Produkt: TAILORMADE Lehr-DVD
TAILORMADE Lehr-DVD
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Vermeiden von Ziehern

Durch den Trend zu dünnen und glatten Geweben gewinnt die Problematik der Zieher wieder vermehrt an Bedeutung. Diese Ausstrahlungen im Bereich des Einstiches der Nadel sind optisch je nach Farbe unterschiedlich stark sichtbar.

Das Foto zeigt Garn, Nadel, Nähfuß.

Bisweilen erkennt man sie nur unter gewissen Lichtverhältnissen. Diese Zieher können bis zu 1 cm in das Gewebe hineinlaufen, besonders dann, wenn es sich um „flottierende“ Bindungen wie Atlas und Ähnliches handelt.

Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Fachbuch Atelier – Fachwissen aus der Praxis Teil 1“.

 

Wie entstehen diese Zieher?

Wenn beim Nähen die Nadel auf einen Gewebefaden trifft, wird dieser aus dem Gewebeverbund nach unten gedrückt, der Gewebefaden wird aus seiner ursprünglichen Lage verschoben. Dieses Verschieben führt dann zu einer sichtbaren Veränderung.

 

Zu sehen sind eine Nadel mit einer stark beschädigten Spitze, die durch Ablenken auf dem Greifer aufgeschlagen war. Ebenso bei einem Zieher im Bereich der Schnittkante wird der getroffene Gewebefaden aus dem Gewebeverbund herausgeschlagen und dadurch verkürzt. 3 Das Durchstechen der Nadel (Blindstichnaht) bei einem sehr dünnen Gewebe. Da Kett- und Schussfäden farblich unterschiedlich sind, entsteht eine deutliche Veränderung. 4 Zieher bei einem Changeant-Gewebe.

 

Wie können Zieher vermieden werden?

Entscheidend ist die Nadeldicke und die Spitzenform. Je feiner die Nadel, umso weniger besteht die Gefahr, dass der Gewebefaden getroffen wird. Ideal sind Nadeln der Dicke NM 65 bis NM70. Bei dickeren Nadeln steigt die Gefahr der Zieher. Wichtig ist aber nicht nur eine feine Nadel, sondern auch die richtige Spitzenform. Je kugelförmiger die Spitze, umso mehr können Zieher entstehen. Als ideal gilt die Spitzenform SPI, die eine sehr lange Spitze besitzt ohne zu schneiden. Selbstverständlich muss die Nadel frei von Beschädigungen sein. Diese sind mit dem Auge im allgemeinen nicht sichtbar, können aber verheerende Auswirkungen haben. Spezialisten können Beschädigungen der Nadelspitze mit Hilfe des Fingernagels „erspüren“. Eine weitere Möglichkeit
besteht darin, mit der Nadel ohne Nähfaden über einen Perlonstrumpf zu nähen, der fein sein sollte (dtex 15 bis 20). Nach dem Nähen muss dann der Strumpf gedehnt werden, bei einer schadhaften Nadelspitze zeigen sich dann Laufmaschen.

Bei Saumnähten mit Hilfe des Blindstiches können Zieher zusammen mit angestochenen Gewebefäden entstehen. Auch die Verwendung einer feinen Nadel bringt nicht immer die gewünschte Verbesserung. Es ist besonders dann der Fall, wenn das Gewebe sehr dünn ist, d.h. die Nadel zu stark in bzw. durch das Gewebe sticht und Kette und Schuss farblich unterschiedlich sind. Hier ist eine Vorprüfung unbedingt erforderlich, um zu klären, inwieweit das Gewebe für Blindstich- Arbeiten geeignet ist. Eine feine Nadel erfordert auch einen entsprechend feinen Nähfaden. Ist der Nähfaden zu dick, liegt er nicht in der langen Rille der Nadel eingebettet, er trägt auf und erzeugt dadurch den Effekt einer deutlich dickeren Nadel. Für die Nadeldicken NM 65 und NM 70 bieten sich feine Umspinnzwirne aus 100% Polyester wie GütermannA192 – No. 150 an. Für die Blindstich-Arbeiten wird besonders wegen der Gefahr des Durchstechens ein möglichst feiner Faden gewünscht, der optisch nicht in Erscheinung tritt.

 

Atelier – Fachwissen Herren

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Die Wahl eines monofilen Nähfadens, welcher auch unter Namen wie Transparentgarn geführt wird, führt meist noch zu stärkeren Ziehern, weil dieser Faden sehr elastisch ist. Abgesehen davon sind diese monofilen Nähfäden hart, die Fadenenden stechen und sollten demzufolge bei einem hochwertigen Kleidungsstück nicht eingesetzt werden. Ideal sind besonders feine, weiche, endlose Polyester Nähfäden wie Gütermann U 81 – No. 360. Diese hohe Feinheit macht den Faden in der Naht fast unsichtbar, er lässt sich mit sehr geringer Fadenspannung vernähen und verhindert dadurch, dass die Gewebefäden zusätzlich verschoben werden. Nicht unerwähnt bleiben sollten die Fadenspannungen. Über die Vorteile einer geringen Fadenspannung wurde schon des Öfteren geschrieben. Die beiden Artikel GütermannA192 – No. 150 und GütermannU81 – No. 360 können mit sehr geringen Fadenspannungen vernäht werden. Um diesen Vorteil auszunutzen, sollten die Fadenspannungen soweit reduziert werden, bis der Stich unruhig wird, d.h. die Stichverschlingung erscheint auf der Unterseite als kleines Knötchen. In diesem Fall die Oberflächenspannung minimal anheben.

Bei den Blindstichnähten sollte der Stich lose liegen, keineswegs verzogen – dies ist ein Indiz für eine zu hohe Fadenspannung und damit verstärkte Neigung zu Ziehern. Besonders bei Geweben aus Viskose ist eine gewisse Empfindlichkeit an der Oberfläche gegeben. Neigt ein Gewebe verstärkt zu Ziehern, so besteht auch der Verdacht, dass das Gewebe zum Aufrauen der Oberfläche neigt, wenn die Transporteurverzahnung der Nähmaschine beschädigt ist. Generell sollten in diesem Fall feinverzahnte Transporteure gewählt werden. Bei beschädigten Zähnen liegt sowohl beim Schließen der Naht als auch bei Ziernähten der Transporteur nicht auf der rechten Gewebeseite, so dass man meint, dies würde keine Auswirkungen haben.

Beschädigungen auf der linken Warenseite in Form von verschobenen Gewebefäden machen sich aber auch auf der rechten Warenseite bemerkbar und erzeugen so ein ähnliches Aussehen wie Zieher. Die derzeitige Mode der glatten Stoffe hat die Problematik der Zieher, aber auch der Beschädigungen durch die Transporteurverzahnung in den Vordergrund gerückt. Sorgfältiges Verarbeiten ist hier Grundvoraussetzung zur Vermeidung dieser Fehler. Es muss aber leider auch festgestellt werden, dass einige Gewebe für ein schadenfreies Konfektionieren nicht geeignet sind. Nur ein Vorversuch zeigt, ob die Problematik zu beherrschen ist oder nicht.

Produkt: Rundschau für Internationale Herrenmode 5-6.2018
Rundschau für Internationale Herrenmode 5-6.2018
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