Produkt: Rundschau für Internationale Damenmode 3/2017
Rundschau für Internationale Damenmode 3/2017
Rundschau für Internationale Damenmode 3/2017

Das Kleid – Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen

Kleider nach den aktuellen Trends
Inspiration Runway: Kleider in Knallfarben bei Herrera und Valentino. (Bild: Catwalkpix.com)

 

Das Kleid ist ein aus Oberteil und Rock bestehendes einteiliges Kleidungsstück der Damenmode. Heute gibt es das Kleid in allen erdenklichen Formen, Farbe und für jeden Anlass. Variationsmöglichkeit im Design eines Kleides bieten beispielsweise die Rockform und Saumlänge sowie der Schnitt der Silhouette und die Form des Ausschnitts bzw. eines Kragens und der Ärmel. Ob die Krinoline aus dem 19. Jahrhundert, das kleine Schwarze von Coco Chanel oder ein lässiges Jersey-Kleid in Form eines Oversize-Shirts: Das Kleid spiegelte immer die in seiner Zeit herrschenden gesellschaftspolitischen Strömungen, Vorstellungen von Etikette sowie Modetrends und Schönheitsideale wieder. Die Geschichte des Kleids und die wichtigsten Trends zum Kleid findet Ihr in diesem Artikel.

Inhalt

Zeigt ein altes Gemälde mit einem Kleid.
Während Jahrhunderten diktierte die Obrigkeit das modische Geschehen in Europa. Jane Seymour (1508 bis 1537), Gemahlin Heinrich des VII. von England. (Holbein der Jüngere) (Bild: Archiv)

Das Kleid in der Modegeschichte

Der mittelalterliche Begriff „kleit“ bezeichnet Kleider aus einem mit fetter Tonerde gewalkten Tuch. Diese Bezeichnung kam erst im 12. Jahrhundert auf und hatte bis ins 14. Jahrhundert die Bedeutung “Kleidung” für beide Geschlechter. Vorläufer solcher Gewandungen waren lange Wickel- und Hemdenformen, wie sie schon vor 5000 Jahren von der Oberschicht in Ägypten oder Mesopotamien zelebriert wurden. Während der romantischen Minnezeit verwendete man den Ausdruck „kleit“ ausschließlich für die weiblichen Kleidungsstücke. Während Jahrhunderten diktierte die Obrigkeit das modische Geschehen in Europa. Jane Seymour (1508 bis 1537), Gemahlin Heinrich des VII. von England. (Holbein der Jüngere)

Modisches Geschehen in Europa zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert

1480 trugen florentinische Damen erstmals fürstliche Roben aus einem kostbaren Seidensamt, welcher in der Manufaktur zu Lucca hergestellt und mit Gold aufgewogen wurde. Die Kleidermacher betonten die körperlichen Reize der edlen Frauen durch steife Einlagen aus Rosshaar, eng geschnürte Mieder oder eingenähte Hüftpolster. Als gestalterische Elemente für solche samtenen Festtrachten dienten neben raffiniert modellierten Ärmelpartien und tief ausgeschnittenen Dekolletés auch komplizierte Verschlüsse mit versteckten Haken. Während Jahrhunderten diktierten politische Machtzentren wie das Herzogtum Burgund unter Karl dem Kühnen, das modebewusste Florenz unter der Herrschaft der Medicis, das Königreich Sachsen unter August dem Starken, das stolze Königreich Spanien unter Karl V. oder Frankreich unter Louis XIV und Louis XV. das modische Geschehen in Europa.

Die besonders für den Adel konzipierte höfische Kleidung erwies sich für „gewöhnliche“ Bürgerinnen als unerschwinglich und zudem sorgten die strengen Kleidermandate für eine vestimentäre Abgrenzung. Entsprechend entstand als modische Alternative ein Stil, welcher zwar gewisse Elemente der höfischen Garderobe übernahm, jedoch zwangsläufig auf eigene Ausdrucksformen angewiesen war. Der industrielle Umbruch während des beginnenden 19. Jahrhunderts führte zum Aufbau einer leistungsfähigen Konfektionsindustrie, deren Produkte sich auch die arme Bevölkerung zu günstigen Preisen leisten konnte. Die Männer der reichen Oberschicht bleiben der anspruchsvollen Maßarbeit treu. Unter Napoleon III. und seiner modebewussten Gemahlin Eugénie de Montijo erlebte die Pariser Haute Couture und Mode einen großen Aufschwung. Als der englische Modeschöpfer Charles Frederick Worth anno 1853 seine Salons an der Rue de la Paix eröffnete, präsentierte er die Kreationen erstmals auf Mannequins.

JEANNE LANVIN Haute Couture Paris 1922, plissierte Hänger-Kleider
Plissierte Hänger-Kleider von Jeanne Lanvin aus der Haute Couture 1922. (Bild: Archiv)

Später gründete er dank der Unterstützung von Kaiserin Eugénie die „Haute Couture Français“, aus der die Chambre Syndicale de la Couture Parisienne hervorging. Seine Modeschauen wurden zum gesellschaftlichen Ereignis mit internationaler Ausstrahlung. Als neue Dienstleistung integrierten führende Modezeitschriften praktische Schnittmuster in ihre Auflagen, welche den inhaltlich besprochenen und abgebildeten Modellen entsprachen. Der Erste Weltkrieg beschleunigte die Demokratisierung der erstarrten Mode – eng geschnürte Korsetts, sperrige Krinolinen oder die obligate Tournüre verschwanden von der Bildfläche. 1920 brachte Coco Chanel die Garçonne mit lackiertem Bubikopf en vogue und 1922 stellte Jeanne Lanvin ihre plissierten Hänger-Kleidchen vor. 1930 lancierte Madeleine Vionnet ihre „en biais“ geschnittenen Kleider mit Säumen bis Wadenmitte und Jean Patou präsentierte als erster Couturier das strenge Schneiderkostüm. Während des Zweiten Weltkrieges plädierte die Mode für eine militärisch inspirierte Silhouette mit breiter Schulterpartie.

Individueller Stil im  20. Jahrhundert

Dank dem 1947 von Christian Dior eingeführten New Look präsentiert sich die Frau erneut in verführerischer Weiblichkeit. Yves Saint Laurent, der nach dem Tode von Dior dessen Modehaus als Directeur Artistique führt, eröffnet 1962 seine eigenen Haute Couture-Ateliers – fortan ist die junge Garde in Paris für das modische Geschehen verantwortlich. In der gleichen Epoche publiziert die internationale VOGUE zahlreiche Artikel über das Mini-Kleid von Mary Quant. Twiggy wird zum Vorbild der verjüngten englischen Mode und macht die Londoner Carnaby Street weltberühmt. Als Antwort lancieren die Blumenkinder ihren nostalgischen Hippie-Look in Form von langen, ethnisch inspirierten Kleidern. Nach diesem Rückfall ins „modische Mittelalter“ übernimmt André Courrèges 1968 das Kommando und schickt kurze, geometrisch konstruierte Kleidchen über den Laufsteg.

JACQUES FATH Sommer 1952, Mousseline-Kleid mit weißem Linon-Kragen
Kleid aus Mousseline mit weißem Linon-Kragen von JACQUES FATH, Sommer 1952 (Bild: Archiv)

Sein revolutionärer Stil wird auch vom internationalen Prêt-à-Porter übernommen und nach New York exportiert. In speziellen Boutiquen angeboten, erreicht diese „new french fashion“ imposante Verkaufszahlen. Während den siebziger Jahren ist die jugendlich beschwingte Eleganz durch lässige Freizeit-Kleider, bedruckte T-Shirts oder Blue Jeans ernstlich tangiert. Die Replik auf diesen (nach)lässigen Trend manifestiert sich in den neunziger Jahren in Form einer oft überbordenden Designermode. Es sind vor allem Stilisten wie Vivienne Westwood, Jean-Paul Gaultier mit erotischen Modellen für Madonna, Dolce & Gabbana dank einer hochgezüchteten Eleganz oder Martin Margiela mit dekonstruierten Formen, welche die Verantwortung für diese Entwicklung tragen.

JOHN GALLIANO Prêt-à-Porter Winter 2000/01
Robe aus rotem Leder von John Galliano aus der Prêt-à-Porter Kollektion für Winter 2000/01. (Bild: Dukas)

Pädoyer für das elegante Kleid

Das 21. Jahrhundert setzt für modische Entwicklungen neue Maßstäbe. Der moderne Designer setzt den Computer für gezielte Schnitt-Konstruktionen oder -Vergrößerungen ein, präsentiert die Kollektionen im Internet und steigert dank modernen Marketing-Strategien die Umsätze und den Bekanntheitsgrad. Diese gezielte Aktualisierung entspricht nicht nur den hohen Qualitätsansprüchen der Konsumentinnen, sondern betont auch ihren eleganten Auftritt. In diesem Sinn verkörpert das Kleid eine tragbare Synthese mit individueller Ausstrahlung – trotz praktischen Hosen und Röcken, funktioneller Jeans-Fashion oder komfortablen Sportmodellen. Das Schlusswort gehört der festlichen Cocktail- und Abendmode mit ihrer verführerischen Ausstrahlung. Nach den großartigen Kreationen von Christian Dior und Jacques Fath in den 50er- Jahren oder von Yves Saint Laurent als würdiger Nachfolger machen im beginnenden 21. Jahrhundert vor allem Jean-Paul Gaultier sowie John Galliano modische Schlagzeilen.

Kleider für verschiedene Gelegenheiten

Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts unterschied man bei Kleidern zwischen Putzkleid (Kleid für einen besonderen Anlass) und Tageskleid. Heute gibt es viele verschiedene Kleiderformen für unterschiedlichste Gelegenheiten. Welche Kleiderformen es gibt könnt ihr auf unserer Themenseite Kleiderformen nachlesen. Hier findet Ihr unter anderem  Beschreibungen und Schnittmuster zum Etuikleid, Hemdblusenkleid und Wickelkleid.

Abendkleid – Langes Kleid, dass sich durch besondere Stoffe, feminine Schnitte und Dekor von normalen Kleidern unterscheidet und abends zu festlichen Gelegenheiten getragen wird.

Cocktailkleid –  Elegantes Kleid, das am frühen Abend zu besonderen Anlässen getragen wird. Meist in Mini- oder Midi-Länge.

Hochzeitskleid – Das Brautkleid oder Hochzeitskleid wird von der Braut zur Hochzeit getragen und ist in der westlichen Welt traditionell weiß.

Tageskleid – Kleid für den Alltag. Kann in Freizeit und Beruf getragen werden und macht meist als Midi-Kleid eine gute Figur.

Freizeitkleid – Als Freizeit werden ausschließlich Kleider bezeichnet die man tagsüber in der Freizeit trägt. Dazu zählen Sportkleider, Strandkleider, leichte Sommerkleider, lässige Jerseykleider, usw.

Kleider nach den aktuellen Trends
Inspiration Runway: Kleider von Herrera, Erdem und Óscar de la Renta. (Bild: Catwalkpix.com)

Das sind die Kleider Must-Haves der Saison:

  • Kleider mit XL Statement-Ärmel
  • Statement-Kleider in Knallfarben oder Pailletten-Kleider mit einer extra Portion Glamour
  • Lederkleider und Kleider aus Denim gehören zu den Top-Trends für 2020
  • Kleider mit Knopfleiste z.B. Hemdblusenkleider in Midi- und Maxi-Länge
  • Schlauchkleider und Maxikleider aus Jersey oder Strick, gerne auch mit Rollkragen
  • Off-Shoulder-Kleider und Kleider mit sexy Cut-Outs
  • Romantische Kleider mit Spitze, Plissee, Blumenprints oder Volants. und Rüschen

 

Schnittmuster Cocktailkleider

Der Schnittmusterbogen enthält zwei Cocktailkleider in den Größen 36-46.

22,00 €
AGB

Schnittanleitungen und fertige Schnittmuster zum Nähen von Kleidern findet Ihr in unserem Onlineshop.

Produkt: Design und Schnitt
Design und Schnitt
Basierend auf dem Schweizer Schnittsystem widmet sich „Design und Schnitt“ in einem Schwerpunktbereich dem professionellen Modezeichnen.

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