Produkt: Schnittmuster Pyjama
Schnittmuster Pyjama
Der Schnittmusterbogen enthält ein Pyjama-Set in den Größen 36-46. Dieses Set besteht aus vier Modellen, zwei Oberteile und Hosen.

Das Korsett im Spiegel der Zeit

Korsetts auf dem Laufsteg
Inspiration Runway: Neuinterpretation des Korsetts von Gaultier, Dolce & Gabbana und Zac Posen. (Bild: © CATWALKPIX.COM)

Ein Trend der die Modewelt erobert: Korsetts, geschnürte Taillengürtel  und Corsagen sind wieder en Vogue! Wie dieses uralte Kleidungsstück entstand und sich von einem Teil der Unterwäsche zu einem absoluten Trend-Accessoire entwickelte erfahren Sie hier.

Inhalt:

Korsett oder Corsage – Was ist der Unterschied?

Der Begriff des Korsetts wurde in Frankreich geboren. Ausgehend vom lat. „corpus“ wurde der Körper frz. „le corps“ genannt und zu „le corpsette” verkleinert, um „das Leibchen“ zu benennen, woraus schließlich „le corset“ entstand. Häufig werden im Zusammenhang mit dem Begriff Korsett auch die Begriffe Schnürleib, Schnürbrust, Mieder oder Corsage genannt.

Das Schnürleib bzw. Schnürbrust wurde als eigenständiges Kleidungsstück unter der sichtbaren Kleidung getragen, das Mieder hingegen als sichtbares Kleidungsstück. Es findet sich noch heute vor allem in der Trachtenmode wieder. Des Weiteren wird der Begriff Mieder, heutzutage als Oberbegriff Miederwaren, für elastische Damenunterbekleidung verwendet wie BHs, Korselettes (weiter entwickelte bequeme Variante des Korsetts aus elastischen Materialien), Torseletts (eine Art verlängerter BH mit leichter Versteifung), Hüfthalter, verwandt ist auch noch die Corsage. Sie ist ein eng umschließendes, ärmel- und trägerloses Kleidungsstück. Sie hat aber im Gegensatz zum Korsett keine stark modellierende Wirkung auf den Körper. Verwendet wird die Corsage im Allgemeinen bei Brautkleidern und Abendmoden. Neben den medizinischen Korsetts wird das moderne Korsett heute noch im Bereich der Gewandmeisterei, als Bühnenkostüm oder im Bereich Burlesque, Fetisch, Gothic, Larp oder Cosplay getragen.

Wann wurde das Korsett erfunden?

Die Geschichte des Korsetts können Sie hier nachlesen.

Antike Zeitepoche (ca. 2000 v.Chr. – 550 n.Chr.)

 

 

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts. Eine Schlangengöttin.
Schlangengöttin von Knossos

In der Geschichte der Antike war der Gebrauch des Korsetts noch nicht üblich, jedoch wurden bereits Vorläufer, denen eine schnürende Funktion zu eigen ist, entwickelt. Als erste bekannte Form kann auf eine über 4000 Jahre alte kleine Statuette der berühmten Schlangengöttin von Knossos verwiesen werden. Sie ist die berühmteste Darstellung der insgesamt dort gefundenen kleinen Statuen. Die Besonderheit der dargestellten Kleidung bei der Statuette ist zum einen die stark geschnürte, schmale Taille durch eine Art Mieder, die die nackten Brüste fest umschloss und so zur Schau gestellt hat und zum anderen die Aufteilung in Rock und Oberteil. Das zeigt, dass schon damals Wert auf eine schlanke Taille gelegt wurde. Jedoch getragen wurden diese doch wohl eher unbequemen Kleidungsstücke nur an offiziellen Anlässen und hohen Festtagen. In der weiteren Entwicklung der griechischen und dann auch römischen Antike (1500 v. Chr. bis 500 n. Chr.) wurden Streifen, Bänder bzw. Gürtel zur Stützung des Busens verwendet und um die Taille damit schmal zu halten.

Dabei gab es drei Varianten der Anwendung:

  1. Brustbänder, die über dem Hemd getragen wurden
  2. Brustbänder, die direkt auf dem Körper getragen wurden
  3. Bänder (Gürtel), die um die Taille gelegt wurden

Diese Bänder hießen lateinisch Cestus, Capitum, Cingulum, Fascia, Toenia, Mamilare und griechisch Strophium, Zona und Apodesme. Wobei Cestus ein bestickter Lederstreifen war, der um die Taille gelegt wurde, um die Tunika zusammenzuhalten. Der Cestus wurde niedriger als das Cingulum und höher als die Zona getragen. Die Zona, meist aus Bast gefertigt und um die Hüfte getragen, wurde als Bezeichnung des jungfräulichen Gürtels bekannt. Das Capitum bedeckte den oberen Teil des Körpers. Es wurde in hellen Farben hergestellt und über dem Hemd meistens von gewöhnlichen Frauen getragen. Die Fascia (wie auch die Apodesme) war ein langes, breites Band unter der Kleidung, die durch Druck die Brüste zusammenhielt und einen kleinen Busen erzwang, entsprechend des zeitgemäßen Schönheitsideals. Das Mamilare war ein Gürtel aus weichem Leder, der vor allem dazu diente die stark ausgeprägte Brust zu umschließen und zusammenzuhalten. Das Strophium wurde von Frauen, die keine schweren Arbeiten ausführten, über dem Hemd getragen. Es konnte gleichzeitig als Tasche für kleine Andenken und Briefe genutzt werden.

 

Abgebildet sind viele technische Zeichnungen von Corsetts.

 

 

Das Strophium, das wie alle anderen Gürtel bzw. Bänder meist in aufreizendem Rot getragen wurde, entwickelte sich zum Luxusgegenstand, der mit Goldstickereien, kostbaren Steinen und Perlen verziert wurde. Die Frau im germanischen Altertum hat bis ca. 550 n. Chr. noch Varianten der antiken Bänder bzw. Gürtel getragen. Später erschien das „muoder“ (mittelhochdeutsch für Mieder). Es war ein Schnürleibchen, das direkt auf der Haut oder auch über dem Hemd getragen wurde. Aufgrund des Kleiderstils der locker fallenden Gewänder wird es wohl keine stark körpermodellierenden Eigenschaften gehabt haben. Im zwölften Jahrhundert gab es in Frankreich unter König Ludwig VI. und König Ludwig VII (1108 n. Chr – 1180 n. Chr.) die kurzfristige Erscheinung eines „den Körperformen angepassten Mieders“.

Danach verschwanden diese Mieder wieder durch den Gebrauch der üblichen tunikaartigen Gewänder. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts bis um 1230 verstand man unter Corset ein nach der Form der Kotta (evtl. Côte frz. Rippe) geschnittenes Unterfutter und nicht ein Korsett nach heutiger Definition. Mit der Zeit wurde die Silhouette der Frau immer figurbetonter. Im 13. Jahrhundert erschienen dann die ersten frontseitig geschnürten Taillenschnürwerke. Sie waren aus Baumwolle oder Ziegenleder gefertigt und teilweise mit Messingdraht verstärkt.

 

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Mittelalter (ca. 550 – 1500)

Ab 1350 soll ein korsettartiges Untergewand getragen worden sein, welches einzig zur Verbesserung der Haltung diente, nicht aber zur künstlichen Formung des Körpers. Auch sollen sogenannte Leibbinden getragen worden sein, die die Taille schnürten und die Brust anhoben. Das Oberteil erhielt ein Schnürwerk und konnte so noch enger auf die gewünschte Figur geschnürt werden.

Renaissance (ca. 1500 bis 1615)

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts aus Metall.
Korsett aus Metall

Im 15. Jahrhundert war das Schnürmieder, das unter der burgundischen Tracht getragen wurde, noch relativ weich. Es wurde aus kostbar verzierten Baumwollstoffen oder auch aus Ziegenleder gefertigt, oft mit Pelz verbrämt und mit Bändern geschnürt. Es ließ meist die Brust frei, um sie von unten zu stützen, und reichte knapp bis zur Hüfte. Ab 1500 n. Chr. wurde das Mieder aus zwei oder mehreren Schichten gestärkten Leinens mit Fischbein-, Eisen oder Holzschienen versteift um die Front zusätzlich zu versteifen, wurde in die vordere Mitte das zunächst noch sichtbar getragene und kostbar gearbeitete Blankscheit eingeführt. Dieses versteifte Oberteil nannte man in Frankreich cors, im neufranzösischen dann corps.

An den Saum des Schnürmieders waren kurze Schößchen gearbeitet, die unter den Rock geschoben wurden. Kleine eingestickte Ösen dienten zur Befestigung von Strümpfen. Die vordere Mitte lief zu einer verlängerten Spitze zu, der Schneppe. Es drückte die Brüste flach mittels eingearbeiteter Bleiplatten und sollte somit die weibliche Form aufheben. Aus dem 16., Anfang 17. Jahrhundert ist bekannt, das es auch aus Eisen geschmiedete und mit Samt eingeschlagene Korsettmodelle mit tütenförmig gearbeiteter Brust oder unterhalb des Busens endend, gab. Diese hatten jedoch mehr einen medizinischen Nutzen.

 

Barock (ca. 1615 bis 1715)

 

 

Zu Beginn des Barocks wurde durch den Einfluss der französischen Mode die Brust langsam wieder betont und zur Schau gestellt. Dafür wurde dem Busen mehr Freiraum eingeräumt und gewölbte Widerlager für den Busen eingearbeitet. Zusätzlich wurde der Brustbereich mit entsprechenden Polsterungen verstärkt. Die Dekolletés wurden immer tiefer, so dass man gegen Ende des 17. Jahrhunderts fast vollständig entblößte Brüste hatte. Die Korsetts, die damals noch Schnürbrust bzw. Schnürleib genannt wurden, waren insgesamt besser verarbeitet, aus Seidensatin, Atlas und mit Spitzen verziert. Sie wirkten sehr elegant.

 

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Damit die Korsetts auch als Stütze für die an den Seiten extrem ausladenden, vorne und hinten flachen Röcke dienen konnten, bekamen sie eine trichterförmige Erweiterung oder auch die so genannten „Steißrollen“.Die Mieder dieser Zeit waren meist in das Kleidoberteil integriert. In Spanien um 1650 bis 1660 wurde das Korsett als sichtbares, mit schönem Stoff überzogenes Oberteil getragen. Es hatte eine überlange spitze Schneppe und war in der Brustmitte stark ausgepolstert, um eine gerade Fläche zu erzielen. Das abgesteppte Korsett hatte eingefügte Stäbe aus Rohr oder Fischbein, reichte vom Hüftansatz bis unter die Achseln und hatte Träger. Des Weiteren war es sehr starr ausgelegt, so dass es der Trägerin keine Bewegungsfreiheit gelassen hat und entwickelte sich zu einem Panzer.

 

Rokoko (ca. 1715 bis 1790)

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts aus dem 18. Jahrhundert.
Korsetts des 18. Jahrhunderts

 

Die Herstellung des Korsetts verlagert sich vom Kleiderschneider und der Näherin hin zum Tailleur de corps à baleine (Fischbeinleibschneider). Es wurde liberalisiert und weiterentwickelt. So wurde das Korsett über die Taille nach unten verlängert. Durch das Aufschlitzen der verlängerten Seitenteile bis zur Taille wurden Laschen gebildet, die sich unter dem Zug der Schnürung fächerförmig aufrichteten und so den Rundungen der Hüften folgten und sie formten. In dieser Zeit wurde die Schnürbrust überwiegend als Untergewand getragen, aber auch als Obergewand. Das Untergewand war gestepptes, mehrlagiges Leinen, meist komplett mit Fischbein versteift, d. h. die Stäbe lagen dicht an dicht und wurden durch eine Vielzahl von nähten in Position gehalten. Die vordere Mitte wurde mit dem Blankscheit versehen.

Das ebenso versteifte Obergewand wurde wie bereits im Barock reich ausgestattet u.a. mit Brokat, Seide, Satin, Atlas und Spitze sowie verziert mit Goldstickerei. Das Korsett bekam zusätzlich eine stützende Funktion, die notwendig wurde aufgrund der sehr schweren Kleidung und den ermüdenden Hofzeremonien. Neu eingeführt wurde ein dreieckiges versteiftes und reich verziertes Element – der Stecker. Er füllte die vordere Öffnung der Schnürbrust aus und war seitlich eingehakt oder wurde unter die Schnürung gesteckt. Neben der Schnürung vorne mit Stecker war sie auch seitlich und hinten angebracht. In den oberen Schichten, wo Zofen das Schnüren übernahmen, wurde das Korsett meist im Rücken geschnürt. Im Vorderteil erhielt das Korsett nur eine dekorative Zierschnürung. Die Schnürlöcher waren mit Seide umnäht.

Bei dem als Obergewand ausgestatteten Schnürbrüsten wurde die Schnürung durch Rüschen verdeckt. Die Ärmel wurden durch die im Armausschnitt der Schnürbrust angebrachten Schnürlöcher angebunden. Zu Beginn war die Schneppe weniger ausgeprägt, wurde jedoch nach und nach bei der höfischen Robe à la française wieder tiefer. Wurden im 16. und 17. Jahrhundert die Brüste noch eher plattgedrückt, so wurden sie im 18. Jahrhundert zunehmend vom Korsett hochgedrückt und betont. In England begann man sich von dem französischen Kleidungsstil zu lösen und bevorzugte einfachere und bequemere Kleidung. So wurde in England das Korsett am Rücken geschnürt und wurde nicht so straff zusammengezogen getragen.

 

Klassizismus (ca. 1789 – 1814)

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Nion Korsetts. um 1800.
Ninon-Korsett um 1800

 

Während des Directoire und Empires wurde aufgrund des wieder aufgenommenen antiken Schönheitsideals auf das starre Korsett verzichtet. Auch die französische Revolution trug zur Abschaffung des Korsetts maßgeblich bei. Zunächst wurde nur ein unterstützendes Brustband genutzt. Später, nach 1810, wurde auf ein Untermieder oder ein dehnbares Korsett aus Baumwolltrikot, teilweise mit einem Spiralfedereinsatz in der Mitte, zurückgegriffen.

 

Biedermeier (ca. 1814 bis 1848)

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts aus der Zeit des Biedermeiers.
Korsett mit Stickerei

In der Biedermeierzeit galt das Korsett als unausweichliches Kleidungsstück, als Zeichen des Anstandes und der Moral. Folglich trug nicht nur die höfische Dame ein Korsett, sondern auch die mittelständische Frau, um sich mit Wespentaille (ca. 40 cm umfang) zu präsentieren. Das Korsett wurde nicht mehr als Oberbekleidung getragen, sondern als eigenständiges Unterwäscheteil, aber trotzdem sehr solide gearbeitet und schön verziert. Als Basismaterial diente Baumwolle (Drell, Denim), selten Leder mit Musselin oder Satin überzogen, mit Schleifen und Spitzen verziert.

Üblicherweise wurden Korsettteile gequiltet, um den Halt zu verbessern und das Korsett dekorativer zu gestalten. Es reichte bis zu den Hüften, wo eingesetzte Zwickel die früheren Laschen zur Formung der Hüftrundung ersetzten. Die Zwickel, ab 1840 auch aus vulkanisiertem Gummi hergestellt, konnten zusätzlich geschnürt werden. Insgesamt bestand ein Korsett aus 7 bis 13 Einzelteilen. nach 1828 wurden die Schnürlöcher des Korsetts mit Metallringen verstärkt. Es gab gleichzeitig von oben und unten bis zur Mitte verlaufende Verschnürungen im Rücken, aber auch solche, die im Rückenbereich durch einen Fischbeinstab gesteckt werden und beim Herausziehen das Korsett öffneten. Manchmal wurde das Blankscheit in zwei Stahlschienen unterteilt, wobei die eine Seite mit Stahlösen und die andere mit Stahlhaken versehen wurde.

Dadurch ließ sich das Korsett viel einfacher und ohne fremde Hilfe an- und ausziehen. nach 1835 wurde das Korsett vorne länger, reichte rundum bis über den Hüftansatz und war meist trägerlos oder die Träger lagen außen an den Achseln. War bis 1820 die Maßfertigung von Korsetts üblich, bekam dann die industrielle Fertigung eine immer größere Bedeutung – vor allem nachdem die Dampfausformung (Moulding) auf Metallformen eingeführt wurde.

 

Zweites Rokoko (ca. 1848 bis 1870)

 

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts aus Stoffbahnen.
Korsett aus Stoffbahnen

 

Die industrielle Fertigung von Massenware machte Korsetts für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Man verarbeitete Draht, Spiralfedern und andere Stahlwaren in den Korsetts und Reifröcken, wodurch diese auch erheblich leichter wurden. Anfang des 19. Jahrhunderts Korsett mit Stickerei wurde durch die Webstuhltechnik (Jean Werly) das gewebte Korsett aus einem Stück ermöglicht. Dabei konnte durch Auf- und Abnehmen von Kettfäden das Ausarbeiten der Büsten und das Einarbeiten von Taille und Hüften ermöglicht werden. Diese neuen nahtlosen Korsetts waren komfortabler, leichter und angenehmer zu tragen. Das Korsett wurde wieder kürzer, da die Hüften unter den weiten Röcken verschwanden und keiner weiteren Modellierung bedurften.

Die Korsettstäbe in Vorder- und Rückenteil waren in der Taille stark konkav gebogen, um so den Übergang in den Rock zu ermöglichen. Dies verstärkte optisch den Eindruck einer sehr schmalen Taille. Durch seine starke Formung in der Taille blieb das Korsett auch ohne Träger in seiner Position und gab den Brüsten ausreichend Halt und modellierte sie. 1863 wurde auf der Weltausstellung in London eine Maschine vorgestellt (Isaac Merrit Singer), die sehr schnell Stoffbahnen zusammennähen konnte. Diese Erfindung der Nähmaschine revolutionierte die Korsettfertigung und löste das Webstuhlverfahren ab, da die aus Einzelteilen zusammengenähten Korsetts eine wesentlich höhere Passform aufwiesen und preiswerter in der Herstellung waren. Mit der aufkommenden Hygiene wurde das Korsett über dem Hemd getragen, da es sich schwer reinigen ließ.

 

Die Gründerjahre (ca. 1870 bis 1890)

 

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts.
Korsett mit Löffelblankscheit (l.), Korsett mit geradem Blankscheid

In den Gründerjahren kehrten die wieder enger werdenden Röcke zurück, die als „Enge Mode“ bezeichnet wurden. Einhergehend mit der in die Mode kommenden Tournüre (1868/69) wurde auch die sogenannte Kürasstaille populär. Somit wurde das Kürass Korsett führend, bei dem die höher gelegene und sehr lang gezogene Taille charakteristisch war. Es war vorne starkverlängert und schloss den Bauch rund ein. Seitlich reichte es sehr weit über die Hüften hinaus, da diese nun ebenfalls einer Modellierung bedurften.

Die Brust wurde nach oben angehoben, wodurch optisch der Effekt erzielt wurde, dass die Taille noch mehr verlängert schien. Durch die Länge wurde eine höhere Versteifung notwendig. Für zusätzliche Versteifung und um die extreme Formung besser zu ermöglichen, wurde 1873 das Löffelblankscheit entwickelt. Diese neue und geschwungene Form war am oberen Ende schmal, in der Taille konkav gebogen und erweiterte sich zum unteren Ende hin löffelförmig. Die Idealtaille lag zu jener Zeit bei nur 43-53 cm.

 

Belle Époque (ca. 1890 bis 1918)

 

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts in S-Linie.
Korsett in S-Linie

 

Zu Beginn der Belle Époque um 1890 wurde die gerade Front beim Korsett eingeführt. Diese verlieh dem Körper eine starre, gerade Haltung. Bei den Materialien wurden die teuren Fischbeineinsätze vielfach durch rostfreie verzinkte Spiralfedereinlagen bzw. Stahlfedern ersetzt. um 1900 bis ca. 1907 musste das Korsett Hüften und Bauch wegschnüren. Diese „Sans Ventre“ (frz. ohne Bauch) Korsettform wurde als S-Linie bekannt, da eine S-förmige Körperhaltung erzwungen wurde. Der Oberkörper wurde nach vorn und die Taille etwas tiefer gedrückt, wodurch ein Hohlkreuz entstand, was das Gesäß betonte. Zusätzlich wurden jetzt auch Strumpfbänder am Korsett angebracht und ein separater Hüftgürtel getragen.

Durch die Reformbewegung wurde das steife Korsett immer mehr abgelehnt. So wurde eine Reihe von Alternativen und Varianten angeboten wie so genannte Gesundheitskorsetts, Reformleibchen, Brustgürtel, Brusthalter, Negligé und Umstandskorsetts. Durch die zunehmende sportliche Betätigung wurden leichtere, flexiblere Korsetts notwendig. Ebenso führte der erste Weltkrieg zu einem umdenken in der Mode. So wurden Bänderkorsetts, Korsetts aus gestricktem Gewebe mit leichter Dehnung und seit 1911 mit elastischem Gürtel populär. Sie waren alle nur leicht verstärkt und manchmal an der Seite geknöpft oder gehakt unter Verzicht auf den Blankscheit.

 

Zwischen den Weltkriegen

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Korsetts.
Guêpière

Durch den Krieg geprägt zeigte die neue Mode keine Taille mehr und strebte die gerade Silhouette an. Die Brust wurde mit einem flach machenden Büstenhalter weggedrückt. Gesäß und Hüften verschwanden unter elastischen Hüftgürteln. Der Hüftgürtel hatte neue gummielastische Einsätze, bedeckte das Gesäß, ließ jedoch die Taille frei. Auch wurde das Korselett eingeführt („kleines Korsett“), ein durchgehendes Modell mit einemflachen Büstenteil, das die Taille nicht einschnürte. In den dreißiger Jahren kehrte die Frauenmode zu einem streng-eleganten Stil mit einer Taillenbetonung wieder.

Eine neue Generation von Korseletts, Hüftgürteln und Büstenhalter kam auf den Markt, mit stützender und haltender Funktion. Dabei war im Wesentlichen die Verarbeitung neuer Materialien der ausschlaggebende Faktor. So wurde z.B. Lastex (federleicht, langfädig, mit Viskose ummanteltes Gummi) eingesetzt, um die Miederwaren leichter, bequemer und anschmiegsamer zu machen. 1935 kam das erste Korsett mit Reißverschluss auf dem Markt. Auch durfte die Frau wieder Frau sein und der Büstenhalter verlor seine versteckende Eigenschaft und sollte im Gegenteil betonen.

Die neue Zeit nach dem II. Weltkrieg

Dessous von Felina aus den 50er Jahren
Dessous-Modenschau der 50er-Jahre (Felina) (Bild: TIM/INDUSTRIEMUSEUM AUGSBURG)

Der Begriff Korsett wurde zunächst abgelöst durch den Begriff Guêpières in Paris. Sie hatte eine sehr enge Wespentaille, einen tiefen Rückenausschnitt und wirkte sehr feminin. Das Taillenkorsett erlebte eine kurze Renaissance durch Dior, der seine Modelle auf eine extrem schmale Taille und breite Hüften modellierte. Durch die boomende Filmindustrie wurden Stars und somit Vorbilder verbreitet und gründeten den „New Look“. Somit waren weibliche Kurven, Taille und Busen das erstrebenswerte Vorbild geworden. Die Frauen wollten zeigen, was sie hatten. Und wenn sie glaubten, es sei zu wenig, so halfen sie nach.

Dadurch wurde die Nachfrage nach neuen Miedermodellen stark erhöht. Dabei war aber auch ein vergrößertes Modellangebot wichtig geworden. Sehr verbreitet waren BHs, Torseletts Hüfthalter, Strumpfhaltergürtel, Korseletts, Miederhosen und Hosencorselets. Was in den Fünfzigern die Filmstars waren, übernehmen nun die Popikonen – vorne weg Madonna. Sie setzte direkt mit ihrem ersten Erfolgsvideo „Like a Virgin“ mit ihrem Auftritt in einer Spitzenkorsage einen neuen Trend für die Miedermode – als Oberbekleidung. Ihre Vorliebe führt sogar dazu, dass Jean Paul Gaultier ein Korsett für sie anfertigte, dass mit „Material Girl“ Weltruhm erlangte.

 

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Büfel BH´s
BH mit Hüftgürtel

 

Dieser Trend wurde von Modemachern umgesetzt und von Frauen erfolgreich aufgenommen. In den achtziger/neunziger Jahren trat die Spitze ihren Siegeszug in der Miederwarenindustrie an. Es entstand eine reiche Palette an Wäsche, die zum einen eine gewisse Eleganz ausstrahlen sollte und zum anderen einen starken Sexappeal hatte. Vor allem die Produktgruppe „Body“ setzte sich bei den Käuferinnen durch. Vivienne Westwood schaffte nach den Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert mit abgeflachten gedrückte Brüsten die Wiederbelebung des Korsetts. Dies gilt als eine der innovativsten Mode-Ideen der neunziger Jahre. Viele Designer lieben das Korsett bzw. Abwandlungen davon in ihrem Sortiment als festen Bestandteil. Unter anderem sind hier zu nennen: Christian Lacroix, Valentino, John Galliano, Alexander Mc- Queen, Jean Paul Gaultier, Thierry Mugler sowie Gianni Versace.

 

 

Abgebildet ist eine Zeichnung eines Torseletts BHs.
Torseletts und BHs

Das neue Jahrhundert

Intelligente Materialien finden den Weg in die Miederwaren, um den anspruchsvollen Anforderungen der Frauen an Design, Passform und Funktion gerecht werden zu können. Neben den Materialien wie z.B. die Mikrofaser gehören auch neue Verarbeitungstechniken (Saum- und nahtlos Verarbeitung und ultraschallgeschweißt) zu den neuen Errungenschaften. In der Musikszene wird das Korsett gerne genutzt. Besonders zu nennen sind hier Madonna, Christina Aguilera, Gwen Stefani, Anastacia, Janet Jackson und Britney Spears. Die Prominenten können im Allgemeinen für den öffentlichen Auftritt nicht auf das körperformende Korsett verzichten.

Korsett und Corsage auf dem Laufsteg
Inspiration Runway: Corsagen und Korsetts sind wieder im Trend, Modelle von Vauthier und Mc Queen (Bild: © CATWALKPIX.COM)

So kann man sich den „Roten Teppich“, z.B. bei der Oscar-Verleihung, nicht ohne Korsett Kleider vorstellen. Sie sind damit der Paparazzi liebstes Zielobjekt. Auch Titelblätter bekannter Mode- und Frauenzeitschriften zeigen gerne Stars im Korsett in voller Pracht. In der Filmindustrie findet eine Art Historismus Einzug. Die historischen Themen oder auf Basis historischer Zeiten angelehnten Erzählungen bedienen sich im Überschwang auch der historischen Mode und das Korsett feiert auf der Leinwand eine ungeahnte Popularität. Auch der Fantasiesektor macht zahlreiche Anleihen an dem Korsett und nutzt Abwandlungen und Verfremdungen für die effektvolle Darstellung der Heldinnen jeder Art.

Fetisch

Eine weitere Spielart, die sich zeitlos als Subkultur hält, ist die Verwendung des Korsetts als Fetisch. Die erotische Verwendung ist weder „in“ noch „out“, sondern hat seinen festen Kundenkreis. Dies zeigt sich auch in der Verbreitung im Internet. Fast 90% der Suchtreffer für den Begriff „Korsett“ führten zu Angeboten im erotischen Fetischbereich. Das Korsett in der Fetischszene wird bevorzugt hergestellt mit Materialien wie Latex oder Leder.

Hauptsächlich werden dabei die Farben Schwarz und Rot verwendet. Zusätzlich wird das Korsett mit Details aus Metall wie Schnallen, Ösen, Nieten versehen, die nicht unbedingt eine Funktion haben sondern als Verzierung dienen. Im Allgemeinen wird die körperformende Eigenschaft zur Betonung der weiblichen Formen gezielt eingesetzt. Somit werden der sexuelle Charakter und die Erotik von Korsetts betont.

Wie wird ein Korsett hergestellt?

Das Foto zeigt die Entwicklung einer Corsage. Papier wird an einer Büste drapiert.

Anleitungen zur Schnittkonstruktion und Nähanleitungen für Korsett, Corsage und Mieder finden Sie hier:

 

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