Sie enthalten keine Naht- und Saumzugaben, jedoch Markierungspunkte und Markierungszwicke und sind beschriftet.

Diesen und weitere Beiträge zu Gradierungen finden Sie in dem Fachbuch Gradieren DOB & KOB.

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Benennung und Berechnung der Sprungbeträge für Röcke und Hosen: Die Tabelle für Röcke und Hosen, bei der die Maßunterschiede der Größen 34-54 dargestellt sind, finden Sie in der Ausgabe 6/10 der Damen-Rundschau auf Seite 33.

 

Richtungsanzeigen für das Gradieren der Damenhose

 

 

 

Die Detailzeichnungen zeigen die genaue Winkelanlage für das Gradieren der Leibhöhe und das Stufen an Taille und vorderer bzw. hinterer Mitte.

 

 

 

Die Berechnung der Hüftweite nach prozentualer Weitenverteilung

Für die proportionale Weitenverteilung geht man von der Hosenmitte als Ausgangsbasis aus (die Hosenmitte bleibt also unverändert).

Wir ermitteln jeweils die Abstande vom vorderen bzw. hinteren Hosenbruch zur Seitennaht und zur vorderen und hinteren Mitte.

Teilen wir diese Strecken in Zehntel auf, so entstehen folgende Werte:

 

Vorderhose

Vh.Sn Vorderhosen Seitennaht: 7⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied

Vh.Mn Vorderhosen Mittelnaht: 4⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied

 

Hinterhose

Hh.Sn Hinterhosen Seitennaht: 7⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied

Hh.Mn Hinterhosen Mittelnaht: 2⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied

 

Die Berechnung der Taillenweite nach prozentualer Weitenverteilung

Um eine möglichst parallel verlaufende vordere und hintere Kreuznaht zu erreichen, gradieren wir die Taille an der vorderen und hinteren Mitte um denselben Betrag wie die Hüfte.

An den Seitennähten ergeben sich dadurch die Gradierwerte zwangslaufig:

 

Vorderhose

Vh. Sn Vorderhosen Seitennaht: Rest Tu Maßunterschied

Vh. Mn Vorderhosen Mittelnaht: 4 ⁄10 vom 1 ⁄4 Hu Maßunterschied

 

Hinterhose

Hh. Sn Hinterhosen Seitennaht: Rest Tu Maßunterschied

Hh. Mn Hinterhosen Mittelnaht: 2⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschie

 

 

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Verkleinern einer Damenhose mit Abnähern von Größe 38 auf Größe 34

Da alle wichtigen Punkte für die Gradierung bereits besprochen sind, können die Maßunterschiede berechnet werden.

 

Die Berechnung der Maßunterschiede

Maßunterschiede laut Tabelle von Gr.38 – Gr.34:

  • Taillenumfang: 40 mm + 30 mm = 70 mm
  • Hüftumfang: 30 mm + 40 mm = 70 mm
  • Leibhöhe: 4 mm + 4 mm = 8 mm
  • Schrittlänge: 4 mm + 4 mm = 8 mm
  • Fußweite: 10 mm + 10 mm = 20 mm
  • Knieweite: 15 mm + 15 mm = 30 mm

 

Verkleinern von Vorder- und Hinterhose

1–2 Schrittlänge: 8 mm, nach unten abtragen.

3–4 1⁄4 Fußweite: 5 mm. Die Fußweite verteilt sich auf alle vier Nähte der Vorder- und Hinterhose. Hosensaum parallel zum Grundmuster neu auszeichnen.

5–6 1⁄2 Schrittlänge: 4 mm. Die Kniehöhenlinie wird um die Hälfte der Schrittlänge nach unten gestuft.

7–8 1⁄4 Knieweite: 7,5 mm. Die Knieweite verteilt sich auf alle vier Nähte der Vorder- und Hinterhose.

9–10 Hüfthöhenlinie: 1⁄10 vom 1⁄2 Hu Maßunterschied = 3,5 mm. Diese Linie verschiebt sich bei Vorder- und Hinterhose parallel nach unten.

11–12 Vh.Sn und Hh.Sn: 7⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied =12,25 mm, wird an der Huflinie nach innen gestuft (siehe prozentuale Weitenverteilung der Vorder- bzw. Hinterhose).

13–14 Vh.Mn: 4⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied = 7 mm.

13–14 Hh.Mn: 2⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied = 3,5 mm.

14–15 Leibhöhe: 8 mm. Die Leibhöhe wird gemäß der Teilzeichnung 1a und 1b nach unten gestuft.

15–16 Vh.Mn: Tu Maßunterschied = 7 mm. Um einen möglichst parallelen Verlauf der vorderen Mittelnaht zu erzielen, wird der gleiche Betrag wie an der Hüfthöhe nach innen gestuft.

15-17 Vh.Sn und Hh.Sn: Rest Tu Maßunterschied = 12,25 mm.

 

Der Rest Tu Maßunterschied errechnet sich wie folgt:

Vordere Mittelnaht 7 mm + hintere Mittelnaht 3,5 mm = 10,5 mm.

1⁄2 Tu Maßunterschied = 35 mm minus 10,5 mm = 24,5 mm.
Das sind jeweils 12,25 mm pro SN.

 

15–16 Hintere Mittelnaht: Tu Maßunterschied = 3,5 mm. Um einen möglichst parallelen Verlauf der hinteren Mittelnaht zu erzielen, wird der gleiche Betrag wie an der Hüfthöhe nach innen gestuft.

Das Auszeichnen der Vorder- und Hinterhose, sowie die Längenkontrolle basiert auf dem gleichen Prinzip wie bei der Vergrößerung.

18–19 Der Bund ist um 1⁄2 Tu Maßunterschied 35 mm zu stufen.

 

 

 

 

Vergrößern einer Jeans mit Formbund und Passe von Größe 38 auf Größe 46

Für die Gradierung legen wir zuerst die Maßunterschiede fest.

 

Die Berechnung der Maßunterschiede

Maßunterschiede laut Tabelle von Gr.38 – Gr.46:

  • Taillenumfang: 40 mm + 40 mm + 40mm + 40 mm = 160 mm
  • Hüftumfang: 30 mm + 30 mm + 30 mm +30 mm = 120 mm
  • Leibhöhe: 4 mm + 4 mm + 4 mm + 4 mm = 16 mm
  • Schrittlänge: 4 mm + 4 mm + 4 mm + 4mm = 16 mm
  • Fußweite: 10 mm + 10 mm + 10 mm + 10 mm = 40 mm
  • Knieweite: 15 mm + 15 mm + 15 mm + 15 mm = 60 mm

 

Vergrößern von Vorder- und Hinterhose

1–2 Schrittlänge: 16 mm, nach oben abtragen.

3–4 1⁄4 Fußweite: 10 mm. Die Fußweite verteilt sich auf die Nähte von Vorder- und Hinterhose. Hosensaum parallel zum Grundmuster neu auszeichnen.

5–6 1⁄2 Schrittlänge: 8 mm. Die Kniehöhenlinie wird um die Hälfte der Schrittlänge nach oben gestuft.

7–8 1⁄4 Knieweite: 15 mm. Die Knieweite verteilt sich auf die Nähte von Vorder- und Hinterhose.

9–10 Hüfthöhenlinie: 1⁄10 vom 1⁄2 Hu Maßunterschied = 6 mm. Diese Linie verschiebt sich bei Vorder- und Hinterhose parallel nach oben.

11–12 Vh.Sn und Hh.Sn: 7⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied = 21 mm. Dieses Maß wird an der Hüftlinie nach außen gestuft (siehe prozentuale Weitenverteilung der Vorder- bzw. Hinterhose).

13–14 Vh.Mn: 4⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied = 12 mm.

13–14 Hh.Mn: 2⁄10 vom 1⁄4 Hu Maßunterschied = 6 mm.

14–15 Leibhöhe: 16 mm. Die Leibhöhe kann an der hinteren Mittelnaht um 1mm mehr pro Größe nach oben gestuft werden. Dadurch ist gewahrleistet, dass die Hose genugend Länge über das Gesäß aufweist.

15–16 Vh.Mn: Tu Maßunterschied = 12 mm. Der Betrag wird parallel nach außen gestuft.

15–16 Hh.Mn: Tu Maßunterschied = 6 mm. Um einen möglichst parallelen Verlauf der hinteren Mittelnaht zu erzielen, wird der gleiche Betrag wie an der Hüfthöhe nach außen gestuft.

15–17 Vh.Sn und Hh.Sn: Rest Tu Maßunterschied = 31 mm. Die Stufung wird jeweils am vorderen und hinteren Formbundteil vorgenommen.

 

Vorderhose

15–18 und 15a–18a = 28 mm. Dieses Maß kann aus der Zeichnung 4a entnommen werden. Formbund auszeichnen.

 

 

 

 

 

 

Um die Seitennahtstufung genau vornehmen zu können, wurde an der Vorder- bzw. Hinterhose die Leibhöhe gestuft und die Passe sowie die Bundteile an der Seitennaht aneinandergelegt.

Der Hüftbogen und die Seitennaht können im geschlossenen Zustand ausgezeichnet werden.

Die entstandenen Beträge werden ausgemessen und auf die einzelnen Schnittteile übertragen.

 

 

 

Hinterhose

15a–17a = 28 mm. Dieses Maß kann aus der Zeichnung 4b entnommen werden.

15–19 und 15a–19a = 24 mm. Dieses Maß wird ebenfalls aus der Zeichnung 4b entnommen und auf die Schnittteile übertragen. Formbund, Passe und Bundnaht fertig zeichnen.

 

Der Rest Tu Maßunterschied errechnet sich wie folgt:

Vordere Mittelnaht 12 mm + hintere Mittelnaht 6 mm = 18 mm.

1⁄2 Tu Maßunterschied = 80 mm minus 18 mm = 62 mm. Das sind jeweils 31 mm pro SN.

 

Das Auszeichnen der Vorder- und Hinterhose erfolgt nach dem gleichen Prinzip wie bei den bereits dargestellten Hosen.

20–21 Der Tascheneingriff der Vorderhose vergrößert sich hiermit um 4 mm pro Größe = 16 mm. Tascheneingriff, Taschenbeutel und die Bundnaht auszeichnen.

Die aufgesetzte Tasche wird parallel zum Grundmuster vergrößert. Es ist darauf zu achten, dass die Taschenspitze wieder in der Mitte zu liegen kommt.

21–22 Th Taschenhöhe 3 mm pro Gr. = 12 mm.

22–23 Te Tascheneingriff 4 mm pro Gr. = 16 mm. Davon werden 2⁄3 Te nach links gestuft.

23–24 Te Tascheneingriff 4 mm pro Gr. = 16 mm. Davon werden 1⁄3 Te nach rechts gestuft.

24–20 Taschenspitze: 1⁄2 Tascheneingriff = 8 mm nach links stufen. Taschenform neu auszeichnen. Markierungspunkte auf die Hinterhose übertragen.

Grundsätzlich muss eine Vergrößerung/Verkleinerung von Taschen und Tascheneingriffen nicht bei jeder Größe erfolgen. Das ist modellbedingt und wird meist betriebsintern vereinbart.

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