Produkt: Atelier – Fachwissen aus der Praxis 1
Atelier – Fachwissen aus der Praxis 1
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Tipps für das Stoff Zuschneiden

Kleid im Diagonalschnitt von Fournie(Bild: © CATWALKPIX.COM)

Nach der Anfertigung des Schnittmusters und der Wahl des passenden Stoffes, sollen alle Teile des Schnittmusters auf den Stoff übertragen und anschließend ausgeschnitten werden. Damit es bei diesem Schritt keine bösen Überraschungen gibt und aus dem wertvollen Stoff auch ein gut sitzendes Kleidungsstück wird, erklären wir hier wie Ihr beim Stoff zuschneiden vorgeht und worauf unbedingt geachtet werden sollte.

Inhalt

Was braucht man zum Stoff zuschneiden?

  • Für das Zuschneiden der Schnittteile aus dem Stoff braucht man unbedingt eine scharfe Stoffschere. Stoffschere und Rollschneider sollten unbedingt scharf sein, da das genaue Zuschneiden der Schnittteile für die spätere Passform des Kleidungsstückes essentiell ist. Eine Stoffschere, die zum Schneiden des Schnittmusterpapiers benutzt wird, ist schnell stumpf und sorgt für Fehler beim Zuschnitt des Stoffes.
  • Für die Fixierung der Schnittteile aus Papier auf dem Stoff werden Hilfsmittel wie Stecknadeln, Stoffklammern und Stoffgewichte verwendet.
  • Zum Aufzeichnen des Schnittmusters auf dem Stoff benutz man eine einfache Schneiderkreide. In der Regel verwendet man weiße Kreide. Bei weißen Stoffen kann eine dunklere Kreide benutzt werden. Alternativ kannst Du auch einen Trickmarker oder Markierstift verwenden.

Welche Hilfsmittel Dir zum Nähen sonst noch zur Verfügung stehen kannst Du auf unserer Themenseite Nähzubehör nachlesen.

Wie findet man den Fadenlauf?

Bevor der Stoff für den Zuschnitt ausgerichtet wird sollte man den Stoff waschen. So verhindert man dass später das genähte Kleidungsstück einläuft oder sich verzieht.

Um die Schnittteile korrekt auf dem Stoff aufzulegen muss man den Fadenlauf des Stoffes beachten. Bei unserer Kleidung verläuft der Fadenlauf meist senkrecht von Kopf bis Fuß. Es gibt allerdings auch die Möglichkeit einen Stoff quer zum Fadenlauf oder sogar diagonal zum Fadenlauf zuzuschneiden. Hierzu später mehr. Wichtig ist also den Fadenlauf deines Stoffes zu lokalisieren. Für das Finden des Fadenlaufs gibt es einige einfache Möglichkeiten:

  • Der Fadenlauf verläuft immer parallel zu der Webkante. Die meisten Stoffe haben rechts und links an der Stoffbahn eine Webkante. Du erkennst sie daran, dass der Stoff an der Kante oft nicht bedruckt ist, kleine Löcher von der Webmaschine hat oder etwas ausfranst.
  • In Richtung des Fadenlaufs sind Stoffe meist fester und weniger oder nicht dehnbar. So kannst Du den Fadenlauf auch mithilfe einer Dehnungsprobe finden.
  • Ist die Webkante nicht mehr zu erkennen und die Dehnungsprobe ist unklar verlaufen, kann man um den Fadenlauf zu finden, einen einzelnen Faden aus dem Gewebe ziehen. Ob der Faden den Ihr herausgezogen habt nun ein Schussfaden (im Gewebe quer verlaufende Fäden) oder ein Kettfaden (Fäden, die bei der Herstellung des Gewebes in einem Webstuhl in Längsrichtung aufgespannt werden) war, könnt ihr in einer Reißprobe herausfinden. Ein Gewebe ist immer in der Richtung der Schußfäden reißbar. Der Fadenlauf liegt parallel zu den Kettfäden.
  • Ein weiterer Anhaltspunkt für den Fadenlauf kann das Muster eines Stoffes sein. Wenn das Stoffmuster in eine Richtung gedruckt ist, kann man davon ausgehen das der Fadenlauf in der gleichen Richtung wie das Muster verläuft.
  • Bei Samt, Cord und Microfaser (Fleece), kann man den Fadenlauf auch an der Strichrichtung erkennen. Wenn man gegen den Strich streicht, stellen sich die Härchen (Flor) auf und in diese Richtung verläuft auch der Fadenlauf.
  • Bei elastischen Stoffen, wie Feinripp oder Jersey, ist es besonders wichtig die Dehnungsrichtung bzw. den Fadenlauf zu beachten. Maschenware ist im Gegensatz zu Webware in beide Richtungen dehnbarer. Darum ist die Dehnungsprobe hier eine andere. Der Fadenlauf ist bei Maschenware optisch leicht zu erkennen. Wenn man den Stoff ein wenig auseinanderzieht, werden „Streifen“ sichtbar. Diese Streifen zeigen die Richtung des Fadenlaufs an.

Nun habt Ihr den Fadenlauf Eures Stoffes lokalisiert und könnt die Schnittteile aus Papier nach dem Fadenlaufpfeil auf dem Schnittmuster ausrichten. Achtung: beim Anfertigen von Schnittmusterschablonen niemals vergessen den Fadenlauf zu markieren!

Auflegen und Fixieren des Schnittmusters

Die Schnittmusterteile werden nun alle so platzsparend wie möglich und am Fadenlauf ausgerichtet auf den Stoff gelegt. Sie werden mit ein paar Nadeln und Gewichten fixiert, um ein Verrutschen zu vermeiden. Bevor die Teile nun mit Schneiderkreise angezeichnet und zugeschnitten werden können muss man Nahtzugaben mit einem kleinen Handmaß markieren. Wie und wo man Nahtzugaben korrekt ansetzt könnt Ihr in unserem Fachbuch Vom Modellschnitt zur produktionsreifen Schablone nachlesen. Es gibt allerdings auch fertige Schnittmuster bei den die Nahtzugabe bereits enthalten ist.

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Stoff richtig zuschneiden

Es gibt verschiedene Möglichkeiten den Stoff zuzuschneiden:

  • Oft sind auf einem Schnittmuster, z.B. für ein Oberteil, nur das halbe Vorder- und Rückteil bis zur vorderen und hinteren Mitte abgebildet. Hier wird das Schnittmuster dann an die Faltkante (Bruch) des doppelt gelegten Stoffes angelegt und zugeschnitten. Um im Bruch zuzuschneiden muss der Stoff in der Mitte, parallel zum Fadenlauf und rechts auf rechts gefaltet und das Schnittteil genau an die Bruchkante angelegt werden.
  • Es gibt auch die Möglichkeit einzelne Schnittteile gegengleich zuzuschneiden (gespiegelt). Der Stoff wird auch hierbei wieder rechts auf rechts zusammen gefaltet. Man schneidet so zwei Teile in einem Arbeitsschritt aus. Das macht man mit Schnittteilen von denen man zwei braucht, wie z.B. dem Ärmel oder einem Hosenbein.
  • Wenn ein Schnittteil nur einmal benötigt wir kann es auch auf einen ungefalteten Stoff (rechts Stoffseite liegt oben) gelegt und zugeschnitten werden.
  • Bei allen Varianten des Zuschnittes sollte unbedingt darauf geachtet werden Abnäher-Enden, Falten, Taschenpositionen und Einsatzzeichen zu markieren.

Auf den Stoff gelegte Schnittmuster

Achtung:  Die meisten Stoffe haben einen Strich, das bedeutet, die Fasern sind durch Webverfahren und eine bestimmte Ausrüstung in eine Richtung gekämmt. Werden hier einzelne Schnittteile in unterschiedliche Richtung und gegen den Strich zugeschnitten, können Farbunterschiede, verschiedener Glanz (teilweise erst unter bestimmten Lichtverhältnissen sichtbar) und im Extremfall sogar ein unterschiedlicher Griff auftreten. Darum sollte beim Auflegen der Teile darauf geachtet werden dass alle Teile in die selbe Richtung, mit dem Strich gelegt werden. Trotzdem gibt es Materialien, die ein gestürztes Auflegen einiger Teile zulassen, dies ist oft mit einer deutlichen Reduzierung des Stoffverbrauches verbunden, selbst die Bekleidungsindustrie, wo es um jeden Cent geht, differenziert hier oftmals sensibel mit einem hohen Aufwand vorausgehender Stoff-Tests. Gestürzt werden können Unterärmel, Hinterhose oder Belege.

Weitere Grundlagen des Zuschnittes, weiterführende Hinweise die vor dem Zuschnitt berücksichtigt werden müssen und wie man Schnittteile material- und kostensparend auflegen kann, findet Ihr in dem Fachbuch Wirtschaftliche Stoffeinteilung.

Wie erkenne ich welches die linke Stoffseite ist?

Die rechte Stoffseite ist die “schönere” Seite. Hier ist der Flor oder ein Muster zu sehen. Sie ist später die Außenseite des Kleidungsstückes. Die linke Stoffseite ist immer die Innenseite des späteren Kleidungsstückes. Sie ist bei bedruckten Stoffen oft weiß und hat manchmal auch eine rauere Oberfläche.

Zuschneiden im Diagonalschnitt

Der Schräg- oder Diagonalschnitt ist eine Zuschneidetechnik bei der, Stoff im 45°-Winkel zum Fadenlauf zugeschnitten wird. Stoffe sind in der Diagonalen elastischer, daher ist das fertige Kleid im Schrägschnitt anschmiegsamer und der Stoff hat einen weicheren Fall als beim normalen Zuschnitt, bei dem der Stoff parallel zur Webkante zugeschnitten wird. Die Pariser Modeschöpferin, Madeleine Vionnet, gilt als Erfinderin des Diagonalschnitts.

Kleider im Diagonalschnitt von Vionnet aus der Kollektion Frühjahr Sommer 2017
Kleider im Diagonalschnitt von Vionnet aus der Kollektion Frühjahr Sommer 2017 (Bild: © CATWALKPIX.COM)

Was beim Zuschnitt und Nähen zu beachten ist:

  • Um einen sicheren Anhaltspunkt für den Fadenlauf zu erhalten, empfiehlt es sich, als erstes einen einzelnen Faden aus dem Gewebe zu ziehen.
  • Mit dieser Linie als Orientierung kann man dann mit Reihgarn Quadrate von 10 Zentimeter Seitenlänge markieren, dies erleichtert die Ausrichtung der Schnittteile enorm und man sieht sofort, wenn sich der Stoff aus der Diagonalen bewegt hat. Fehler, die beim Zuschneiden entstehen, weil der Fadenlauf nicht exakt diagonal ist, lassen sich später auch mit viel schneiderischem Knowhow kaum noch korrigieren. Zipfelnde Säume, wandernde Nähte, in sich verdrehte Teile können die unschöne Folge sein.
  • Die Schnittteile werden unbedingt komplett aufgelegt und es wird einlagig zugeschnitten. Um das Verdrehen des fertigen Kleidungsstücks um den Körper zu unterbinden, sollte der diagonale Fadenlauf bei Front- und Rückenteil entgegengesetzt verlaufen.
  • Damit der Stoff beim Zuschnitt möglichst ruhig bleibt, kann man ein Samt- oder Wolltuch unterlegen.
  • Beim Diagonalschnitt hat das Gewebe durch seine Lage eine gewisse Elastizität, das heißt, es kann sich ausdehnen. Wenn die Nähte dies nicht mitmachen, kann es zu Problemen kommen.
  • Statt herkömmlicher Nähte empfiehlt sich deshalb beim Diagonalschnitt ein sehr kleiner Zickzack-Stich.
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Schnittanleitungen und fertige Schnittmuster zum Nähen findet Ihr in unserem Onlineshop

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