Produkt: Schnittkonstruktion 2012
Schnittkonstruktion 2012
Schnittkonstruktion 2012

Abnäher richtig nähen

Kleider mit besonderer Abnäherverlegung
Inspiration Runway: Kleider mit auffälligen Abnähern bei Wickstead und Dolce & Gabbana. (Bild: CATWALKPIX)

Abnäher können senkrecht oder waagerecht, linealgerade oder schräg, gewölbt oder geschwungen (hohl), aber auch versteckt unter einer Applikation oder Borte angebracht sein. Hat das Modell keine formgebenden Nahtlinien, um den Stoffl dem Körper anzupassen, sind Abnäher unverzichtbar. Mit ihnen kann man Kleidungsstücke auf die weibliche Silhouette formen, Rundungen modellieren und bestimmte Partien vorteilhaft betonen. Ob Brustabnäher, Taillenabnäher oder Schulterabnäher: wichtig ist die richtige Stelle am Kleidungsstück, die optimale Verarbeitung, exaktes Nähen und fachgerechtes Bügeln.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch Atelier Fachwissen aus der Praxis 1.

Den einfachen Abnäher nähen

Anleitung zur Nähen eines Abnähers

Ein einfacher, gerader Abnäher wird, nach dem exakten Übertragen des des Schnittmusters und die Markierung genau beachtend, auf der linken Seite des Stoffes, von der breitesten Stelle zur Spitze geschlossen und vernäht. Bei Flanell oder ähnlichen Stoffen sollte man ihn auf den Kopf bügeln. So entsteht auf der rechten Seite der Eindruck einer auseinander gebügelten Naht. Läuft die Spitze schmal aus, schiebt man eine dickere Stecknadel in das Ende und erreicht damit ein leichteres Bügeln.

Ob gewölbt oder linealgerade, es ist eigentlich immer auf den genauen Verlauf des Abnähers zu achten. Genäht wird von der Breitseite zur Spitze. Ist der Abnäher gewölbt, sollte er auf- und zurückgeschnitten werden. So kann man die Form beim Bügeln besonders berücksichtigen. Um ein Ausreißen zu vermeiden, darf man ihn nicht bis zur Spitze ausschneiden. Der restliche Abnäher wird auf den Kopf gebügelt. Bei der Spitze nehmen wir eine dickere Nadel zu Hilfe. Sie wird zum Bügeln  wieder in das Abnäherende geschoben.

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Waagerechte oder schräge Abnäher führen meist von der Seitennaht oder einer seitlichen Teilungsnaht zur Spitze. Bleibt der Abnäher im Bruch, wird er nach unten gebügelt (Schwerkraft). Je nach Schnitt oder Stoff,  kann er auch geöffnet oder bei mitgestepptem Schrägstreifen auseinander gebügelt werden. Bei dieser Technik ist der Abnäher auf eine ca. 1–1,5 cm breite Nahtzugabe zurückzuschneiden.

Abnäher in voluminösen Stoffen liegen gut, wenn aus gleichem Material ein Schrägstreifen unterlegt und mitgesteppt wird. Der Schrägstreifen soll etwa 1 cm über die Abnäherspitze hinausreichen und gestuft zurückgeschnitten werden. Genäht wird von der Breitseite zur Spitze. Der Knoten am Abnäherende liegt im Schrägstreifenbruch. Durch das Auseinanderbügeln von Abnäher und Schrägstreifen entsteht auf der rechten Seite der Eindruck einer auseinander gebügelten Naht. Diese Technik wird auch in der Serienfertigung praktiziert.

Kleider mit besonderer Abnäherverlegung
Inspiration Runway: Kleider mit auffälligen Abnähern bei Bottega Veneta, Costelloe und Creatures of the Wind. (Bild: © CATWALKPIX.COM)

Abnäher in transparenten Stoffen nähen

Abnäher in transparenten Stoffen oder wenn Abnäher auf der rechten Seite des Stoffes gearbeitet werden: Sind Abnäher in sehr duftigen, durchsichtigen Stoffen zu nähen, ist ein Vernähen oder Verknoten nicht möglich. Man könnte es von rechts sehen. Hier wird der Abnäher von der Spitze ohne Rückstich gesteppt. Mit Seidenpapier geht es besser. Dadurch ist die Abnäherspitze ohne Fadenende sodass sie nicht aufgehen kann.

Einfädeln der Nähmaschine

Zunächst wird ausreichend Unterfaden aufgespult. Die Spule wie üblich einlegen und den Faden durch das Stichloch nach oben holen. Den Oberfaden aus der Nadel nehmen und den Unterfaden von der anderen Seite, d. h. von der Hohlkehle der Maschinennadel her durch das Nadelöhr einfädeln. Verbindet man Ober- und Unterfaden mit einem möglichst kleinen Knoten, kann das Garn nach oben durchgezogen werden. Ist der Oberfaden ganz ausgefädelt, wird in umgekehrter Reihenfolge der Unterfaden oben eingefädelt. Die Länge des Fadens muss bis zum Ende des Abnähers in der Oberfadenspannung liegen. Es ist auf genügend Länge zu achten.

Taillenabnäher nähen

Anleitung zur Nähen eines Taillenabnähers

Der Taillenabnäher, auch Konturabnäher, ist ein langer, rautenförmiger Abnäher, der an der Taille anliegt und nach beiden Seiten spitz zuläuft. Er gibt gleichzeitig Brust und Hüfte oder Rücken und Hüfte die passende Weite. Bei stark ausgeprägter Brust ist diese Anordnung im Vorderteil nicht geeignet. Wird der Abnäher geschlossen, umgeht man den schwierigen Nähanfang an einer Abnäherspitze durch jeweiliges Nähen von der Mitte aus, was bei Anfangsübungen und leicht ausdehnbaren Stoffen wichtig sein kann. Die eingebügelte Bruchkante wird in der Taille eingeschnitten und versäubert. Nur so kann er sich beim Bügeln spannungsfrei legen. Lässt es das Material zu (blickdicht), kann er an den Enden verknotet werden. Verknoten: ZumVerknoten beide Fadenenden fest anziehen, eine Schlinge bilden und den Knoten dicht am letzten Stich anbringen. Eine Wiederholung sichert den Halt. Etwa 1 cm dahinter die Fäden abschneiden.

Geschwungener oder französischer Abnäher

Anleitung zur Nähen eines französischen Abnähers

Dieser Abnäher wird von der Seitennaht über die Taille zur stärksten Stelle der Oberweite (nähe Brustpunkt) geführt. Durch seine Form und unterschiedliche Fadenlage sollte er vor dem Schließen bis auf eine ca. 1,5 cm breite Nahtzugabe ausgeschnitten werden. Die Abnäherlinien werden übertragen und exakt aufeinander gelegt, sodass man ihn problemlos nähen kann. Genäht wird von der Seite zur Spitze. Beim Ausnähen der Spitze das Material nicht ausdehnen. Die Naht wird zuerst flach und dann nach unten gebügelt. Je nach Nahtbreite und Dehnfähigkeit muss die Zugabe in gleichmäßigen Abständen eingeschnitten werden. Sie muss ihrem Verlauf angepasst liegen. Geschwungene oder hohl gezeichnete Abnäher finden wir z.B. auch beim Dirndl. Hier führt er von der Taille zur Brust und wird auseinander gebügelt.

Grundsätzliches beim Bügeln von Abnähern

Bleiben Abnäher im Bruch, sind sie zuerst in Nährichtung flach zu bügeln. Senkrechte Abnäher zur jeweiligen Mitte, waagerechte nach unten. So erhält man immer ein einheitliches Bild und der waagerechte Abnäher kann beim Tragen nicht kippen. Begonnen wird an der Breitseite, jedoch nicht bis zur Spitze. Sie könnte dabei ausgedehnt werden und eine Blase (Tüte) bilden. Von der Spitze aus wird der Abnäher, der gewölbten Körperform gerecht, fertig gebügelt. Läuft ein auf den Kopf gebügelter Abnäher sehr schmal aus, kann beim Flachbügeln der Spitze eine dazwischengeschobene Nadel sehr hilfreich sein. Bügelkissen erleichtern die Arbeit.

Abnäher verlegen

wölf Beispiele wie ein Abnäher ein Kleid verändern kann.
Abnäher ermöglichen Designern, die verschiedensten Looks zu kreieren.

Welche Arten des Abnähers es gibt, Wie man im Schnittmuster den Abnäher verlegt und Wissenswertes rund um das Thema Abnäher finden Sie auf unserer Themenseite Abnäher.

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Produkt: Rundschau für Internationale Damenmode 6/2016
Rundschau für Internationale Damenmode 6/2016
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