Produkt: Taillenmaßband 1,5 m
Taillenmaßband 1,5 m
Taillenmaßband 1,5 m

Maßnehmen für Kleider

Beim Maßnehmen erhalten wir die genauen Körpermaße der Kundin, die oftmals nicht als proportional zu bezeichnen sind. Unter Proportion versteht man das Verhältnis der einzelnen Maße so zueinander, wie es zum Beispiel in einer Größentabelle der Fall ist. Es kommt in der Praxis nicht selten vor, dass das eine oder andere Körpermaß in keinem günstigen Verhältnis zu den anderen maßen steht. So kann zum Beispiel die Rückenlänge im Vergleich zur Körperhöhe sehr kurz oder lang, oder die Rückenbreite im Verhältnis zum Brustumfang sehr groß oder klein sein. Ist die gemessene Vorderlänge II zum Beispiel viel länger als die berechnete, entspricht die Figur ebenso nicht mehr den normalen Proportionen. Es ist deshalb sehr wichtig, die gemessenen mit den berechneten Maßen zu vergleichen und zwar gleich beim Maßnehmen, damit man feststellen kann, wie stark die Figur von den normalen Proportionen abweicht.

Ergeben sich große Abweichungen sollte das eine oder andere Maß nochmals genau überprüft werden. Ein genaues Beobachten der Figur beim Maßnehmen ist ebenso unerlässlich. Es genügt nicht, nur die Maße mit dem Maßband korrekt zu messen, man muss auch seine Augen schulen und manches, was nicht mit dem Maßband festgestellt werden kann, mit dem Augenmaß abschätzen. Dabei kann es sich um eine hohe oder um eine einseitige Hängeschulter handeln, um eine aufrechte oder geneigte Haltung, starke Schulterblätter, einen runden Rücken, ein starkes oder flaches Gesäß, eine starke Brust und so weiter. Je mehr Notizen man sich auf den Maßzettel schreibt und diese später bei der Schnittaufstellung auch berücksichtigt, um so besser wird der Schnitt.

 

Vor dem Maßnehmen ist außerdem zu beachten

Alle Maße müssen glatt, dürfen also nicht zu stramm und nicht zu locker gemessen werden. Man sollte die Kundin ganz allgemein schon vorher auf einiges aufmerksam machen, was das Maßnehmen genauer und den Schnitt dadurch passformsicherer werden lässt: Sie sollte bei der Maßabnahme am besten ein Unterkleid, ein leichtes Kleid oder eine leichte Bluse tragen, wobei letztere nicht zu weit und möglichst ohne Schulterpolster sein sollte. Auf keinen Fall darf ein dicker Pullover getragen werden. Außerdem wäre es vorteilhaft über die Unterwäsche Maß zu nehmen, die sie auch bei den Anproben und später unter dem fertigen Modell trägt. Die Kundin sollte auch nicht vor einen Spiegel gestellt werden, weil sie dort eine Wunsch- und keine natürliche Haltung einnimmt.

 

 

 

Das Maßnehmen

 

Die Körperhöhe

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Körperhöhe.
Messung der Körperhöhe

Die Körperhöhe ist das reine Körpermaß vom Scheitel bis zur Sohle (ohne Schuhe), es gibt mehrere Möglichkeiten dieses Maß zu erhalten. Wir verwenden einen Messstreifen aus Karton mit einer genauen Maßeinteilung, der in einer bestimmten Höhe an der Wand zu befestigen ist. Die Kundin stellt sich ohne Schuhe mit dem Rücken an den Messstreifen, mit Hilfe eines kleinen Winkels, der mit einer Seite an der Wand anliegen muss, kann nun die Körperhöhe ermittelt werden, wobei eine hochstehende Frisur etwas niederzudrücken ist.

 

 

 

Der Brustumfang

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen des Brustumfangs.
Der Brustumfang wird von vorne nach hinten gemessen.

Beim Messen des Brustumfangs treten wir hinter die Kundin und nehmen das Maßband etwa bei der Maßzahl 45 oder 50 in die rechte (oder linke) Hand, um ein Hin- und Herziehen am Körper zu vermeiden. Dann werden beide Hände unten den Armen der Kundin nach vorne geführt und das Maßband beiderseits auf die stärkste Stelle der Brust gelegt. Von hier wird das Maßband mit beiden Händen gleichzeitig am Körper entlang, dicht unter der Achselhöhlung, nach hinten geführt und geschlossen. Dabei soll das Maßband am Rücken ganz leicht nach oben gehen, damit der untere Teil der Schulterblätter mitgemessen wird.

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen des Brustumfangs.
Das Maß des Brustumfangs liest man an der hinteren Mitte ab.

Während man das Maßband am Rücken glatt mit Zeigefinger und Daumen zusammenhält, soll man nochmals einen Blick nach vorne werfen und sich vergewissern, ob das Band dort noch korrekt beiderseits auf der höchsten Stelle der Brust liegt. Ein exaktes Messen des Brustumfanges ist sehr wichtig, da einige Hilfsmaße aus dem Brustumfang ermittelt werden.

 

 

 

Der Taillenumfang

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Taillenumfang.
Messen des Taillenumfangs mit Hilfe eines Taillenbandes.

Der Taillenumfang ist im Gegensatz zum Brustumfang von vorne zu messen, indem man das Maßband etwa bei der Zahl 30 bis 40 in die rechte (oder linke) Hand nimmt. Mit beiden Händen ist das Maßband der Kundin ganz glatt in die stärkste Taillenhöhlung zu legen und vorne zu schließen. Vor dem Ablesen des Maßes soll man sich davon überzeugen, dass das Maßband möglichst waagerecht liegt. Trägt die Kundin beim Maßnehmen einen Rock oder eine Hose, so muss zuerst der Bund geöffnet und das Kleidungsstück etwas nach unten geschoben werden, damit der Bund beim Messen nicht stört.

 

 

 

Der Hüftumfang

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Hüftmfang.
Messung des Hüftumfangs.

Beim Messen dieses Maßes stellt man sich etwas seitlich neben die Kundin und nimmt hier das Maßband immer etwa bei der Hälfte des geschätzten Umfangs in die rechte (oder linke) Hand. Es wird nun glatt waagerecht über die stärkste Stelle des Gesäßes gelegt und vorne mit Daumen und Zeigefinger so gehalten, wie die Abbildungen zeigen.

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Hüftumfang.
Das Maß des Hüftumfanges ist vorne abzulesen.

Nun sollte man sich aber unbedingt mit einem Blick nach rückwärts davon überzeugen, ob das Maßband tatsächlich noch waagerecht an der stärksten Stelle liegt. Je nach Wuchsart kann diese Stärkste Stelle unterschiedlich hoch liegen, was später beim Messen der Längenmaße noch genau festgestellt wird. Bei dieser Messung wäre es auch ein Vorteil, gleich sein Augenmerk auf die Körperform in diesem Bereich zu richten und sich am Maßzettel Notizen zu machen wie zum Beispiel: stark hervortretendes oder flaches Gesäß, oder links einseitig starke Hüften und so weiter.

 

 

 

Die Ärmellänge

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Ärmellänge
Die Ärmellänge wird von der Armkugel aus gemessen.

Für die Schnittkonstruktion eines Ärmels wird die sogenannte Kugel-Ärmellänge benötigt. Wir bitten die Kundin den herabhängenden Arm leicht abzuwinkeln und halten das Maßband mit einer Hand an der höchsten Stelle der Armkugel (Armlochnaht) fest. Dann wird es mit der anderen Hand über die äußere Kante des leicht abgewinkelten Ellenbogens weiter bis zur äußeren Handwurzel geführt, wo das Maß abgelesen werden soll. Dieses Maß stellt die größte Länge am Arm und später am Ärmel dar und kann am Schnitt oder am fertigen Stück am leichtesten nachgemessen werden. Rechnet man zu diesem Kugel-Ärmellängenmaß gleich die Schulterbreite dazu, so entsteht das Kontrollmaß für die Kimonoärmellänge, die am Schnitt vom Halsloch aus entlang der Oberarmnaht nachzumessen ist. Mit den bisher gezeigten Maßen sind die Hauptmaße gemessen und mit ihnen können sämtliche Hilfsmaße errechnet werden, die man zu Herstellung eines Schnittmusters braucht. Wir wollen hier aber zeigen, wie man diese Hilfsmaße messen kann, was – wenn man genau misst – besonders bei Kundinnen günstig ist, die in irgendeiner Form von den Normalfiguren abweichen.

 

 

 

Vorbereitungen zum Messen der Hilfsmaße

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Taillenumfang.
Das Taillenband wird ganz glatt angelegt und zugehakt.

Zuerst ist die Taillenlinie ihrer waagerechten Lage genau festzulegen. Dies geschieht mit Hilfe eines sogenannten Taillenbandes, das mit Haken und Ösen versehen ist und um die Taille gelegt und zugehakt werden kann. Wenn man nach dem Schließen einen Schritt zurücktritt und die Figur von der Seite betrachtet, kann genau festgestellt werden, ob das Taillenband waagerecht liegt. Außerdem soll kontrolliert werden, ob es genau in der Taille, das heißt oberhalb des Hüftknochens in der stärksten Taillenhöhlung sitzt. Die richtige Lage dieses Taillenbandes ist für die Passform eines Kleidungsstückes von ausschlaggebender Bedeutung, weil sich die Rücken- und die Vorderlänge, die als Balancemaße eine große Rolle spielen, nur mit Hilfe eines Taillenbandes genau messen lassen. Liegt das Taillenband figurbedingt nicht waagerecht in der Taille, so muss dies bei der Schnittaufstellung beachtet werden. Das Kapitel “Schwierige Figuren” in dem Buch “DOB Schnittkonstruktion Kleider & Blusen” enthält darüber Informationen in Bild und Text.

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Hilfsmaße.
Ein Papierstreifen wird waagerecht unter den Arm geschoben.

Als nächste Vorbereitung für die spätere Bestimmung der Armlochtiefe nehmen wir einen Streifen aus Karton oder einen mehrmals gefalteten Papierstreifen, der etwa 5 cm breit und circa 35 cm lang sein soll. Diesen Papierstreifen müssen wir der Kundin so unter die Achselhöhlung schieben, dass ein kurzes Stück vor und ein langes Stück hinter dem herabhängenden Arm sichtbar wird. Das lange Stück soll später bis kurz über die Wirbelsäule reichen. Beim Einlegen dieses Papierstreifens muss verschiedenes beachtet werden: Sollte die Kundin ein Kleidungsstück mit einem zu tiefen Armloch tragen, muss sie es entweder ausziehen oder wir ziehen den Ärmel so weit nach oben, dass der Streifen genau in die Armhöhlung gelegt werden kann. Außerdem soll die Kundin ihre normale Haltung nicht verändern, das heißt sie darf den Streifen nicht krampfhaft festhalten und dabei die Schulter hochziehen. Die korrekte und selbstverständlich waagerechte Lage des Streifens zeigt die Abbildung.

 

 

 

Die Rückenhöhe

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Rückenhöhe.
Zum Ablesen der Rückenhöhe ist der Papierstreifen waagerecht zur hinteren Mitte zu legen.

Das Maß der Rückenhöhe legt die Tiefe des Armloches fest und ist deshalb ein wichtiges Maß, bei dem es beim Messen mehrere Fehlerquellen geben kann. Die Vorbereitung zum Messen war das in vorheriger Abbildung gezeigte waagerechte Einlegen des Papierstreifens unter dem Arm. Als Anlagepunkt für das Maßband müssen wir den etwas hervortretenden siebenten Halswirbelknochen suchen, indem wir hinter die Kundin treten und genau in der Halsmitte den betreffenden Wirbelknochen feststellen. Durch Vorneigen des Kopfes tritt dieser Wirbel meistens etwas stärker heraus. Beim Messen aber unbedingt wieder eine gerade Kopfhaltung einnehmen lassen. Bei diesem Halswirbelknochen legen wir den Anfang des Maßbandes an, halten es mit der linken Hand fest und lassen es entlang der Wirbelsäule am Körper herabhängen. Mit der rechten Hand fassen wir den Papierstreifen und legen ihn genau waagerecht über das herabhängende Maßband. Dann wird die Maßzahl an der oberen Kante des Papierstreifens abgelesen, wie es der Pfeil in der Abbildung zeigt. Da wir wissen, dass es nicht leicht ist, dieses Maß so korrekt zu messen, wie es die Wichtigkeit der richtigen Armlochtiefe verlangt, wollen wir nochmals darauf hinweisen, dass dieses Maß auf jeden Fall auch proportional berechnet und mit dem gemessenen Maß verglichen werden soll, wobei man sich mehr auf die Berechnung als auf die Messung verlassen sollte.

 

 

 

Die Rückenlänge

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Rückenlänge.
Das Messen der Rückenlänge

Nachdem die Rückenhöhe an der oberen Papierkante abgelesen ist, soll das Maßband auch weiterhin mit der linken Hand am Halswirbelknochen festgehalten werden, so dass es in der Rückenmitte herabhängt. Mit der anderen Hand drücken wir es in der Taille an das waagerecht liegende Taillenband und lesen das Maß der Rückenlänge an der unteren Kante des Taillenbandes ab, wie es der Pfeil zeigt. Da es sich bei der Rückenlänge um eines der beiden sehr wichtigen Balancemaße handelt, muss sie so genau und sorgfältig wie nur möglich gemessen werden. Dieses Ergebnis ist mit der proportional berechneten Rückenlänge zu vergleichen, bei unterschiedlichen Maßen verlässt man sich auf die eigene Messung.

 

 

 

Die Hüfttiefe

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Hüfttiefe.
Die Hüfttiefe bis zur stärksten Stelle im Bereich des Gesäßes zu messen.

Die Hüfttiefe wird vom Halswirbelpunkt bis zur stärksten Stelle im Bereich des Gesäßes gemessen, dorthin, wo wir waagerecht das Maß des Hüftumfangs gemessen haben. Der Pfeil weist auf die Hüfttiefe hin, die im Durchschnitt 19-22 cm unter dem Taillenring liegt.

 

 

 

Die Länge

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Brusdttiefe.
Das Maß der Länge ist nach Kundenwunsch und jeweiliger Moderichtung zu bestimmen.

Die Länge wird vom halswirbelpunkt bis zur gewünschten Saumlänge gemessen und zwar gleich im Anschluss an die drei bisher beschriebenen Längenmaße. Dass die Länge der einzelnen Kleidungsstücke ganz besonders stark der jeweiligen Mode unterworfen ist, braucht nicht besonders betont werden. Auf jeden Fall ist sie genau mit dem Wunsch der Kundin abzustimmen.

 

 

Längenmaße

Die vorderen und die hinteren Längenmaße sind alle vom gleichen Halswirbelpunkt aus zu messen, der an der hinteren Mitte liegt.

 

 

 

Die Brusttiefe I

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Brusttiefe.
Die Brusttiefe I wird von der hinteren Mitte aus gemessen.

Nachdem am Rücken die vier Längenmaße vom Halswirbelpunkt gemessen wurden, misst man nun vom gleichen Punkt zunächst am Hals entlang, dann am Vorderteil weiter und erhält bei der Brustspitze die Brusttiefe I, bei der für die Schnittkonstruktion noch der Halsspiegel abzuziehen ist. Dabei kann die rechte oder linke Körperseite gewählt werden. Vom Wirbel bis zur Schulterspitze soll die untere Kante des Maßbandes etwa so wie ein normaler Halsausschnitt liegen. Dort, wo das Maßband am höchsten Brustpunkt aufliegt, macht es einen kleinen Knick, und hier ist, wie vom Pfeil  in der Abbildung markiert, die Brusttiefe abzulesen. Der Knick kann noch deutlicher sichtbar gemacht werden, wenn man das Maßband kurz unter der Brust leicht an den Körper hinführt, wie es die Handstellung zeigt.

 

 

 

Die Vorderlänge I

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Vorderlänge.
Die Vorderlänge I wird wie die Brusttiefe I von der hinteren Mitte aus gemessen.

Das Maßband wird auch weiterhin am Halswirbelpunkt festgehalten. Entlang dem hinteren Halsloch wird es über die Brustspitze gelegt, von wo es senkrecht nach unten hängt. Nun drückt man es mit einer Hand an das Taillenband, das, wie schon beschrieben, waagerecht und stramm in der Taille sitzen muss. An der unteren Kante des Taillenbandes ist die Vorderlänge I abzulesen. Das es sich bei der Vorderlänge um das zweite sehr wichtige Balancemaß handelt, muss es ebenso genau und sorgfältig wie die Rückenlänge gemessen werden. Beim Notieren der Vorderlänge I sollte gleich die berechnete Halsspiegelbreite abgezogen werden, damit die beiden Balancemaße, Rückenlänge und Vorderlänge II auf ihre Proportionalität zueinander verglichen werden können. Weichen die gemessenen von den berechneten Maßen stark ab, muss die Kundin sehr genau im Profil betrachtet werden, um feststellen zu können, welche Körpereigenheit (zum Beispiel starke Büste oder geneigte Haltung) die Abweichung vom Proportionalen verursacht. Notizen darüber sollten auf dem Maßzettel nicht fehlen.

 

 

 

Die Rückenbreite

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Rückenbreite.
Für die Messung der Rückenbreite streicht man die Weite des Kleidungsstücks unter die Arme nach vorne. Die Rückenbreite ist von Armansatz zu Armansatz zu messen.

Die Rückenbreite ist ein etwas schwierig zu messendes Maß, weil meistens das von der Kundin getragene Kleidungsstück die Körperkontur verdeckt. Es soll von einem Armansatz zum anderen waagerecht gemessen werden, was sich aber nur dann leicht verwirklichen, wenn die Kundin im Unterkleid abgemessen wird. Eine kleine Vorbereitung kann allerdings helfen, das Maß auch über ein Kleidungsstück ziemlich genau messen zu können. Wie aus der linken Abbildung ersichtlich, streicht man die Weite des Kleidungsstücks auf beiden Seiten unter die Arme, so dass der Stoff am Rücken möglichst glatt am Körper liegt. Dadurch bilden sich bei hängenden Armen zwei scharfe Falten, die den Abschluss zwischen Rücken und Armen gut markieren.

Die rechte Abbildung zeigt, dass man das Maßband glatt und waagerecht genau von der einen Falte zur anderen führt, und zwar etwa in Höhe der Brustumfanglinie, das heißt dort, wo vorher der Brustumfang gemessen wurde, über den unteren Bereich der Schulterblätter. Während wir hier das Maß der ganzen Rückenbreite messen, schreiben wir nur die Hälfte davon auf den Maßzettel. Bei einer beispielsweise mit 36 cm gemessenen Rückenbreite tragen wir 18 cm in den Maßzettel ein. Dieses Maß sollte nun auch sofort mit dem berechneten Maß verglichen werden, damit man bei einem größeren Unterschied nochmals nachmessen und eventuell korrigieren kann. Was zu beachten ist, wenn ein breitet oder schmälerer Rücken gegeben ist, wird im Kapitel “Schwierige Figuren” erläutert.

 

 

 

Die noch fehlenden Maße

Wenn wir unseren Maßzettel betrachten, stellen wir fest, dass einige Maße bisher noch nicht erläutert und auch nicht bildlich dargestellt wurden. Damit ist zum Beispiel die Halsspiegelbreite gemeint, die am hinteren Halsloch vom Halswirbelpunkt bis zur Schulterspitze gemessen werden könnte. Da wir aber aus Erfahrung wissen, dass es nicht leicht ist dieses Maß korrekt und immer genau zu messen, sollte man es lieber mit Hilfe einer einfachen Formel errechnen, die in den “Maßberechnungsformeln” zu finden ist. Die beiden letzten fehlenden Maße, der Armlochdurchmesser und die Brustbreite werden immer an Hand von “Formeln” berechnet. Das Maßnehmen ist eine schwierige Aufgabe, die sehr viel Übung und Erfahrung erfordert. Fehler und Mängel dabei übertragen sich auf den Schnitt und wirken sich beim Kleidungsstück in Passformfehler aus, deren Beseitigung erhebliche Mühe und Zeitaufwand kosten kann. Wenn man die Fehler einer Figur gut erkannt hat, soll man aber auch versuchen, diese nach Möglichkeit durch entsprechende Auswahl des Modells oder mit Hilfe von überlegten Nahtlagen so weit wie möglich zu kaschieren. Anschließend bliebt noch zu sagen, dass die auf den letzten Seiten gezeigten und beschriebenen Maßen genügen, um in der Maßschneiderei sowie in der Industrie einen gut passenden Schnitt erstellen zu können. Es gibt aber Fälle, bei denen noch zusätzliche Maße benötigt werden. Dazu gehören zum Beispiel Kundinnen mit extrem starken Oberarmen oder ungewöhnlichen Halsweiten. Derartige Maße nennen wir Spezialmaße, wir zeigen, wie sie gemessen werden können.

 

 

Balancemaße

Rücken- und Vorderlänge sind die wichtigsten Balancemaße. Sie sollten immer sehr genau gemessen werden und außerdem ist zu kontrollieren, ob das proportionale Verhältnis stimmt. Von diesen Maßen hängt es wesentlich ab, ob zum Beispiel der Rücken in seinem Bereich gut sitzt oder zu “kurz”  beziehungsweise zu “lang” ist.

 

 

 

Einige Spezialmaße

Maße, die im “Maßzettel” nicht genannt sind.

Wenn wir nun hier noch einige weitere Maße besprechen, dann handelt es sich nur um solche, die aufgrund besonderer Voraussetzungen gemessen werden sollen. So zum Beispiel der Oberarmumfang, den man nur dann benötigt, wenn die Kundin starke Oberarme hat. Das gleiche gilt für den Ellenbogenumfang, den man auch nur in einem solchen Falle benötigt oder dann, wenn die Mode einen ganz engen Ärmel vorschreibt. Dasselbe trifft auch auf den Handgelenkumfang zu. Das Messen des Halsansatzumfangs ist meisten auch nicht notwendig, weil sich dieses Maß bei der Grundschnittkonstruktion ergibt. Bei Frauen mit einem besonders starken Halsansatz oder bei Kleidungsstücken, wie zum Beispiel der Futtertaille, deren Erstellung anlässlich der Meisterprüfung verlangt wird, kann es nicht schaden, wenn man den genauen Halsansatzumfang kennt. Der fertige Schnitt kann dann auf dieses gemessene Maß hin überprüft und durch Ausschneiden der Zugaben am Halslochring vergrößert oder verkleinert werden. Eine Korrektur der Halslochweite am Schnitt erfolgt nachträglich, aber noch vor der Kragenaufstellung.

Das Messen der Brustbreite ist unter normalen Umständen auch nicht notwendig. Hat man aber beim Maßnehmen den Eindruck, dass es sich um eine Figur mit wirklich übergroßer Brust handelt, dann schadet es nicht, wenn man dieses Maß kennt und im Schnitt zur eigenen Sicherheit kontrolliert. Die Schulterbreite wird gemessen, wenn es sich um eine Figur mit auffallend breiten oder schmalen Schultern handelt. Aber erst am fertigen Schnitt sollte in der Regel die Schulter dem gemessenen Maß entsprechend am Armloch verbreitert oder verschmälert werden, da die Schulterbreite die Brustabnähertiefe beeinflusst.

 

 

 

Der Oberarmumfang

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Oberarmumfang.
Messung des Oberarmumfangs

Dieses Maß wird genau über die stärkste Stelle des Oberarmmuskels gemessen. Das Maßband liegt – wie beim Maßnehmen immer – ganz glatt. Der Ärmelschnitt muss im Oberarmbereich bereits für eine schmale Ärmelform um einige Zentimeter breiter sein.

 

 

 

Der Ellenbogenumfang

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Ellenbogenumfang.
Bei abgewinkeltem Arm ist der Ellenbogenumfang abzunehmen.

Der Arm der Kundin wird gebeugt bis Ober- und Unterarm einen rechten Winkel bilden. In der Armbeuge ist über die stärkste Stelle des Ellenbogens Maß zu nehmen. Bei stärkeren Armen und einem engen Ärmel verwenden wir dieses Maß zur Kontrolle auf der Ellenbogenlinie.

 

 

 

Der Handgelenkumfang

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Handgelenkumfang.
Messung des Handgelenkumfangs.

Der Handgelenkumfang ist über die Handwurzel oder etwas oberhalb glatt zu messen. Diesem gemessenen Maß gibt man bei der Ärmelaufstellung – auch bereits bei sehr enger Form – einige Zentimeter dazu.

 

 

 

Der Halsansatzumfang

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen von Halsansatzumfang.
Der Halsansatzumfang ist wie alle übrigens Maße glatt zu messen.

Der Name sagt schon, wie dieses Maß gemessen wird: ganz glatt am Ansatz des Halses, dort wo bei einem hochgeschlossenen Kleidungsstück eventuell ein Kragen angesetzt wird.

 

 

 

Die Brustbreite

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Schulterbreite.
Waagerechte Messung der Brustbreite

Wir markieren uns den Armansatz auf beiden Seiten in Höhe der Büste mit je einer Stecknadel und messen die Brustbreite waagerecht über die stärkste Stelle der Brust von einem Armansatzpunkt zum anderen.

 

 

 

Die Schulterbreite

Eine DOB Zeichnung zeigt das Maßnehmen der Schulterbreite.
Messung der Schulterbreite

Dieses Maß wird vom Halsansatz (Halslochring) bis zur Armkugel in der gewünschten Breite gemessen. Dabei ist darauf zu achten, ob bei dem Kleidungsstück, das die Kundin trägt, die Schulterbreite richtig ist.

 

Produkt: Lotmaßband 2 m
Lotmaßband 2 m
Lotmaßband 2,0 m (mit Edelstahlgewicht)

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