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Nähen lernen

Vermeiden von Ziehern beim Nähen

 

Das Foto zeigt Garn, Nadel, Nähfuß.

Durch den Trend zu dünnen und glatten Stoffen gewinnt die Problematik der Fadenzieher wieder vermehrt an Bedeutung. Diese Ausstrahlungen im Bereich des Einstiches der Nadel sind optisch je nach Farbe unterschiedlich stark sichtbar. Bisweilen erkennt man die Fehler im Stoff nur unter gewissen Lichtverhältnissen. Diese Zieher können bis zu 1 cm in das Gewebe hineinlaufen, besonders dann, wenn es sich um „flottierende“ Bindungen wie Atlas und Ähnliches handelt. Tipps und Tricks wie feine Stoffe richtig genäht werden und worauf man achten sollte damit die unschönen Zieher beim Nähen nicht in den Stoff gezogen werden, erfahrt ihr im folgenden Beitrag.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Fachbuch Atelier – Fachwissen aus der Praxis Teil 1.

Wie entstehen beim Nähen diese Zieher im Stoff?

Wenn beim Nähen die Nähmaschinennadel auf einen Gewebefaden trifft, wird dieser aus dem Gewebeverbund nach unten gedrückt, der Gewebefaden wird aus seiner ursprünglichen Lage verschoben. Dieses Verschieben führt dann zu einer sichtbaren Veränderung im Stoff.

 

Zu sehen sind eine Nadel mit einer stark beschädigten Spitze, die durch Ablenken auf dem Greifer aufgeschlagen war. Ebenso bei einem Zieher im Bereich der Schnittkante wird der getroffene Gewebefaden aus dem Gewebeverbund herausgeschlagen und dadurch verkürzt. 3 Das Durchstechen der Nadel (Blindstichnaht) bei einem sehr dünnen Gewebe. Da Kett- und Schussfäden farblich unterschiedlich sind, entsteht eine deutliche Veränderung. 4 Zieher bei einem Changeant-Gewebe.
1. Nähmaschinennadel mit einer stark beschädigten Spitze, die durch Ablenken auf dem Greifer aufgeschlagen war. 2. Bei einem Zieher im Bereich der Schnittkante(nach dem Zuschneiden des Schnittmusters) wird der getroffene Gewebefaden aus dem Gewebeverbund herausgeschlagen und dadurch verkürzt. 3. Das Durchstechen der Nadel (Blindstichnaht) bei einem sehr dünnen Stoff. Da Kett- und Schussfäden farblich unterschiedlich sind, entsteht eine deutliche Veränderung. 4 Zieher bei einem Changeant-Gewebe.

 

Wie können Zieher im Stoff beim Nähen vermieden werden?

Entscheidend ist die Stärke, die Nadeldicke und die Spitzenform der Nähmaschinennadel. Je feiner die Nadel, umso geringer ist die Gefahr, dass der Faden im Gewebe getroffen wird. Welches ist also die richtige Nadel für ein sauberes Nähergebnis in empfindlichen Stoffen?  Ideal sind Nadeln der Stärke NM 65 bis NM70. Gerade bei dickeren Nadeln steigt die Gefahr der Zieher. Wichtig ist aber nicht nur eine feine Nadel, auch die richtige Spitzenform ist wichtig beim Nähen. Je runder, kugelförmiger die Spitze, umso mehr können Zieher entstehen. Als ideal gilt die Spitzenform SPI, die eine sehr lange Spitze besitzt ohne zu schneiden. Selbstverständlich muss die Nadel frei von Beschädigungen sein. Diese sind mit dem Auge im allgemeinen nicht sichtbar, können aber verheerende Auswirkungen haben. Spezialisten können Beschädigungen der Nadelspitze mit Hilfe des Fingernagels „erspüren“.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, mit der Nadel ohne Nähfaden über einen Perlonstrumpf zu nähen, der fein sein sollte (dtex 15 bis 20). Nach dem Nähen muss dann der Strumpf gedehnt werden, bei einer schadhaften Nadelspitze zeigen sich dann Laufmaschen.

Zieher beim Blindstich

Bei Saumnähten mit Hilfe des Blindstiches können Zieher zusammen mit angestochenen Gewebefäden entstehen. Auch die Verwendung einer feinen Nadel bringt nicht immer die gewünschte Verbesserung. Es ist besonders dann der Fall, wenn das Gewebe sehr dünn ist, d.h. die Nadel zu stark in bzw. durch das Gewebe sticht und Kette und Schuss farblich unterschiedlich sind. Hier ist eine Vorprüfung unbedingt erforderlich, um zu klären, inwieweit das Gewebe für Blindstich- Arbeiten geeignet ist.

Eine feine Nadel erfordert auch einen entsprechend feinen Nähfaden. Ist der Nähfaden zu dick, liegt er nicht in der langen Rille der Nadel eingebettet, er trägt auf und erzeugt dadurch den Effekt einer deutlich dickeren Nadel. Für die Nadeldicken NM 65 und NM 70 bieten sich feine Umspinnzwirne aus 100% Polyester wie Gütermann A192 – No. 150 an. Für die Blindstich-Arbeiten wird besonders wegen der Gefahr des Durchstechens ein möglichst feiner Faden gewünscht, der optisch nicht in Erscheinung tritt.

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Der Einfluss des Nähfadens

Die Wahl eines monofilen Nähfadens, welcher auch unter Namen wie Transparentgarn geführt wird, führt meist noch zu stärkeren Ziehern, weil dieser Faden sehr elastisch ist. Abgesehen davon sind diese monofilen Nähfäden hart, die Fadenenden stechen und sollten demzufolge bei einem hochwertigen Kleidungsstück nicht eingesetzt werden. Ideal sind besonders feine, weiche, endlose Polyester Nähfäden wie Gütermann U 81 – No. 360. Diese hohe Feinheit macht den Faden in der Naht fast unsichtbar, er lässt sich mit sehr geringer Fadenspannung vernähen und verhindert dadurch, dass die Gewebefäden zusätzlich verschoben werden. Nicht unerwähnt bleiben sollten die Richtige Fadenspannung. Über die Vorteile einer geringen Fadenspannung wurde schon des Öfteren geschrieben. Die beiden Artikel Gütermann A192 – No. 150 und Gütermann U81 – No. 360 können mit sehr geringen Fadenspannungen vernäht werden. Um diesen Vorteil auszunutzen, sollten die Fadenspannungen soweit reduziert werden, bis der Stich unruhig wird, d.h. die Stichverschlingung erscheint auf der Unterseite als kleines Knötchen. In diesem Fall die Oberflächenspannung minimal anheben.

Bei den Blindstichnähten sollte der Stich lose liegen, keineswegs verzogen – dies ist ein Indiz für eine zu hohe Fadenspannung und damit verstärkte Neigung zu Ziehern. Besonders bei Geweben aus Viskose ist eine gewisse Empfindlichkeit an der Oberfläche gegeben. Neigt ein Gewebe verstärkt zu Ziehern, so besteht auch der Verdacht, dass das Gewebe zum Aufrauen der Oberfläche neigt, wenn die Transporteurverzahnung der Nähmaschine beschädigt ist. Generell sollten in diesem Fall feinverzahnte Transporteure gewählt werden. Bei beschädigten Zähnen liegt sowohl beim Zusammennähen (Schließen der Naht) als auch bei Ziernähten der Transporteur nicht auf der rechten Gewebeseite, so dass man meint, dies würde keine Auswirkungen haben.

Beschädigungen auf der linken Warenseite in Form von verschobenen Gewebefäden machen sich aber auch auf der rechten Warenseite bemerkbar und erzeugen so ein ähnliches Aussehen wie Zieher. Das Nähen von glatten Stoffen birgt immer die Problematik der Zieher, aber auch durch Beschädigungen durch die Transporteurverzahnung wird dieser Nähfehler herforgerufen. Sorgfältiges Verarbeiten ist hier Grundvoraussetzung zur Vermeidung dieser Fehler. Es muss aber leider auch festgestellt werden, dass einige Gewebe für ein schadenfreies Konfektionieren nicht geeignet sind. Tipp: Nur ein Vorversuch zeigt, ob die Problematik zu beherrschen ist oder nicht.

Weitere interessante Tipps und Tricks zum Nähen lernen und dem Umgang mit Nähmaschine, Nadel und Faden findet Ihr in den Artikeln > Welche Nadel ist die Richtige? und > Welches Garn ist das Richtige?

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