Produkt: Atelier – Fachwissen aus der Praxis 1
Atelier – Fachwissen aus der Praxis 1
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Paillettenstoff nähen

 

 

Der Ausdruck „Pailletten“ stammt von dem französischen Wort paille und bedeutet ursprünglich Stroh, Streu, aber auch Flecke aus Metallen. Anfangs wurden Pailletten aus platt gewalzten Drahtringen hergestellt und waren folglich metallfarben (Gold, Silber, selten Kupfer). Moderne Pailletten aus Kunststoff werden in vielerlei metallisch schimmernden Farben hergestellt und als Verzierung sowohl an Kleidung als auch an Accessoires aufgenäht.

Flächendeckend werden sie aber auch direkt bei der Stoffherstellung auf die verschiedensten Materialien – auch auf Stretch – aufgebracht. Inzwischen sind sie in fast jeder Größe erhältlich. Für die kommende Herbstsaison gibt es große Schuppenpailletten aus Kunststoffen, welche im Licht in allen Regenbogenfarben schillern.

Diesen Beitrag finden Sie in der Damenrundschau 10.2011.

 

 

(Bild: © CATWALKPIX.COM)

Paillettenstoff

Die Verarbeitung von Pailletten erfordert vor allem eines: Geduld. Zur ersten Anprobe empfiehlt es sich eine Moulure (Nesselmodell) herzustellen. Zum Schließen der Nähte und Abnäher werden in diesen Regionen sämtliche Pailletten entfernt. Sie würden sonst die Trägerin trotz des Futters pieksen oder die Strümpfe beschädigen. Sollten nach dem Nähen Paillettenlücken entstanden sein, können diese mit den abgetrennten Pailletten von Hand wieder aufgefüllt werden. In folgendem Beispiel wurde die Webkante mit dem breiten, unbestickten Teil in die vordere Verschnittlinie des Rockmodells integriert.

 

Schnittkonstruktion

Geraden Rock mit verstürzter Taille konstruieren, Saum wenig verengen. Das Schnittmuster im Ganzen kopieren. Vorne Verschnittlinie links einzeichnen. Bei einem nicht dehnbaren Grundmaterial Schlitzhöhe bestimmen

 

Zuschnitt

Der Rock wird offen zugeschnitten, da es vielfach nicht möglich ist den Paillettenstoff exakt in Bruch zu legen.

 

Die vordere Verschnittlinie direkt neben den breiten unbestickten Teil aufstecken (Bild 1).

Den gesamten Rock mit folgenden Nahtzugaben zuschneiden: Seitennaht 2 cm, Taille und Saum je 1 cm. Der Saum wird mit einem 6 cm breiten Futter- oder Satinstreifen verstürzt. Das Futter muss farblich exakt mit dem Paillettenstoff übereinstimmen, da es auf der rechten Seite ein wenig hervorblitzt. Falls der Paillettenstoff dehnbar ist, muss der Futter- oder Satinstreifen ebenfalls dehnbar sein.

 

Fixieren

Zur Fixierung der Taille wird eine Stepplinie mit der Maschine eingezogen, da sich beim Kleben der Taille die Pailletten verformen und schmelzen könnten. Der Rock wird direkt mit dem Futter verstürzt. Das Futter oben mit einer Klebeeinlage in Besatzbreite und einem Nahtband sichern. Den Futter- bzw. Satinstreifen zum Verstürzen des Saumes bekleben.

 

Bezeichnen

Den ganzen Rock mit Faden bezeichnen. Evtl. die Seitennähte und den Saum mit Kreide auf der linken Seite einzeichnen.

 

Verarbeitung

Alle Pailletten, die sich außerhalb der Bezeichnung der Nähte, Abnäher, Taille oder des Saumes befinden, müssen entfernt werden.

 

 

Zur Fixierung der Taille mit der Nähmaschine eine Steppnaht einziehen.

 

 

Die Webkante des unbestickten Teils mit der Overlock zu einem Rollsaum verarbeiten. In folgendem Beispiel, wo der Grundstoff dehnbar ist, wurde ein Zweifaden-Rollsaum angewendet. Bei einem festen Grundstoff kann ein Dreifaden-Rollsaum schöner aussehen. Hier gilt ausprobieren. In der Taille und dem Saum die 1 cm breite Nahtzugabe einlaufend zur Verschnittlinie overlocken.

 

 

Die Verschnittlinie links auf links legen und direkt neben den Pailletten mit Hilfe des Reißverschlussfußes die Naht schließen.

 

 

Die unbestickte Nahtzugabe stehen lassen, nicht flach bügeln.

 

 

Die Abnäher stecken und von der Taille abwärts nähen. Den Faden am Schluss verknoten. Den Abnäher von hinten mit einem Tuch ohne Dampf zur Mitte bügeln. Vorher an einem Reststück ausprobieren.

 

 

Die Seitennaht rechts auf rechts stecken und mit dem Reißverschlussfuß nähen. ebenfalls die Nahtzugabe von hinten, ohne Dampf und mit einem Tuch auseinanderbügeln und overlocken.

 

 

Saumstreifen mit Querstecknadeln auf den Rock stecken.

 

 

Den Saumstreifen auf der Paillettenseite bei 1 cm annähen.

 

 

Ohne die Pailletten zu berühren, den Saumstreifen flach bügeln.

 

 

Mit Hinterstichen die unterste Paillettenreihe von Hand annähen, damit sie sich nicht lösen können. Fehlende Pailletten hinzufügen.

 

 

Den Saumstreifen bügeln, so dass ein wenig des Streifens nach vorne blitzt. Die Pailletten sollten nicht länger sein als der Saumstreifen, da sie sonst die Strümpfe beschädigen könnten.

 

 

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Das Foto zeigt ein Modell mit einem Paillettenkleid.(Bild: © CATWALKPIX.COM)

 

 

 

 

Verarbeitung mit Ripsband

 

Zuschnitt

Bei folgender Nahtverarbeitung werden die Nähte ohne Nahtzugaben zugeschnitten.

 

 

Verarbeitung

Diese Verarbeitungstechnik kann als Seitennaht oder bei Verschnittlinien angewendet werden.

 

In folgendem Beispiel beträgt die Breite des Ripsbandes 2,2 cm. Nun werden von der Schnittkante der Nähte je 1,1 cm der Pailletten entfernt. Die Schnittkanten mit einem Zick-Zack-Stich zusammennähen.

 

 

Das Ripsband mit Querstecknadeln aufstecken .

 

 

Mit dem Reißverschlussfuß das Ripsband kantig auf beiden Seiten aufsteppen.

Produkt: Atelier – Fachwissen Herren
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