Produkt: TAILORMADE Lehr-DVD
TAILORMADE Lehr-DVD
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Knopf annähen

 

(Bild: © CATWALKPIX.COM)

 

Diesen und weitere Verarbeitungsbeiträge finden Sie in dem Fachbuch Atelier – Fachwissen aus der Praxis Teil 2.

 

Das richtige Knopfannähen bei Sakko – Mantel – Hose

Sogar das richtige Knopfannähen will gelernt sein. Es ist unprofessionell, wenn die Verschlussleiste zieht oder beult, sich schon nach kurzer Belastung der Knopf vom Kleidungsstück löst.

Die erste Frage ist bereits: Welches ist der richtige Faden zum Annähen der Knöpfe? In früheren Zeiten gab es Leinenzwirn in vielen Farben, der sehr haltbar war, aber seit Jahren nicht mehr hergestellt wird. Ersatz wurde SERALON Stärke 30, dieses Material ist äußerst strapazierfähig und geschmeidiger als ein Leinenfaden. Aber auch andere Produkte kommen zum Einsatz. Kletterseile werden heute ja auch nicht mehr aus Hanf oder Sisal gemacht, sondern aus Hightech-Fasern. Zuerst fertigt man einen sogenannten „Knopfsetzer“, ein extra starker Faden, der sehr haltbar ist. Um ein Verschlingen und Verknoten zu verhindern, muss der Faden überdreht werden. Dazu fädelt man den Knopffaden (z. B. Lamerts halblang nr 3) ein.

Die zwei herabhängenden Enden werden nun getrennt auf dem Knie oder einem Bügelkissen in derselben gedrehten Fadenrichtung weiter- oder überdreht. Beim Loslassen der Nadel verbinden sich die beiden Fäden zu einem. Dieser Vorgang wiederholt sich in ca. 20 cm Abstand bis zum Ende. Dann wird der gedrehte Knopffaden durch das Nähwachs gezogen – es kann auch ein Kerzenstummel sein – möglichst aus Bienenwachs. Damit es tiefer in den Faden eindringen kann, zieht man den gewachsten Faden über die heiße Platte des Bügeleisens. Sie werden sehen, die Mühe lohnt sich.

 

Das Foto zeigt Nadel und Faden für das Knopf annähen.Die Abbildung zeigt das Knopf annähen.

Jetzt kann das Knopfannähen beginnen. Entscheidend ist die Funktion. Ist es ein Zierknopf für eine besonders schöne Linie – wie beim Zweireiher oder Frack – braucht man keinen Stiel/Hals, da der Knopf ja flach auf dem Stoff liegen soll. Wird ein Knopf aber zum Schließen von zwei Vorderteilen verwendet, muss je nach Stärke des Materials der Abstand vom Knopf zum Stoff so groß sein, dass der Knopf nicht zu sehr den Übertritt auf den Untertritt zieht. Das sind bei normalen Stoffen ca. 2–3 mm. Bei Sakko, Kostüm, Weste und Hose sticht man je 2  pro Bohrung den Knopf an. Der sogenannte Hals wird ein paarmal umwickelt und der Faden dann nach unten vernäht. Das Umspinnen dient der Haltbarkeit und verhindert Verschleiß, denn solche Knöpfe werden ja im Laufe der Zeit unzählige Male auf- und zugeknöpft.

 

Die Abbildung zeigt das Knopfannähen mit Stiel.

 

Beim Zweireiher sollte der Hals vom inneren Gegenknopf mindestens 1–1,5 cm lang sein, damit der Untertritt ein wenig Spiel hat. Er darf aber nicht so lang sein, dass der Untertritt am Saum des Übertrittes sichtbar ist. Beim Mantel sticht man pro Bohrung 3  ein, da mehr Gewicht auf dem Knopf lastet. Je nach Dicke des Stoffes empfiehlt sich eine Halslänge von 4–5 mm.

 

Die Abbildung zeigt das Knopfannähen mit Stiel.

Manche Herrenschneider nähen nach englischer Art die Knöpfe über Kreuz an. Dazu muss man wissen, dass die Savile Row meist andere Knöpfe verwendet: die britischen Knöpfe sind wie kleine Schüsselchen geformt. Der Knopf wird über Kreuz angenäht, daraus ergibt sich am Kreuzungspunkt eine Erhöhung, die sich bei flachen Knopfformen schnell abnützen würde.

 

 

Je nach Geschmack die Fäden längs oder quer annähen. Die Knöpfe werden so angenäht, dass der sichtbare Faden parallel verläuft.

 

Die Abbildung zeigt das Knopfannähen mit Stiel.

 

Es gibt auch Knöpfe in der Schüsselform für sportliche Hosen, bei denen es allgemein üblich ist, über Kreuz anzunähen. Die meisten Hosenknöpfe sind jedoch extrem flach, um sich bei dünnen Stoffen nicht nach außen abzuzeichnen. Diese sind dann so ausgefräst, dass man sie nur parallel annähen kann.

 

Grundregeln zum Knopfverschluss an Blusen und Kleidern

 

Zwei Stofflagen sind zu sehen, wo Knopf und Knopfloch eingenäht werden.

Knopf und Knopfloch verschließen zwei übereinanderliegende Stoffkanten. In die obere Stoffkante, den Übertritt, wird das Knopfloch gearbeitet. Auf die untere Stoffkante, den Untertritt, wird der Knopf gesetzt.

 

 

Zwei Stofflagen sind zu sehen, wo Knopf und Knopfloch eingenäht werden.

Bevor man die Lage von Knopf und Knopfloch anzeichnet, markiert man die Mittellinie von Über- und Untertritt. Das Knopfloch überragt die Mittellinie um 2 mm, der Knopf wird genau auf die Mittellinie gesetzt.

 

 

Zwei Stofflagen sind zu sehen, wo Knopf und Knopfloch eingenäht werden.

Der Knopfverschluss sitzt glatt und faltenlos, wenn unter dem Knopf genügend Raum für den Übertritt ist. Deshalb werden alle Knöpfe mit einem „Stiel“ angenäht. Den Knopf mit doppeltem Faden annähen. Den Nähfaden nur so weit nachziehen, dass der Knopf einen Stiel erhält. Den Stiel dicht mit dem Nähfaden umwickeln.

Produkt: Rundschau für Internationale Damenmode 1-2/2017
Rundschau für Internationale Damenmode 1-2/2017
Rundschau für Internationale Damenmode 1-2/2017

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